der Halle wieder niedergelassen, als auch Pauline in der geöffneten Parlortür erschien. Ein leichtes Rot überflog sie, als sie Helmstedt, der von seinem Sitze aufsprang, erblickte.
"Wenn ich gestört habe, Mrs. Morton, so bitte ich von ganzem Herzen um Entschuldigung," rief er, "aber es geschah ohne meine Schuld."
"Ich glaube gern, Sir, dass es etwas Besonderes sein muss, was Sie einmal wieder nach Mortons Haus führt," erwiderte sie, sichtlich noch in halber Verlegenheit, "der Tag scheint überhaupt ein eigentümlicher zu sein; es ist das erste Mal, dass ich vom Klima überwältigt wurde, ohne etwas davon gewusst zu haben. Aber wollen Sie nicht eintreten?"
Eben schoss die Mulattin, das Gesicht zur Seite gewandt, zur Tür heraus, und Helmstedt folgte lächelnd der Hausherrin in das Zimmer.
"Ich war eben dabei, mir selbst etwas Einsicht in den Stand der Farm zu verschaffen," sagte diese und räumte die umherliegenden Papiere bei Seite, "und ich denke, ich werde auch mit der Zeit das Hauptsächlichste übersehen können. Aber welcher besondere Grund ist es denn, der mir einmal wieder die Ehre verschafft, Mr. Helmstedt bei mir zu sehen?" fuhr sie fort und liess sich in dem Schaukelstuhle nieder. Es klang etwas wie halbe Ironie in ihrer Frage, aber Helmstedt mochte nicht darauf achten und nahm der jungen Frau gegenüber Platz.
"Sie haben früher wohl das Anerbieten meiner Dienste und meines Rates zurückgewiesen, Ma'am," begann er ruhig, "demohngeachtet muss ich mich heute noch einmal aufdrängen."
"Aufdrängen, Mr. Helmstedt?" sagte sie, sich aufrecht setzend, "sind Sie denn wirklich noch so empfindlich, wie Sie es immer waren, dass Sie, vielleicht auf ein hastig gesprochenes Wort hin, einen solchen Ausdruck gebrauchen müssen? Lassen Sie mich offen zu Ihnen reden, und unser beiderseitiges verhältnis feststellen," fuhr sie lebhaft fort, "das wird uns manches Missverständniss in der Zukunft ersparen. Sie glauben Mr. Morton einige Verbindlichkeiten schuldig zu sein, und da er Sie vor seinem tod gebeten, mich künftig mit Rat und Tat zu unterstützen, so halten Sie es für eine Ehrensache, dieser Bitte nachzukommen. Es versteht sich nun von selbst, Sir, dass Sie zu jeder Zeit in Mortons haus willkommen sind, und dass mir Ihre Ankunft stets eine besondere Freude machen wird – aber, Mr. Helmstedt, verpflichten mag ich Sie zu gar nichts mir gegenüber. Wir sind früher schon über unsere gegenseitigen Gefühle klar geworden. Sie waren zu stolz, auch nur die leiseste Hilfeleistung von Jemand anzunehmen, für den Sie kein Interesse fühlten, wie von mir zum Beispiel, und es kann Sie Niemand deshalb tadeln; ich aber habe in meiner Einsamkeit auch so viel gelernt, dass es mehr Befriedigung gewährt, sich selbst genug zu sein und nur auf die eigenen Kräfte zu bauen, als auf Hilfe zu rechnen, die nur des Anstandes und der Ehre wegen gewährt wird. So, Mr. Helmstedt, sind Sie mir als Gast und wohlmeinender Ratgeber immer hochwillkommen; ich möchte aber nicht, dass Sie sich auch nur unter der leisesten Verpflichtung gegen mich glaubten."
Helmstedt sah in ihre glänzenden Augen und es stieg bei dem leichten, unbefangenen Tone ihrer Worte ein Weh in seinem Herzen auf, gegen welches sein Stolz vergebens ankämpfte. "Nicht wahr, Pauline," begann er nach einer Pause plötzlich deutsch, "Sie wollen mich recht demütigen?"
Ein schwaches Rot trat in das Gesicht der jungen Frau. "Bleiben wir beim Englischen, Mr. Helmstedt," sagte sie und ihre Züge wurden ernster, "wir sprechen es Beide gut genug, um uns zu verstehen. Ich habe mit allen meinen Erinnerungen abgerechnet, als ich zuerst Mortons Haus betrat, und will auch nicht eine wieder wach rufen. – Ist Ellen noch bei ihren Eltern?" fragte sie nach einer Weile, als wolle sie den Gegenstand des Gesprächs wechseln.
"Sie ist noch dort und wird auch wohl nicht wieder zurückkehren," erwiderte Helmstedt und strebte umsonst, sich von einem inneren Drucke zu befreien. "Ihr Vater, den ich heute sprach, dringt auf eine Scheidung, die ich meines eigenen Rufes halber in dieser kurzen Weise nicht bewilligen mochte; indessen wird es wohl das Beste sein, mich hier von allen Täuschungen, die mir geworden, frei zu machen, sobald ich es kann, und im Osten eine neue Carriere zu beginnen. – Aber ich muss Ihnen den Zweck meines Besuchs mitteilen, Ma'am," fuhr er fort, ohne den aufmerksamen blick zu beachten, mit welchem ihn Pauline bei seinen letzten Worten betrachtete, und begann zu erzählen, was er von Cäsar gehört. "Wenn Sie auf meinen Rat hören wollen," setzte er hinzu, "so handeln Sie in Bezug auf Ihre Schwarzen nicht ohne mit Jemand, welcher über die Plantagen-Verhältnisse ein gereiftes Urteil hat, sich besprochen zu haben. Unser deutsches Gefühl ist darin für die Praxis oft der übelste Ratgeber. Ich habe Ihnen die Tatsachen, die mir nicht ohne Gefahr scheinen, mitgeteilt, und kann ich Ihnen in Bezug darauf in irgend einer Weise dienen, so disponiren Sie über mich."
Pauline war sichtlich betroffen. Ehe sie aber antwortete, öffnete sich die Tür und der alte Arzt, welchen Helmstedt schon früher im haus gesehen, trat