, und bewache dich selbst."
Er war zwei- oder dreimal die stube auf und ab gegangen, als sich die Tür öffnete und Cäsar eintrat. "Ein Brief, Sir!" meldete dieser, ihm ein geschlossenes Schreiben hinreichend. Helmstedt besah die Adresse, und ein leichtes Rot stieg in sein Gesicht. "Wer hat das gebracht?" fragte er, langsam das Couvert öffnend. "Dick von Oaklea, Sir!" erwiderte der Schwarze; "er will warten, im Fall Mr. Helmstedt wieder etwas zu bestellen hätte." Helmstedt hatte die Zuschrift entfaltet und die wenigen Zeilen, welche sie entielt, gelesen, aber noch immer hielt er die Augen darauf geheftet. Sie lauteten:
"Wenn Mr. Helmstedt den Unterzeichneten zu
sprechen wünscht, so wird er ihn morgen und über
morgen in Oaklea anwesend finden.
Elliot."
"Dick soll einige Minuten bleiben," sagte Helmstedt endlich; "ich werde ihm Antwort mitgeben." Er wandte sich nach dem Schreibtische und liess sich dort nieder; als aber der Schwarze das Zimmer verlassen hatte, stützte er den Kopf auf beide arme und starrte sinnend auf das vor ihm liegende Papier. "Wenn irgend etwas wie eine Ausgleichung beabsichtigt würde," begann er nach einer Weile und lehnte sich zurück, "wenn noch ein Funke von wirklicher Liebe in Ellen's Herzen für mich wäre, so hätte s i e eine Zeile beigefügt. Was hier vor mir liegt, ist nichts als der ausgeprägte Pflanzerstolz, welcher ein drückendes Band abstreifen möchte, aber dem armen Ausländer gegenüber es unter seiner Würde findet, selbst einen Schritt dafür zu tun. Gut, wir werden sehen, wessen Stolz zuerst bricht." Er nahm Feder und Papier zur Hand und schrieb:
"Der Unterzeichnete ist sich keines Gegenstan
des bewusst, über welchen er mit Mr. Elliot selbst
zu verhandeln hätte. Will Mrs. Helmstedt, wie es
einem treuen, gewissenhaften weib geziemt, in
das Haus und unter die Obhut ihres Mannes zu
rückkehren, so wird sie offene arme finden. Dies
ist aber die unerlässliche Bedingung, ehe der Unter
zeichnete auf irgend eine sie berührende Verhand
lung eingehen könnte.
August von Helmstedt."
Der Brief wurde geschlossen und abgesandt. Noch lange nachher aber sass Helmstedt vor seinem Schreibtische, den Kopf in beide hände gestützt, und suchte sich ein Bild von dem jetzigen Leben in Oaklea zu schaffen und sich die Scenen zu vergegenwärtigen, welche seine Zeilen dort hervorrufen würden. Ein mehrmaliges Räuspern störte ihn endlich auf. Cäsar stand an der Tür.
"bitte' um Verzeihung," sagte der Schwarze und knetete seine hände, als wolle er alle Knochen darin zerbrechen, "ich wollte nur fragen – ich habe nämlich Dick gesagt, dass mich Sarah diesen Abend erwarten soll – ob ich mich vielleicht umsehen oder horchen soll, wie's drüben steht – ich meinte nur so – ich wollte schon gestern deswegen fragen – Mr. Helmstedt ist so gut, und ich möchte so gern etwas tun. –"
Helmstedt hörte ihn an, bis er schwieg und nur noch verlegene Gesichter schnitt. "Du bist eine gute Haut, Cäsar," sagte er dann, "und es wird schon einmal eine Zeit kommen, wo du mir deine anhänglichkeit beweisen kannst. Drüben in Oaklea aber kümmere dich nur um deine eigenen Geschäfte; und so wenig ich von dort etwas hierher berichtet haben will, eben so wenig wünsche ich etwas von hier hinübergetragen."
"All right, Sir!" lachte der Schwarze und nahm die Tür in die Hand; "sie sollen eher vor Neugierde blau werden, ehe sie von mir etwas erfahren." – –
Es war eine Zeit der nüchternen poesielosen Arbeit, welche jetzt für Helmstedt folgte. Es waren nur noch sieben Wochen bis zu der Zeit, in welcher die Akademie der heissen Jahreszeit wegen geschlossen wurde. Bei diesem Schlusse der Schule aber fand ein Examen statt, dessen Hauptzierde die Musikschüler mit ihren Leistungen bildeten – und Helmstedt warf sich mit seinen ganzen Kräften auf die nötigen Vorbereitungen. Er gab Extra-Lectionen und widmete seine freie Zeit den Uebungen seiner Schülerinnen; er fand darin das beste Mittel, um seinen eigenen Grübeleien zu entgehen. Abends unternahm er in der Regel einen Ritt in die Umgegend und sprach in dieser oder jener Farm ein, deren Besitzer er durch seine Stellung in der Akademie hatte kennen lernen, kam meistens erst mit beginnender Nacht wieder heim, wo er für alle seine Bedürfnisse von Cäsar aufmerksam gesorgt fand, und schlief den Schlaf der Ermüdung.
Vierzehn Tage waren auf diese Weise vergangen; Helmstedt hatte weder etwas von Mortons Haus, noch von Oaklea, dessen Umgegend er stets auf seinen Ritten vermied, gehört, und wenn ihm sein Leben auch oft selbst so nüchtern und ohne eigentlichen Endzweck vorkam, dass ihm die Frage vor die Seele trat, wohin dieses verhältnis noch führen solle, so fühlte er doch auch, dass es ihm für den Augenblick den einzigen Halt bieten konnte.
Es war an einem Sonnabend, an welchem die Stadt meist voll von Pflanzern und kleineren Farmern der Umgegend war, als Helmstedt zur Mittagsstunde das Globe-Hotel betrat. Die geräumige Halle und der anstossende Bar-Room waren gefüllt mit den hohen, kräftigen Gestalten, wie sie der Süden der Vereinigten Staaten erzeugt, und alle Arten von Anzügen, vom blauen Baumwollenfrack und geflochtenen Schilfhute bis zum Nankinhabit und dem modernen Panamahute, mischten sich bunt durch einander