ich weiss, dass ich ein Narr bin – aber Sie haben mich aufgefordert zu reden. Nun, so denken Sie einmal, das vergangene Jahr sei nicht in der Welt gewesen, reden Sie deutsch zu mir und nennen Sie mich 'August', wie Sie es damals in New-York taten."
In das Gesicht der jungen Frau schoss das Blut, dann wurde sie blass – sie wollte ihre Hand zurückziehen, aber Helmstedt hielt sie fest. "Ich glaube nicht, Herr von Helmstedt, dass Sie mich verhöhnen wollen?" sagte sie endlich deutsch, und ein innerer Druck schien ihr fast die stimme zu benehmen.
"Verhöhnen, Pauline?" erwiderte er, ihre Hand fester pressend, "warum fragen Sie nur so etwas? Ich mag mit meiner Forderung wirklich ein Narr sein, aber ich möchte jetzt die Seligkeit dieser Narrheit um keinen Preis der Welt hingeben. Sagen Sie nur einmal: August, wir wollen Freunde sein, wie ehedem; und ich stelle mich zufrieden. Wollen Sie, Pauline?"
Sie hatte sich marmorbleich zurückgebogen und ihre Hand leicht aus der des jungen Mannes gewunden. "Sie wissen wohl nicht, Herr von Helmstedt," sagte sie und es zitterte eine tiefe Empfindung in ihrem Auge, "dass in einem Jahre der Mensch zehn Jahre älter werden kann? Die Zeit, von der Sie reden, liegt so weit hinter mir, dass ich kaum noch daran glauben würde, wenn Sie sie nicht zurückgerufen hätten. Mit Ihnen ist es anders gewesen, Sie sind einen Weg des inneren Glücks gewandelt, und was für Sie jetzt die Erlangung einer leichten Befriedigung sein mag, das heisst bei mir, tote aus dem grab rufen. Lassen wir sie ruhen, Herr von Helmstedt!"
Helmstedts Erregung war geschwunden, wie der Wellenschlag unter dem eisigen Nordwinde erstarrt. "Ich darf Ihnen nichts entgegnen," sagte er nach einer Weile langsam und presste die Hand gegen die Stirn, "denn Sie haben in einem Punkte nur zu Recht. Es ist so viel anders geworden in unseren gegenseitigen Beziehungen wie in unserer äusseren Lage – ich hatte mir das schon selbst vor die Augen gestellt, – es musste ja Alles kommen, wie es soeben gekommen ist, mag es denn so sein! In einem süssen deutschen lied heisst es:
Behüt' dich Gott, es war' zu schön gewesen,
Behüt' dich Gott, es hat nicht sollen sein!
und so geben Sie mir noch einmal Ihre Hand, Pauline, ich werde Sie nicht wieder in Verlegenheit setzen!"
Er drückte leise ihre Finger und ging schweigend zum Zimmer hinaus; bald hatte er sein Pferd bestiegen und ritt, ohne sich umzusehen, davon.
Pauline aber setzte sich, halb hinter den Gardinen verborgen, aus Fenster, stützte Arm und Kopf auf die Stuhllehne und sah dem Davonreitenden sinnend nach, bis er hinter den büsche verschwunden war.
VI.
Als eine der schönsten Besitzungen im nördlichen Alabama galt Elliots Farm, Oaklea genannt, eben so unter den Freunden des Idyllischen, wie unter den praktischen Menschen, welche eine Plantage nur nach ihrer Grösse und Ertragsfähigkeit beurteilen. Das Landhaus, aus weissem Sandstein, auf einer sanft emporsteigenden Anhöhe erbaut und mit einem breiten, von Säulen getragenen Portico geschmückt, war von Gartenanlagen umgeben, durch welche sich helle Kieswege schlängelten; den Fuss des Hügels aber umzog ein dicker Kranz von Eichen und bildete dort ein schattiges Wäldchen. Ein Stück hinter dem haus, den Abhang hinab, lagen die Negerhütten, ein kleines Dorf bildend, das von einem klaren Gebirgsbach durchströmt ward. Von hier aus erstreckten sich die weitläufigen, wohleingezäunten Felder und Wiesen weit nach allen Seiten hin und gaben sowohl von der guten Bewirtschaftung, wie von dem Reichtum des Besitzers ein sprechendes zeugnis.
Diese Ecke von Alabama, sowie ein teil des angrenzenden nördlichen Staates Georgia war 1850 noch nicht fünfzehn Jahre in dem ausschliesslichen Besitz weisser Ansiedler. Das Land hatte zur Reservation der Cherokee-Indianer gehört, welche hier indess fast sämmtlich feste Wohnplätze gehabt, Ackerbau betrieben und das Land in einer Weise unter kultur gebracht hatten, wie es nur der weisse, intelligente Ansiedler im stand gewesen wäre. Unter ihnen hatten auch schon längst Amerikaner gelebt; aber erst in der zweiten Hälfte der dreissiger Jahre wurde eine amtliche Vermessung des Landes vorgenommen und den Indianern ein neuer, westlich liegender Landstrich für ihre Wohnstätten angewiesen – sie wurden, mit dürren Worten gesagt, von dem Boden, den sie urbar gemacht, vertrieben, der Früchte ihres Fleisses beraubt und ohne Rücksicht auf den Grad der zivilisation, welcher bei ihnen bereits Eingang gefunden, wieder in die Wildniss gejagt, um ihre wohlcultivirten Heimstätten dem weissen mann zur Verfügung zu stellen.
Elliot, von haus aus nur von geringem Vermögen, aber speculativ, hatte die Gegend durchreist, den Platz, auf welchem sich seine jetzige Plantage befand, zuerst mit Beschlag belegt und dann, als die vermessenen Ländereien zum öffentlichen Verkauf kamen, um einen geringen Preis erworben. Der Ackerboden war so vortrefflich ausgerodet, dass nirgends mehr ein alter Baumstumpf zu finden war, und so war es ihm, mit Hilfe eines Capitals, das ihm seine Frau zugebracht, und vorsichtigem Zusammenhalten des Erworbenen schon in den nächsten zehn Jahren gelungen, sich zu einer der respectabelsten Stellungen unter den Grundbesitzern der Umgegend in die Höhe zu arbeiten. Erst zwei Jahre zurück hatte er das steinerne Wohnhaus bauen und die Parkanlagen um dasselbe ausführen lassen.
Es war Nachmittags. In einem Zimmer des