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," begann er ernst, "gilt eine eingegangene Ehe als Vertrag für das ganze Leben, und ich habe immer gemeint, dass nur dadurch das Weib es vor ihrem eigenen Gefühle rechtfertigen kann, wenn sie sich ganz und gar dem mann ihrer Wahl hingibt. Was sollte aus unserm Familienleben, aus unsern ganzen gesellschaftlichen Verhältnissen werden, wenn unter dem einfachen Vorgeben: verblendet gewesen zu sein, sich Mann und Weib nach wenigen Monaten scheiden könnten, um dann eine andere Verbindung, eine dritte und so fort nach Gefallen einzugehen? Ich glaube Ellens weibliches Gefühl zu kennen, und wenn sie im Augenblick mit Ihren Wünschen übereinstimmen sollte, so darf ich viel eher annehmen, dass sie j e t z t verblendet ist, als dass dies früher der Fall gewesen, als sie mir Liebe für das ganze Leben gelobte."

Elliot machte eine Bewegung zum Sprechen.

"Lassen Sie mich Ihnen noch zwei Worte sagen, und ich bin zu Ende!" fuhr Helmstedt aufgeregter fort. "Sie wissen, dass kein unreiner Beweggrund irgend einer Art unsere Verbindung schuf, dass der Drang der Verhältnisse Eins dem Andern in die arme führte, und dass ich deshalb mit freiem Auge zu Ihnen reden darf. Wenn in dem letzten monat Ellens Gefühle für mich ruhiger wurden, wenn sie sich, abgeschnitten von dem elterlichen haus und allein in ihrer einfachen neuen Heimat, unbehaglich zu fühlen begann, so teilte sie wohl nur dasselbe Schicksal mit fast jeder jungen, früher verwöhnten Frau, die unter ähnlichen Verhältnissen einem mann gefolgt ist, der noch für sein Brod arbeiten muss. Handelt es sich nur um Ellens Zufriedenheit, so ist dem Uebel einfach dadurch abzuhelfen, dass Sie, Sir, unsere Verheiratung mit freundlicherem Auge ansehen, so dass Ellen nicht mehr gezwungen ist, die traurige Wahl zwischen Vater und Mann zu treffen, die einen von Beiden stets ausschliesst, und dass Sie mir gelegenheit geben, Sie nach und nach ganz mit den Dingen, die doch nun einmal geschehen sind, auszusöhnen. Im andern Falle," fuhr er fort, als der Pflanzer heftig den Kopf schüttelte, "werde ich zwar meiner Frau nicht den geringsten Zwang antun, werde sie frei ihren Weg ziehen lassen, aber auch vorläufig zu keiner leichtfertigen Lösung unserer Ehe meine Hand bietenich glaube dies Ellens Ehre und meiner eigenen schuldig zu sein, Mr. Elliot."

"Ist das Ihr letztes Wort, Sir," fragte der Pflanzer, wieder finster vor sich niedersehend, "oder gibt es irgend ein Mittel, Sie kurz und bündig auf eine andere Weise zufrieden zu stellen? Wenn Sie die hiesige Gegend verlassen und Ihre augenblicklichen Rechte aufgeben würden, so sollte Ihnen ein genügendes Kapital zur anderweitigen Gründung Ihrer Existenz nicht fehlen."

"Ich glaube, Mr. Elliot, Sie erlassen es mir, auf einen solchen Vorschlag nur zu antworten," sagte Helmstedt, sich langsam erhebend, "wir tun wohl am besten, ganz abzubrechen."

"Nun, in des himmels Namen, so sagen Sie mir, was Sie eigentlich wollen!" rief Elliot aufspringend. "Wenn Sie meine Tochter lieben oder geliebt haben, so kann Ihnen nichts daran liegen, sie für ihr ganzes Leben einen einzigen unbesonnenen Schritt bereuen zu machen; wenigstens werde ich, an dem ihre ganze Seele hängt, niemals meine Billigung zu einer Verbindung geben, die meinen Ansichten vom Leben und meinem innersten Wesen direct entgegenläuft. Sie sagen, Sie wollen Ellen keinen Zwang antunwollen aber auch das Band zwischen ihr und Ihnen nicht lösen; das heisst, dem armen gefangenen Vogel die Freiheit geben, ihn aber mit einem Faden am Bein an das Fenster binden, damit er nicht entwische."

Helmstedt schüttelte den Kopf.

"Sie beurteilen eben mein verhältnis zu Ellen nach Ihren Ansichten, Sir!" sagte er, "und deshalb wird eine Verhandlung zwischen uns Beiden auch stets unfruchtbar sein. Was ich will ist einfach: dass Ellen, welche ihre Verbindung mit mir ohne ihren Vater schloss, sich auch selbst mit mir wieder auseinander setze, falls sie wirklich auf einer Trennung besteht. Ich werde sie in diesem Falle nicht halten; ich habe aber ein Recht, ihr Vertrauen zu fordern; ich habe ein Recht, mich dagegen aufzulehnen, dass sie durch ein heimliches Verlassen ihres Mannes und ihrer neuen Heimat meine Ehre jeder beliebigen Deutung des Geschehenen blosstellt. Ellen soll, da es jetzt noch Zeit dazu ist, zu mir zurückkehren, soll ihren Platz in unserem haus wie früher wieder einnehmen und dann wollen wir unsere Angelegenheit mit einander ordneneinen andern Weg zur Ausgleichung der jetzigen Differenz kenne ich nicht, Sir!"

"In Ihrer Forderung ist wenigstens Selbstgefühl genug," erwiderte Elliot mit einem frostigen Lächeln, während er langsam der Tür zuschritt, "ich sehe, dass wir uns schwerlich verständigen werden; lassen wir also die Dinge ihren natürlichen gang gehen. Noch Eins will ich Ihnen aber sagen, junger Mann," wandte er sich von der Tür zurück, "sollte der Fall eintreten, dass Sie es trotz Ihres Stolzes für gut befänden, auf ein Uebereinkommen zu Ihrer Abfindung einzugehen, so gebe ich Ihnen zwei Monate, von heute an, Zeit – n a c h diesem Termin werde ich meine Tochter ohne jede weitere Rücksicht selbst frei zu machen wissen."

Er nickte leicht und schritt aus dem Zimmer.

Helmstedt hatte, ihm nach, das Hotel verlassen und ging, den Kopf gesenkt, langsam nach