. Helmstedt nahm eine Zeitung und wollte sich eben an ein Fenster setzen, um das Läuten für den Mittagstisch abzuwarten, als sein blick auf einen Mann fiel, der an einem der Kaminsimse lehnte und dem Anscheine nach einem neben ihm stehenden Farmer zuhörte, aber das Auge unverwandt auf den Deutschen geheftet hielt. Es war Elliot. Helmstedt blickte ihm einen Moment voll ins Gesicht; als jener aber jetzt das Ohr zu dem Farmer an seiner Seite bog, als wisse er durchaus nichts von der Richtung seiner Augen, liess sich Helmstedt auf einem stuhl nieder und barg das Gesicht hinter seiner Zeitung. Er fühlte, dass dieses Anstarren, ohne doch von ihm Notiz zu nehmen, eine Demonstration von Nichtachtung vorstellen sollte und er gab sich das Versprechen, sich diesem Hochmut gegenüber kein Haarbreit etwas zu vergeben. Seine ferneren Gedanken schnitt die Mittagsglocke ab; die Anwesenden stürmten in amerikanischer Manier nach dem Speisesaale, Einer suchte den Andern zu überholen, um einen Stuhl an der Tafel zu gewinnen, und Helmstedt, der als ständiger Kostgänger seinen Platz reservirt wusste, war einer der Letzten. Als er aber eben den Speisesaal betrat, hörte er neben sich Elliots stimme: "Ich wünsche Sie nach Tische ein paar Minuten zu sprechen, Sir!" Helmstedt veränderte weder eine Miene, noch antwortete er. Das ganze Wesen des Pflanzers traf seinen Stolz an der wundesten Stelle. Er nahm langsam und mit aufgerichtetem kopf seinen Platz ein, nickte einigen bekannten Gesichtern in seiner Nachbarschaft zu und ging auf die um ihn her fallenden Bemerkungen so unbefangen ein, als habe nichts Ungewöhnliches seine Seele berührt.
Die Tafel war zu Ende. Helmstedt nahm seinen Hut, zündete in dem Bar-Room eine Cigarre an und wandte sich, um das Hotel zu verlassen, als er den Vater seiner Frau dicht vor sich erblickte.
"Ich sagte Ihnen, Sir, dass ich einige Worte mit Ihnen zu reden hätte!" begann dieser mit zusammengezogenen Augenbrauen.
"Das ist möglich, Mr. Elliot," erwiderte der junge Mann, dem Pflanzer frei ins Gesicht sehend; "ich spreche aber mit Niemand, der nicht zu mir wie der Gentleman zum Gentleman redet. Sie mögen reicher sein als ich; in allem Uebrigen aber stelle ich mich mit Ihnen auf gleiche Stufe; auch bin ich mir nicht der kleinsten Handlung bewusst, welche mich hindern könnte, die nötige achtung gegen mich zu fordern."
Elliot sah ihn einen Augenblick finster an. "Sie sprechen mit der ganzen Keckheit der Jugend, Sir," sagte er dann, "und statt zu suchen, hier, wo Sie nicht einmal ansässig sind, sich Freunde zu erwerben, scheinen Sie durch einen übel angebrachten Stolz sich Ihren Weg recht absichtlich erschweren zu wollen."
"Ich tue nur das, was jeder Mann von Ehre sich selbst schuldig ist," erwiderte Helmstedt ernst, "und die Folgen dessen, Mr. Elliot, gut oder übel, trag' ich allein."
"Gut Sir, so e r l a u b e n Sie mir, ein paar Worte mit Ihnen zu reden!" sagte der Pflanzer, den Kopf zurückwerfend.
"Mit Vergnügen, Sir," erwiderte der Deutsche, sich höflich neigend, "bestimmen Sie über mich!"
Elliot schritt nach einem der Seitenzimmer voran, und untersuchte dort jede Tür, ob sie geschlossen sei. "Well, Sir," begann er dann, sich langsam auf einem der Stühle niederlassend, während Helmstedt seinem Beispiele folgte, "Sie haben mich nicht in meinem haus sprechen wollen, und so habe ich die gelegenheit dazu hier wahrnehmen müssen." Er machte eine kurze Pause und sah finster vor sich nieder. "Es ist gekommen," fuhr er dann fort, "wie ich es meiner betörten Tochter vorausgesagt; sie bereut den Schritt, den sie in einer Verblendung getan, welche ich mir heute noch nicht erklären kann, und will das elterliche Haus nicht mehr verlassen." Er sah auf, wie eine Antwort erwartend.
"Sie meinen wahrscheinlich unter diesem Schritte Ellens Verbindung mit mir;" erwiderte Helmstedt, ihm ruhig ins Gesicht sehend, "reden Sie weiter!"
"Ich glaube, Sir, wenn Sie mich nicht absichtlich missverstehen wollen, genug gesagt zu haben – und wenn Sie durchaus ein directes Wort verlangen, so möchte ich Sie fragen: was soll jetzt werden?"
Helmstedt stützte Arm und Stirn auf die Lehne seines Stuhles.
"Worüber beklagt sich meine Frau, Mr. Elliot?" fragte er. "Hat sie Beschwerden gegen mich, oder gibt es andere triftige Gründe, welche es rechtfertigen können, dass sie nicht wieder in das Haus ihres Mannes zurückgekehrt ist?"
"Ich habe Ihnen bereits gesagt," erwiderte der Pflanzer, ungeduldig auf seinem stuhl rückend, "dass diese ganze Heirat ein Act der Verblendung seitens meiner Tochter war, dass endlich ihre Vernunft zurückgekehrt ist, und dass also nur noch die Frage vorliegen kann, auf welche Weise das bestandene verhältnis am einfachsten zu lösen ist. Ich habe Sie früher von mancher vorteilhaften Seite kennen gelernt, Sir, und traue daneben Ihrem offenen Verstand zu, dass Sie die vorliegenden Tatsachen richtig genug beurteilen können; ich frage Sie deshalb einfach: was soll geschehen? Und wenn meinerseits ein Opfer nötig ist, um ein zufriedenstellendes Resultat zu erzielen, so stellen Sie ungescheut Ihre Bedingungen!"
Helmstedt setzte sich langsam aufrecht.
"In meiner Heimat, Sir