1859_Rupius_161_50.txt

ein.

"Da ist Jemand, der uns raten wird!" rief die junge Frau aufstehend. "Dr. FordMr. Helmstedt, wenn sich die beiden Herren noch nicht kennen. Das Kind scheint eine Torheit begangen zu haben, Doctor, und Sie sollen den Schaden wieder gut machen helfen!"

"Hoffentlich wird sich den Folgen noch vorbeugen lassen," sagte der alte Herr lächelnd, nachdem er Helmstedt begrüsst hatte, und nahm auf dem nächsten stuhl Platz; "hat das Kind irgendwo ein scharfes Messer angefasst, und sich in den Finger geschnitten?"

"Es ist wirklich so etwas, Doctoraber lassen Sie sich von Mr. Helmstedt erzählen, der mir so eben die erste Nachricht von dem, was ich angerichtet habe, gebracht hat."

Der junge Mann begann von Neuem zu berichten, und Pauline schien ängstlich das Gesicht des Arztes zu bewachen.

"Es ist jedenfalls eine unangenehme geschichte," begann dieser, nachdem Helmstedt geendet, und fuhr sich mit der Hand durch das buschige Haar, "ich glaube aber, dass, wenn die richtigen Schritte getan werden, kaum viel Gefahr zu befürchten ist. Ich werde heute Abend selbst nach Little Vallei reiten und ein wirksames Wort mit dem Bartlett redenich kenne ihn, aber ich mag ihn selbst nicht leiden, und es wird gut sein, wenn er, sobald ein anderer brauchbarer Mensch an seiner Stelle aufgefunden ist, entlassen wird. Zur Beruhigung der Schwarzen aber ist es am besten, Ma'am, ihre Köchin sofort und spätestens morgen früh nach Little Vallei zu versetzen, sollte es auch nur auf vier Wochen seindie dortige Köchin aber während dieser Zeit mit auf dem feld arbeiten zu lassen. Die Schwarzen dort kennen jedenfalls den Kanal, durch welchen sie Nachricht von der Stimmung ihrer herrschaft hier erhalten haben, und die rasche, unerwartete Strafe für die stattgefundene Horcherei wird mehr auf sie wirken und ihnen die Rebellionsgelüste schneller vertreiben, als irgend ein anderes Mittel. Für alle künftigen Fälle aber wird es gut sein." fuhr er lächelnd fort, "wenn das Kind nicht mehr zu hastig den Regungen seines weichen Herzens folgt und ihren getreuen Rächen ein Wort gönnt, ehe sie handelt."

"Sie reden gut, Doctor," rief sie, den Mund zum halben Schmollen verziehend: "bin ich denn nicht in den meisten Fällen auf mich selbst angewiesen, und muss ich nicht Gott schon danken, dass Sie wenigstens hier im haus zu unserm Schutze Ihr Quartier genommen haben, wenn ich Sie auch jeden Tag nur eine kurze Minute sehe? Aber ich verspreche Ihnen, vorsichtiger zu sein, Sie sollen noch an der festen Hand des Kindes, mit welcher es die Geschäfte leitet, Ihre Freude haben. Und damit Sie den guten Anfang sehen, Doctor, sollen heute noch Ihre Anordnungen befolgt werden."

"Es ist unter allen Umständen das Beste!" erwiderte der Arzt und erhob sich. "Ich werde nachsehen, welche Geschäfte mir heute etwa noch obliegen, und dann bin ich wieder bei Ihnen, ehe ich nach Little Vallei reite."

Er grüsste und verliess das Zimmer und auch Helmstedt stand von seinem Sitze auf.

"Sie gehen doch nicht auch schon, Sir?" fragte die junge Frau.

"Well, Ma'am, was soll ich noch hier?" versetzte er und es klang wie halber Unmut in seiner stimme. "Meiner Dienste bedürfen Sie nicht, und um blosse Redensarten kann es Ihnen nicht zu tun seinich glaube auch nicht, dass ich der Mann dazu wäre. Ich habe Ihnen meine Mitteilung gemacht, Sie haben Ihre Massregeln getroffen, und so bin ich mit dem Zwecke meines Besuchs zu Ende."

"Ich hoffe nicht, Mr. Helmstedt, dass ich etwas getan habe, was Sie beleidigen konnte?" fragte sie und sah ihn mit grossen Augen an.

"Beleidigen? Gewiss nicht, Ma'am!" erwiderte er, "Sie haben mir ja nur vor die Augen geführt, dass ich in früherer Zeit Ihre Teilnahme an meinem Schicksale zurückgewiesen hatte, und dass ich also auch kein Recht habe, jetzt nach dem Ihrigen zu fragen. Mir schien es damals, als ob Sie meine Zurückweisung schmerzte, und ich konnte doch nicht anders; jetzt schmerzt mich Ihr Verfahren, und Sie sind doch darin in vollem Rechte. Das ist Alles! Aber ich rede da mehr, als ich wollteentschuldigen Sie, Mrs. Morton, es soll nicht wieder geschehen, und so leben Sie wohl!"

Pauline hatte sich während seiner Rede erhoben, in ihrem Auge lag ein Ausdruck wie stille sorge. "Gehen Sie nicht so fort, Mr. Hemstedt," sagte sie, "Sie sind bitter, und ich kann, offen gestanden, keinen rechten Grund dafür findenfast eben so verliessen Sie mich das letzte Mal. Ich erkenne recht gut, dass Ihr jetziges verhältnis zu Ellen Sie reizbar machen muss; kann ich aber etwas für Ihre Zufriedenheit tun, so sagen Sie es und Sie werden mich bereit finden."

Sie hatte ihm ihre Hand geboten, Helmstedt ergriff sie und hielt sie eine kurze Weile schweigend in der seinigen. "Sie wollen etwas für meine Zufriedenheit tun –" sagte er dann und im Tone seiner stimme, wie im Ausdruck seines Gesichts schienen die verschiedenartigsten Empfindungen mit einander zu kämpfen; "ich sollte fortgehen, Mrs. Morton, denn