1859_Rupius_161_52.txt

oberen Stockwerks, in welches das Licht des Sommertages kaum einen lichten Schein durch die dicht geschlossenen Jalousien und dicken Vorhänge zu werfen vermochte, lag Ellen nachlässig hingeworfen auf einem der gebräuchlichen, sophaähnlichen Ruhebetten. Am Fenster stand Sarah neben einem Korbe voll weisser, geplätteter Unterkleider und Nachtgewänder, welche sie sorgsam zusammenfaltete und in die ihr zur Seite stehende Kommode legte.

"Cäsar war schon zweimal Abends hier, Ma'am," unterbrach die Schwarze das Schweigen, welches bis jetzt geherrscht hatte, ohne jedoch von ihrer Beschäftigung aufzusehen.

Die junge Frau erhob langsam den Kopf. "Etwas Besonderes, Sarah?"

"Gar nichts, als dass ich mich ärgere, Ma'am; er ist gerade so starrköpfig wie sein Herrer will nichts weiter wissen, als dass der ruhig seinen Geschäften nachgeht."

Ellen richtete sich halb aus ihrer liegenden Stellung auf. "Merke Eins, Sarah," sagte sie, "Mr. Helmstedt ist noch immer dein Herr, wie er mein Mann ist, wenn wir auch jetzt in meines Vaters haus wohnen; ich mag Ausdrücke, wie du sie eben gebraucht, nicht hören."

Die Schwarze warf einen kurzen blick in das Gesicht ihrer jungen Herrin. "Sie wollten doch selbst gern wissen, Ma'am, was im haus in der Stadt vorging, seit Mr. Helmstedt zurück war!" entgegnete sie und bog den Kopf tiefer auf die Kleider, mit denen sie beschäftigt war.

"Well, Sarah, was hat das mit deinen Ausdrücken zu tun?"

"Ich habe mich doch geärgert, dass der Cäsar wie ein Stock schweigt, und wenn ich mich deshalb einmal vergesse, schelten Sie mich für den guten Willen."

Die junge Frau schien antworten zu wollen, legte sich aber langsam zurück.

"Ich möchte wahrhaftig gern die Zeit ganz und gar vergessen, wo wir in der Stadt lebten und Mr. Helmstedt mich unter fremde Leute geben wollte, nur weil ich eine Stunde aus dem haus gewesen war." fuhr die Schwarze, eifriger ihre Wäsche faltend, fort, "ich will gern nicht wieder fragen, was dort vorgeht."

Ein Pochen an der Tür unterbrach die Stille, welche den letzten Worten gefolgt war. Sarah verliess ihre Arbeit und öffnete halb. "Mr. Elliot!" sagte sie, sich zurückwendend.

Ellen sprang auf und ging ihrem eintretenden Vater entgegen. "Lass uns allein, Sarah, bis ich dich wieder rufe," sagte sie, während der Pflanzer sich bequem auf einen Stuhl niederliess; und als die Schwarze das Zimmer verlassen, fasste sie beide hände ihres Vaters und sah diesem erwartungsvoll ins Gesicht.

"Ich habe ihn gesprochen," sagte Elliot nach einer kurzen Pause, in welcher beider Augen in einander hingen, "aber, meine Tochter, es ist wenig Aussicht vorhanden, glatt von ihm loszukommen. Er will einer Scheidung nichts in den Weg legen, aber er verlangt, dass du zuerst in sein Haus zurückkehrst und dich mit ihm auseinander setzest."

"Und was hast du ihm gesagt?" fragte sie, ihn mit ängstlicher Spannung ansehend.

"Dass daraus nichts werden könne," erwiderte er mit Bestimmteit. "Er mag sich seine eigenen Bedingungen für eine anderweite Abfindung steilen; ich habe ihm zwei Monate Zeit dafür gegebenund wenn du, Kind, mit deinen Eltern wieder auf dem alten fuss leben willst, so schlägst du dir die ganze Angelegenheit aus dem Sinne und lässt mich für dich handeln."

"Aber ich kenne ihn, Pa!" sagte sie, die hände des Pflanzers pressend, "er geht nicht ab von dem, was er seine Ehre nennt; du hast schon in seinem Processe gesehen, dass er sich lieber in Lebensgefahr brachte, ehe er mich blossgestellt hätte. Und ich wusste es, als du mich bei Mortons Ableben mit dir nahmst, welche Kämpfe noch folgen würden. Wäre es denn nicht besser, ich ginge zu ihm und sagte: August, wir verstehen uns nicht; die Aufregung hat uns zusammengeführt, lass uns jetzt in Frieden scheiden? Er verdient es gewiss, Vater," rief sie, als Elliot das Gesicht finster zusammenzog, seine hände den ihrigen entwand und von seinem Stuhl aufstand.

Der Pflanzer ging nach der Tür, kehrte dann zurück und blieb vor seiner ängstlich harrenden Tochter stehen. "Wir müssen offen mit einander reden, Ellen, denn du hast dich jetzt zu entscheiden," sagte er. "Ich bin schwach gegen dich gewesen, nur zu schwach, während deiner ganzen Jugend, dafür habe ich aber auch von dem Augenblick deiner Flucht an mehr innerlich leiden müssen, als du weisst und dir Gott jemals auferlegen mag. Ich bin jetzt vollkommen klar mit mir, und sollte ich auch noch mehr zu leiden haben, so will ich doch frei von Vorwürfen gegen mich sein. Entweder hältst du jetzt zu deinen Eltern und gewährst ihnen die Genugtuung, welche sie sich selbst verschaffen werden, oder du kehrst zu diesemzu deinem mann zurück und scheidest dich dadurch ein- für allemal vom Vaterhause. Einmal kann das Elternherz einen Schritt, der unter besonderen Verhältnissen getan wurde, vergeben, das zweite Mal aber, wenn die gelegenheit verworfen wurde, wieder gut zu machen was geschehen, mag man wohl noch Mitleid fühlendie einmal zurückgestossene Verzeihung aber kommt niemals wieder. Entweder habe ich mich, sowie Mr. Nelson in dir getäuscht und nur