Weile sinnend vor sich nieder. "Steht der junge Nelson nicht in genauerer Beziehung zu diesem Mr. Murphy? Wenigstens entsinne ich mich, dass ich sie stets bei einander gesehen."
"Wie nahe ihre gegenseitige Beziehung ist, kann ich nicht mit Bestimmteit sagen," entgegnete Griswald, "jedenfalls aber weiss ich, dass es ihr Plan war, mit einander gemeinsam eine Office zur Betreibung von Advocatengeschäften zu gründen."
Elliot nickte und reichte dem Sprecher die Hand. "Ich will Sie nicht länger aufhalten," sagte er; "morgen früh sehe ich Sie und dann denke ich ruhiger urteilen zu können."
Griswald ging, von dem Pflanzer bis an die Haustür begleitet; dann aber kehrte dieser nach seinem Arbeitszimmer zurück und ging dort in tiefem Sinnen auf und ab. Erst nach einer Weile hielt er seinen Schritt an, strich mit der Hand über das Gesicht, als wolle er jeden sorgenvollen Zug daraus verwischen, und ging dann langsam nach dem Parlor. Dort sass in Gesellschaft mit der Frau vom haus ein junger eleganter Mann, und das Gespräch schien, nach den aufgeregten Mienen Beider, ein belebtes gewesen zu sein.
"Es tut mir leid. Mr. Nelson, dass ich so lange abgehalten worden bin," sagte der Pflanzer eintretend; "mein alter Freund Griswald sprach im Vorbeireiten ein und hatte so viele Geschichten zu erzählen, dass ich nicht eher abkommen konnte. Jetzt bin ich zu Ihrer Disposition, und wenn uns Mrs. Elliot entschuldigen will, so gehen wir nach der Bibliotek, machen es uns dort bequem und rauchen eine Cigarre. Ich denke, Liebe," wandte er sich an seine Frau, "Ellen wird mit dir Einiges zu beraten haben."
Der junge Mann verbeugte sich gegen die Hausfrau und folgte dem Pflanzer.
"Tun Sie wie zu haus, Sir," sagte dieser, als sie in das Arbeitszimmer traten, und zog den Schaukelstuhl näher dem Tische zu. "Hier ist Eiswasser und ein Schluck, um den Magen vor Erkältung zu hüten; hier sind Cigarren, langen Sie zu!" Er nahm aus dem Wandschranke ein reines Glas, setzte sich dann auf seinen früheren Platz und zündete sich selbst eine Cigarre an.
"Well, Sir," begann er, "Sie wollen meine Ellen heiraten. Ich habe Ihnen bereits gesagt, dass ich im grund genommen nichts dawider haben kann; mit meiner Frau haben Sie ebenfalls gesprochen, und Ellen," fuhr er lächelnd fort, "scheint mir auch nicht viele Einwendungen machen zu wollen. Die Scheidung von ihrem bisherigen mann soll, hoffe ich, schon im nächsten Monate vor sich gehen, und so weit würde bald Alles in bester Ordnung sein. Jetzt erlauben Sie mir aber eine Frage: Wie stehen Sie mit Ihrem Freunde Murphy? Ich höre, Sie wollen Ihre Advocatenpraxis hier mit ihm gemeinschaftlich beginnen?"
"Wenn es bei unserer früheren Verabredung bleibt, allerdings, Sir," erwiderte Nelson. "Er ist, wie ich heute hörte, von seiner New-Yorker Reise zurückgekehrt, und ich denke ihn morgen zu sprechen. Murphy ist ein gewandter advokat, mit dem ich jedenfalls gut fahren werde."
Elliot lehnte sich bequem zurück. "Gewandt scheint er wirklich zu sein," sagte er; "Griswald erzählte mir soeben erst, dass er einen alten Besitztitel aufgespürt habe, wodurch er zweien oder dreien unserer Pflanzer im County das Land unter den Füssen wegnehmen wird."
"O, wirklich so weit?" rief der junge Mann, überrascht aufstehend; "er hat mir nie recht klaren Wein über die Angelegenheit eingeschenkt, mit der seine Reise nach New-York in Verbindung stand – er prophezeite mir nur im glücklichen Falle einen splendiden Anfang für unsere hiesige Praxis."
"Well, Sir," sagte Elliot, seine Cigarre weglegend und seinen gefährten fest anblickend, "ich weiss nicht, wie weit Ihre Liebe zu meiner Tochter geht, aber ich muss Ihnen als ehrlicher Mann sagen, dass der gute Anfang, von welchem Sie sprechen, wahrscheinlich der Ruin meiner Familie sein und somit auch Ellen zu einer blutarmen Partie machen wird. Der Hauptangriff, welcher getan werden soll, geht gegen mein Besitztum."
Der junge advokat sah ihn einen Augenblick gross an. "Ist denn das wohl möglich?" rief er dann aufspringend.
"Ob es möglich ist, weiss ich noch nicht!" erwiderte Elliot, finster lächelnd; "dass aber Ihr Freund Murphy soeben versucht, es möglich zu machen, ist gewiss genug. Versichert mögen Sie sein, dass ich mich nicht gutwillig ergeben werde. Indessen ist jetzt für mich die Hauptfrage, welchen Weg Sie selbst in der Angelegenheit einzuschlagen gedenken. Wollen Sie nach den jetzigen Eröffnungen noch Ihre Absicht in Bezug auf Ellen festalten, so werden Sie sich wahrscheinlich das einstige Erbe Ihrer Frau nicht selbst abprocessiren wollen – im andern Falle natürlich –"
"Lassen Sie mich ein Wort sagen," unterbrach ihn Nelson. "Ich danke Ihnen, dass Sie mir die Sache sofort mitgeteilt haben; unser verhältnis wird dadurch zur rechten klarheit kommen. Wenn ich um Ellen geworben habe, so war mir jeder Nebenzweck dabei fremd, und mögen die Dinge sich jetzt gestalten wie sie wollen, so bleibt es bei unserer Verabredung. Ehe wir aber an den unglücklichsten Fall denken, wollen wir uns die Gefahr etwas näher betrachten. Ich werde sofort gehen, um mit eigenen Augen zu prüfen;