1859_Rupius_161_47.txt

seiner wohnung. Es war Sonnabend, der freie Tag für alle amerikanischen schulen, und er konnte über seine Zeit verfügen. Zwei Gefühle stritten sich in ihm und liessen keine rechte Befriedigung über die eben stattgefundene Scene in ihm aufkommen. Er hatte die Kränkung, welche ihm Ellen durch ihre Uebersiedelung in das väterliche Haus angetan, zu tief empfunden, als dass er nicht auf ihre Rückkehr, als die einzige Genugtuung für ihn, hätte bestehen sollen, und seine Haltung ihrem stolzen Vater gegenüber erschien ihm schon durch die eigene Selbstachtung geboten. Im Hintergrunde seiner Seele aber wurde eine andere stimme laut, die zweifelnd fragte, ob es nicht dennoch besser gewesen wäre, ein verhältnis schnell zu lösen, in welchem die Grundbedingung, auf welche es gebaut worden: Ellens aufopfernde Liebe für ihn, geschwunden war, in dem er, selbst wenn eine neue Vereinigung möglich gewesen, wohl nie wieder seine ganze Befriedigung hätte finden können, ob es nicht besser gewesen sei, die alten Bande von sich zu streifen, lieber auf eine Genugtuung zu verzichten, aber berechtigt zu sein, in neuer Freiheit ein neues Glück zu suchen?

Er war an seinem haus angelangt und schloss, noch mit sich selbst beschäftigt, die Tür auf, als er seinen Schwarzen von einem Holzstück, das zur Seite im Schatten lag, aufstehen und herankommen sah. "Ich habe auf Sie gewartet, Master," sagte er, und Helmstedt bemerkte einen Ausdruck in seinen Augen, welcher ihm auffiel; "ich möchte Ihnen ein paar Worte sagen."

"Komm herein, Cäsar, was ist es?" Helmstedt hatte den Parlor geöffnet und setzte sich in den Schaukelstuhl am Fenster, während der Neger an der Tür stehen blieb.

"Ich habe heute morgen einen von den Schwarzen aus Littlei Vallei gesprochen," begann der Letztere. "Sie wissen, wo Little Vallei ist, Sir?"

"Noch nicht einmal den Namen habe ich gehört, Cäsar."

"Well, es ist eine Farm, etwa vier Meilen von Mortons haus nach den Bergen zu, und gehörte Mr. Morton. Es ist ein Aufseher dort für die Arbeit und Mr. Morton ritt jede Woche ein Mal hinaus. Mr. Bartlett, das ist nämlich der Aufseher, soll immer strenger gewesen sein als ein Anderer, aber erst als Mr. Morton seit den letzten Monaten so kränklich war und nur selten hinkam, ist er so schlimm geworden, dass es jeden Tag blutige rücken gegeben hat. Da hat nach Mortons Tod die Köchin in Little Vallei das Elend der Köchin in Mortons haus geklagt und die hat es der jungen Mistress, der jetzt das ganze Eigentum gehört, erzählt. Die Mistress hat nun vor vierzehn Tagen den Mr. Bartlett kommen lassen, und hat ihm scharf zugesetzt, wie die Köchin in Mortons haus wissen will, und ihm gesagt, dass sie keine Grausamkeiten dulden werde. Mr. Bartlett aber hat Alles abgeläugnet, ist böse nach Little Vallei zurückgegangen, und hat zwölf Schwarze Einen nach dem Andern gehauen, bis er nicht mehr konnte, damit sie angeben sollten, wer über ihn geklagt habe, aber Keiner hat etwas gewusst. Die Köchin dort aber hat bald erfahren, was die junge Mistress gesagt hat; es ist jetzt schon unter allen Schwarzen herum, denn die Köchin hat zwei Söhne mit auf dem feldund jetzt haben sie sich vorgenommen, bei dem ersten neuen Peitschenschlage Rebellion zu machen und den Aufseher todtzuschlagen. Das ist es, Sir, und ich erzähle es Ihnen, weil Sie mit der jungen Mistress gut bekannt sind."

Helmstedt hatte gespannt zugehörtmehr aber als die Sache selbst befremdete ihn die Angabe der beabsichtigten Empörung durch den Schwarzen. "Nun?" fragte er, als Cäsar schwieg, "willst du, dass der Aufseher gewarnt werde oder was sonst?"

Der Schwarze kratzte sich in seinem Wollhaar. "Ich gebe nichts um Mr. Bartlett, Sir," sagte er endlich zögernd, "er ist ein böser Mensch, und nicht nur gegen die Niggeres werden sonderbare Geschichten von ihm erzählt; aber es ist mir wegen der armen schwarzen Kerls. Jetzt schlagen sie ihn tot und denken Wunder, wie viel Recht sie dazu gehabt haben, und nachher werden sie Alle, die mit Hand an ihn gelegt haben, gehängt. Und ich wollte noch das sagen, wenn Sie mir es erlauben, Sir; es tut nicht gut, die heimliche Klatscherei von den schwarzen Weibern; junge Mrs. Morton weiss das noch nicht so, aber sie sollte sich davor in Acht nehmenwo ein Master in seiner stube ist, da hat die Köchin nichts zu tun, und kann auch nicht horchen, Sir. Ganz ohne Strenge geht's wohl auf dem feld nicht ab, Sir, ich muss das selber sagen; es ist manches faule Volk dort, das die Rüben und Süsskartoffeln roh ässe, wenn sie nicht für Alle gekocht würden, und das am liebsten den ganzen Tag auf dem rücken läge – 's ist nicht ein Nigger wie der andere, Sirund so kann die junge Mistress mit ihrer Güte viel Unglück anrichten, Sir; sie sollte, wenn Sie's erlauben, Sir, vielleicht Jemand zu sich nehmen, der hier recht Bescheid weissund Sie nehmen es nicht übel, Sir, was ein dummer Nigger da geredet hat, aber ich dachte, ich müsste es Ihnen sagen, Sir!"