hat im Aerger über ihre Versetzung dem Aufseher gesagt, lange werde sie doch nicht dableiben, nur so lange bis er weggejagt sei, und das werde bald genug geschehen, sie wisse das genau; wenn erst der neue Aufseher komme, dann sei keine Gefahr mehr, dass ihr gutes Herz ihr wieder einen Streich spiele. Der Aufseher hat geflucht und sich nach seiner Peitsche umgesehen, da hat sie aber nach einem Topf voll kochenden Wassers gegriffen und gesagt, er solle nur versuchen, sich an ihr zu vergreifen, sie fürchte sich gar nicht, ihn zu tod zu brühen, sie wisse wie sie stehe. Da soll Mr. Bartlett ganz blass geworden sein, über verdammte Weiberwirtschaft geflucht haben, und dass er sich schon helfen werde. Seit dem Tage aber ist er kaum ein paar Mal aufs Feld gekommen und hat die Arbeiter tun lassen, was sie gewollt; die zwei schwarzen Mädchen aber, mit denen er in seinem haus lebt, haben erzählt, dass er noch einmal so viel Whiskei trinke, als sonst und die Hälfte des Tages verschlafe. Die Köchin hat sich bis jetzt noch nicht getraut, die junge Mistress wissen zu lassen, wie es steht, und so habe ich gedacht, es wäre gut, wenn ich es Ihnen erzählte, Master."
Helmstedt hatte aufmerksam zugehört und ein Zug von Befriedigung trat in seinem Gesicht hervor; war es ihm doch, als sei Cäsars Erzählung der erste Ruf an ihn, der übernommenen Pflicht gegen Pauline Genüge zu leisten. Er dachte eine kurze Weile nach. "Willst du mir wohl angeben," sagte er dann, "woher du den ganzen, genauen Bericht hast? Ist dir wieder einer von den Schwarzen aus Little Vallei begegnet?"
Cäsar verzog das Gesicht und kratzte sich erst auf der einen und dann auf der andern Seite des Kopfes. "Wenn Sie es zu wissen verlangen, Master, so muss ich es Ihnen sagen," erwiderte er mit einem Ausdrukke, der aus Laune und Aengstlichkeit gemischt schien. "Ich besuche jetzt bisweilen die Mary in Mortons haus – es ist noch eine alte Liebschaft von früher her, Sir!" setzte er wie entschuldigend hinzu. "Seit ich der Sarah nichts klatschen wollte, was hier im haus vorging, ist sie so bissig geworden, wie eine Katze, und hat mir, als ich das dritte Mal nach Oaklea kam, nicht einmal ihre Tür aufgemacht. Da habe ich an die Mary gedacht, die mich immer gern gehabt, als ich noch auf Mr. Mortons Farm war; ich bin aber damals so versessen auf die Sarah in Oaklea gewesen, ich glaube wahrhaftig nur, weil sie so stachlig war und nichts von mir wissen wollte, dass ich der Mary immer aus dem Wege gegangen bin. Well, Master, der Mary ist die ganze geschichte gesteckt worden und sie hat sie mir erzählt; sie hat aber der Köchin wegen der jungen Mistress noch kein Wort zu sagen gewagt."
Helmstedt schüttelte, wie von einem eigentümlichen Gedanken berührt, langsam den Kopf. "Komm her, Cäsar," sagte er nach einer Pause, "du bist ein verständiger Bursche, du möchtest mir auch etwas zu Liebe tun, wie du neulich sagtest – und so will ich dir einen Auftrag geben, bei dem ich mich ganz auf dich verlassen muss. Höre aufmerksam zu. Ich möchte gern, dass Mistress Morton, die seit ihres Mannes tod jeden männlichen Beistand verloren hat, von den Unannehmlichkeiten, die ihr bei den jetzigen Verhältnissen erwachsen könnten, befreit bliebe. Wenn ich aber auch gern Alles zu ihrer Unterstützung tue, so habe ich doch nicht Zeit, jeden Tag nach Mortons haus zu reiten, um zu sehen, was dort geschieht, – nebenbei will es sich auch nicht recht schicken, dass ich eine junge, alleinstehende Frau so oft besuche. Jetzt, Cäsar, sollst du mir helfen. Gehe und mache deiner Mary den Hof, aber teile mir jeden Morgen mit, was in Mortons haus vorgegangen ist – ob gering oder nicht, ist gleichgiltig; jede kleine Nachricht wird mich über den Stand der Dinge dort im Klaren halten, wird mir zeigen, ob es meinerseits nötig ist, etwas zu tun, oder nicht, und ich kann unbesorgt meinen eigenen Geschäften nachgehen. Du wirst dabei einsehen, dass von deinem Auftrage nicht das Geringste verlauten darf, wenn die junge Mistress nicht beleidigt werden soll – ich hoffe, du hast mich vollkommen verstanden, Cäsar?"
"Warum soll ich Sie nicht verstehen, Mr. Helmstedt?" erwiderte der Schwarze mit einem fröhlichen Grinsen. "Entschuldigen Sie, wenn ich lache; es kam mir nur eben so sonderbar vor, dass meine Torheit mit der Mary noch zu etwas Gutem helfen kann. Sie sollen ordentlich bedient werden, Master, rechnen Sie auf den Cäsar – und," fuhr er mit einem halben Stokken fort, "Sie werden's gewiss auch so einrichten, dass die Mary keinen grossen Schaden von ihrer Gutmütigkeit gegen mich hat."
"Verlass dich darauf!" nickte Helmstedt befriedigt, "sie soll nirgends erwähnt werden. Nun geh und lass mich sehen, ob du ein Bursche bist, dem sein Herr etwas anvertrauen kann."
Der Schwarze antwortete nur mit einer Kopfbewegung voller Entschluss und verliess das Zimmer; Helmstedt aber lehnte sich nachdenkend in seinem Armstuhle zurück. Er war im grund seiner Seele nicht ganz einig mit sich selbst, ob er durch