ich werde Murphy sprechen und schon heute Abend, wenn es auch spät werden sollte, will ich Ihnen Bericht erstatten."
"Gut, Sir," rief Elliot, und hielt dem jungen mann die Hand hin, welche dieser drückte; "wenn ich auch weiss, dass Ihr Einfluss auf Murphy kaum ins Gewicht fallen kann, wo es sich bei diesem um einen grossen Gewinn handelt, so freue ich mich doch über Ihre Gesinnung, welche mir aus Ihnen einen natürlichen Bundesgenossen macht. – Sehen Sie zu, wie die Sache steht, und erwarten Sie mich morgen früh in der Stadt – ich möchte vor unsern Ladies im haus vorläufig die ganze Angelegenheit noch verschwiegen halten, und da es auffallen müsste, wenn Sie noch am späten Abend hier ankämen, so lassen wir lieber jede weitere Besprechung bis morgen früh."
"Wie Sie wollen, Sir," erwiderte Nelson, "wenigstens will ich jetzt aber keinen Augenblick mehr verlieren, um an die Arbeit zu gehen. Sie werden mich doch bei den Ladies entschuldigen –"
"Schon recht, Sir!" sagte Elliot, dem jungen mann nach der Tür folgend, "und ich verspreche Ihnen, dass ich die Hindernisse, welche noch zwischen Ihnen und Ellen liegen, so schnell beseitigen werde, dass Sie sich deshalb nicht eine einzige unruhige Minute mehr zu machen brauchen. Unser Interesse ist von heute an ein vereintes."
Nelson drückte mit beiden Händen die Rechte des Pflanzers, und verliess dann, von diesem bis zum Portico begleitet, das Haus. – –
Es war mehrere Tage später, als Helmstedt von einem abendlichen Ritt nach der Stadt zurückkehrte. Zwischen seinen Augen lag ein Ausdruck von sorge und Verstimmteit; wenn er sich aber über das, was ihn drückte, hätte klar aussprechen sollen, wäre es ihm wohl kaum möglich gewesen. Er hatte seit dem letzten gespräche mit dem Vater seiner Frau den Rest seiner Liebe für diese zu grab getragen – wusste er doch, dass ohne ihren eigenen Willen Niemand den Versuch hätte machen können, sie von ihm zu scheiden; auch das neue Gefühl, was ihn zu Pauline Morton zog, hatte er so weit unterdrückt, dass es ihm nur noch dann und wann im Traume vor die Seele trat – seine ganze natur war zu kräftig, als dass sie sich ohne Widerstand einer unerwiederten Neigung hätte hingeben sollen, und sah es nun auch so öde in ihm aus, dass er gar nicht mehr an die Zukunft denken mochte, so war es doch ein Druck anderer Art, der ihn, wie die Ahnung von einem herbeikommenden Unglück, auf dem Herzen lag. Seit zwei Tagen glaubte er in dem Wesen seiner meisten Schülerinnen eine Veränderung wahrzunehmen, die er sich nicht erklären konnte. An die Stelle der freundlichen Herzlichkeit, mit welcher ihm Einzelne sonst immer begegneten, waren Kälte und Einsilbigkeit getreten – rebellische Charaktere, welche die achtung vor ihm stets in den gehörigen Schranken gehalten hatte, waren aufsässig und schnippisch geworden, und wo er sonst Fleiss und Eifer gesehen, schien eine plötzliche Lässigkeit sich geltend zu machen. Er hatte am ersten Tage wenig darauf geachtet; als aber bei seinem abendlichen Besuch in einzelnen Familien ihn eine sonderbare Stille empfing, als ihm weder da, wo ein Piano im haus war, die gewöhnliche Aufforderung, etwas vorzutragen, wurde, noch an andern Orten seine Schülerinnen es der Mühe wert fanden, während seiner kurzen Anwesenheit im Zimmer zu bleiben; als am zweiten Tage sich bei seinem Unterricht dieselbe Erscheinung wie tages zuvor zeigte, und bei einem Ritt in die Umgegend ihm in zwei Pflanzerfamilien ein ähnlicher Empfang wie in der Stadt wurde, – da fühlte er, dass eine feindliche Macht in sein Leben griff, ohne dass er sich das Wie und Warum hätte erklären können.
Er hatte, sich mit zehnerlei Vermutungen herumschlagend, von welcher keine Stich halten wollte, die ersten Häuser der Stadt erreicht, als er einen einsamen Spaziergänger in der Dämmerung sich entgegenkommen sah, bei dessen Erblicken er sein Pferd zu langsamerem Schritte zügelte. Er hatte den Vorsteher der Akademie erkannt, einen Mann, welcher ihm immer mit der herzlichsten Freundlichkeit begegnet war, und der Gedanke durchschoss ihn, dass, wenn ihm Jemand seine Zweifel lösen könne, dieser es sein müsse. Er fühlte sich innerlich so wund, dass er keinen Augenblick, in welchem ihm die gelegenheit zu einer Aufklärung geboten wurde, vorüberstreichen lassen mochte, und ehe noch der Spaziergänger herangekommen, war Helmstedt abgestiegen, und ging, sein Pferd am Zügel nachführend, ihm entgegen.
"Mr. Pierce, ich freue mich, Sie zu treffen, und Sie entschuldigen, dass ich Sie hier so ohne Weiteres auf offener Strasse anrede."
"Sie sind mir an jedem Orte willkommen, Sir!"
"Ich danke Ihnen! Ich möchte eine offene Frage an Sie richten, Sir, und wenn das jetzt eben geschieht, wo ich Sie zufällig treffe, so ist es, weil ich die Stimmungen um mich her, die ich nicht verstehe und gegen welche mich mein Gewissen frei spricht, nicht ertragen kann. Wissen Sie irgend einen Grund, warum die Leute, mit denen ich in Berührung bin, anders gegen mich sind, als jemals früher? Wissen Sie eine Ursache, die mir meine Schüler entfremdet haben könnte, wie es mir seit zwei Tagen so auffällig entgegengetreten ist, dass es mir wehe getan hat? Ich mag Ihnen mit meinen hastigen fragen aufgeregt erscheinen, Mr. Pierce, und Sie