mit vorsichtig gemässigter stimme und setzte langsam seine Cigarre wieder in Brand, "wie ich die Sache ansehe, handelt es sich jedenfalls um die Ausführung eines scharfen Streiches – man macht sonst dergleichen Anerbieten, wie Sie es eben taten, nicht so ohne Weiteres. Entweder soll der Mann, den Sie durchaus in mir erkennen wollen, dadurch zum Bekenntniss seiner Identität vermocht und so in eine Falle gebracht werden – und das wäre allerdings unter Umständen ein ganz gelungener Streich – oder es ist irgend ein subtiles Unternehmen, das nicht Jedermanns Geschmack ist, im Werke, zu welchem der Mann, den Sie in mir suchen, hilfreiche Hand leisten soll."
"Gar nicht so übel geschlossen," nickte der Advokat, als Seifert eine Pause machte, um seine Cigarre zum mund zu führen; "ich freue mich über Ihre schnelle Auffassung der Verhältnisse, Mr. Seifert."
"W e l l s , wenn ich bitten darf, Sir; Wells unter allen Umständen, diese mögen sich nun gestalten wie sie wollen," fiel ihm Seifert mit einer kalten Verneigung des Kopfes in die Rede. "Was den ersten Fall anbetrifft, so ist es ganz gleich, ob ich hier unter vier Augen sagen würde, ich bin der Seifert, den Sie meinen, oder nicht – es sollte Ihnen ziemlich schwer werden, zu beweisen, dass ich dies eingestanden – h a l t e n Sie mich für wen Sie wollen, nur," fuhr er mit einem höflichen Lächeln fort, "g e b r a u c h e n Sie nicht meinen Namen, der an manchen Orten eben nicht geeignet wäre, mir meinen Weg zu ebnen."
"Also, Mr. Wells, wenn es nicht anders sein soll!" erwiderte der Advokat, sich aufrecht setzend, "es scheint, wir beginnen uns mehr zu verstehen."
"Es sollte mich freuen," sagte Seifert, die Asche von seiner Cigarre schnellend; "was den zweiten Fall betrifft, so stehe ich gern bei einem anständigen Geschäfte mit meinen geringen Talenten zur Verfügung, nur müsste mir dabei volles Vertrauen und der blick über das ganze Unternehmen gegönnt werden. Für Andere die Kastanien aus dem Feuer zu holen," fuhr er mit seinem früheren verbindlichen Lächeln fort, "und dann die verbrannten Finger als einzigen Lohn zu behalten, ist eine Erfahrung, die man nicht gern mehrere Male macht."
Murphy schien eine Secunde lang mit seinem durchdringenden blick die innerste Falte von Seifert's Seele ergründen zu wollen; dann sprang er auf und trat ans Fenster, in das von den Rädern des Bootes gepeitschte wasser hinausschauend. Seifert lehnte sich in seinen Stuhl zurück und schien bald keine andern Gedanken zu haben, als die Formen der Rauchwolken, die er langsam von sich blies, zu studiren.
"Gut, Sir," begann nach einer kurzen Weile der Advokat, langsam vom Fenster zurücktretend, "ich glaube mit der nötigen Offenheit nicht viel bei Ihnen zu riskiren. Es handelt sich um einen Rechtsfall, der gerade in der Gegend von Alabama spielt, wo für Sie der Boden jetzt etwas zu heiss ist, als dass Sie ihn betreten könnten, falls Sie etwa den Verräter von dem zu spielen gedächten, was beabsichtigt wird. Auf der andern Seite hoffe ich Ihnen für die Unterstützung der Sache einen Gewinn verbürgen zu können, der vielleicht Ihre Erwartungen übersteigt, wenn Sie der Mann sind, den ich brauche und den ich in Ihnen vermute. Ich will Ihnen ehrlich gestehen, dass, als ich bei Ihrem Eintritt in das Boot von Ihrer Verlegenheit hörte und Sie erkannte, mir es fast scheinen wollte, als habe das Schicksal mir recht absichtlich in den Weg geworfen, was mir gerade fehlte."
Seifert blies einen wohlgelungenen Ringel in die Luft. "Ich bin vollständig bereit zu hören, wenn Sie mich Ihres Vertrauens wert halten," sagte er, "und dann wird es sich ja wohl zeigen, ob das Schicksal recht gehabt hat – jedenfalls würden Sie äusserst nobel handeln, wenn Sie, um in keiner Art einen moralischen Zwang auszuüben, mein Fahrgeld bis New-Orleans hinunter v o r unserer weiteren Besprechung berichtigen wollten. Das Fahrbillet in meiner tasche würde Ihnen grössere Bürgschaft für die Aufrichtigkeit meines Entschlusses geben, als es alle Worte tun könnten."
Der Andere sah ihn einen Augenblick mit sonderbarem Gesichtsausdrucke an. "Schüchtern sind Sie nicht, Sir, und scheinen Ihren Vorteil beim Schopfe fassen zu können." sagte er dann. "Was aber, wenn ich nichts zahle, ehe wir nicht mit einander ins Klare gekommen sind, damit ich doch weiss, w o f ü r ich mein Geld gebe?"
"I h r e Sache, Sir," erwiderte Seifert achselzukkend und erhob sich langsam. "Sie sind zu mir gekommen und haben mir ein Geschäft angeboten, nicht ich zu Ihnen – ich habe Ihnen meine erste Bedingung gesagt, unter welcher ich nach Umständen vielleicht mich mit Ihnen verständigen kann, und Sie sollten meine Gründe dafür würdigen – convenirt Ihnen das kleine Risico nicht – very well, so brechen wir ab."
"Und wie gedenken Sie in Vicksburg Ihr Fahrgeld zu bezahlen und von dort weiter zu kommen?"
"Gott im Himmel, das ist doch m e i n e Sache, lieber Herr. Sie scheinen mich noch immer für den Vagabunden Seifert, oder wie Sie ihn nannten, halten zu wollen; was wissen