1859_Rupius_161_5.txt

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"Aber, lieber Herr, – wie heissen Sie gleich? Habe wirklich schon wieder Ihren Namen vergessenes scheint doch, als wären Sie ziemlich genau von seiner Beteiligung an der Dieberei unterrichtet gewesen," erwiderte Murphy, und das frühere sarkastische Lächeln lagerte sich wieder um seinen Mund. "Sagten Sie nicht selbst, als Sie das Boot betraten, Sie seien bei der Verfolgung der Sklavenräuber beteiligt gewesen und dabei vom rechten Wege abgekommen? Dabei ist nur ein curioser Umstand," und das Lächeln wurde noch schärfer als vorhin, – "dass es nämlich, wie ich aus dem Prozesse über Baker's Ermordung weiss, Niemandem eingefallen ist, den Räuber weiter zu verfolgen. Haben Sie sich das Vergnügen vielleicht auf eigene Faust gemacht?"

Seifert hob langsam die Augenlider und sah seinen Gegner mit einem Auge an, in dem es schwer gewesen wäre, irgend einen Ausdruck zu entdecken. Er war ziemlich blass, aber keine Miene zuckte. "Ich verstehe Sie nicht recht, Sir," sagte er kalt, "und begreife überhaupt nicht, was alle diese sonderbaren Bemerkungen sollen. Einer Ihrer südlichen Landsleute würde sich eine nachdrücklichere Erklärung erbeten haben, doch wir Nordländer nehmen derartige Dinge kühler auf. Was wollen Sie denn eigentlich von mir? Mir scheint, Sie steuern auf den künftigen Staatsanwalt los und wollen einmal versuchen, was sich aus dem einfachen Factum, dass ich fremd und ohne Mittel auf das Boot gekommen bin, machen lässt. Sie haben Recht, es vertreibt die Zeit; fahren Sie also fort."

Er brachte die Cigarre wieder zum mund und begann, als berühre nichts seine Seele, ruhig weiter zu rauchen.

Der Advokat schlug das Bein über die eine Lehne des Stuhles und stützte auf die andere Arm und Kopf. "Ihre Taktik wäre gar nicht so übel," sagte er, "wenn Sie nicht Einiges dabei vergässen, so z.B. dass es Menschen in der Welt gibt, welche genügenden Grund haben, etwas tiefer in die Art und Weise Ihrer Sklavenverfolgung einzudringen, die auch vielleicht das Vergnügen haben, Sie genauer zu kennen. So erinnere ich mich eines Abends, der mich gegen fünfzig Dollars am Spieltisch kostete, und wenn ich Sie genauer betrachte, M r . S e i f e r t –" er hielt inne, das Auge fest auf seinen gefährten gerichtet.

"Nun," erwiderte dieser, sein Gesicht in eine Dampfwolke hüllend, "mir scheint, Sie fallen aus der Rolle und wollen nicht nur als Staatsanwalt durch Ueberraschungen wirken, sondern auch noch den Zeugen in einer und derselben person vorstellen?"

"Well, Mr. Seifert?" –

"Pardon, Sir! mein Name ist Henry Wells," rief Seifert, "und die geschichte fängt an mir etwas langweilig zu werden. Erlauben Sie einen Augenblick!" Er hob sich rasch, öffnete die Tür zum Bar-Room und sah hinauseben so eine zweite, die in das Mitteldeck führte, und schritt dann auf den Advokaten los, der, ohne seine Stellung zu verändern, Seifert's Benehmen beobachtet hatte, jetzt aber bei seiner Annäherung sich geradeauf setzte.

"Einfach, Sir, was wollen Sie von mir?" sagte der Herantretende mit zusammengezogenen Augenbrauen und biss, die Antwort erwartend, die Zähne auf die Unterlippe.

"Erstens Ihnen sagen, dass ich Sie sammt Ihrer letzten Expedition kenne," erwiderte der Advokat in voller Ruhe, aber augenscheinlich für irgend eine Bewegung vorbereitet, "und dass ich auch weiss, dass wohl Niemand in Vicksburg Ihr Fahrgeld bezahlen wird, wenn ich es nicht tue, Mr. Seifert."

"Noch einmalmein Name, ist Wells, Sir! Aber angenommen, ich wäre der Mann, von dem Sie sprechen, so fliesst doch der Mississippi, auf dem wir uns jetzt befinden, wohl nicht in Alabama, und den Sheriff von dort werden Sie wahrscheinlich auch nicht bei sich haben, um den Mann, von welchem Sie sprechen, verhaften zu lassen. Warum soll ich also durchaus dieser Mann sein, mit dem ich vielleicht einige Aehnlichkeit haben mag?"

"Verhaften zu lassenwer hat von dergleichen gesprochen?" erwiderte Murphy mit einer Miene voll Verwunderung, die aber einen leichten Spott deutlich durchscheinen liess. "Ich spiele nur nicht gern Komödie mit, ohne zu wissen warum, und liebe es, mich gleich in klare Stellung zu Jedem zu bringen. Ich beabsichtige eigentlich nur, Sie zu fragen," fuhr er fort und legte sich bequem zurück, "ob Sie nicht vielleicht die Reise nach New-York in meiner Gesellschaft zurücklegen und sich dabei meiner Börse bedienen möchten, da die Ihrige augenblicklich nicht bei der Hand istverstehen Sie indessen recht, der Vorschlag sollte nur dem mann gelten, für den ich Sie hielt, und von einem Incognito gegen mich kann mitin gar keine Rede sein."

Seifert sah eine Minute schweigend in das Gesicht des Mannes, der mit seinem halbspöttischen Lächeln zu ihm aufsah; aber kein Zug von Ueberraschung über den unerwarteten Vorschlag wurde bei ihm sichtbar. Dann rieb er sich die Stirne, erhob sich und schritt das Gemach auf und ab. An der Tür des Bar-Rooms angekommen, öffnete er diese und sah hinaus; eben so examinirte er wieder den Raum vor der andern Tür und liess sich dann langsam auf seinen früheren Platz nieder.

"Well, Sir!" begann er dann