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dass er sich unwillkürlich unterbrach. "Warum sagen Sie mir das, Mr. Helmstedt?"

Dieser drückte einen Moment die Augen in seine Hand. "Vielleicht," erwiderte er, "um Ihnen zu zeigen, dass ich Ihre jetzige Stellung vollkommen zu würdigen weiss, Mrs. Morton; aber," fuhr er fort und sah ihr voll in das erwartende Gesicht, "ich wollte eigentlich nur bemerken, dass Sie jetzt auch a l l e i n stehen und dass Ihre Stellung, vielleicht gerade Ihrer Vorzüge wegen, einen Schützer mehr als je für Sie notwendig macht. Ich habe Morton versprechen müssen, Ihnen ein treuer Freund und jeden Augenblick zu Ihren Diensten zu seinich habe das mit ganzem Herzen versprochen, und jetzt bin ich hier, um Sie zu bitten, in irgend einer Weise über mich zu disponiren."

Das Auge der jungen Frau schien während Helmstedts Rede dunkler zu werden und an Tiefe zu gewinnen, ein leises Rot stieg in ihre Wangen und ein weicher Zug, halb Schmerz, halb Innigkeit legte sich um ihren Mund. Es war derselbe Ausdruck, an welchen Helmstedt während der letzten Tage so oft hatte denken müssen, dasselbe Gesicht, mit welchem sie am Tage ihres ersten Zusammentreffens in New-York mit ihm an seiner Seite gekniet und zu ihm aufgesehen hatteund eine stille Wärme, die alle seine Vorsätze von stolzer Zurückhaltung zu zerschmelzen drohte, begann in ihm aufzusteigen. Eine wortlose Secunde lang hingen die Blicke beider in einander; dann aber presste sie mit einem tiefen Atemzuge die Hand auf die Herzgegend, wurde bleich und senkte langsam den Kopf. Als sie wieder aufsah, begegnete Helmstedts Auge einem Blicke so still und kalt, als er ihn in der letzten Zeit nur jemals an ihr hatte kennen lernen.

"Sie mögen Recht haben, dass ich fast ganz allein stehe," begann sie leise, "aber Sie wissen wohl selbst, Sir, wie lange ich daran gewöhnt worden bin. Habe ich als armes Mädchen es schutzlos mit der Welt aufnehmen müssen, so möchte ich das auch einmal als reiche Frau versuchen; ich habe mich so lange auf meine eigene Energie angewiesen gesehen, selbst während der letzten Monate vor Mr. Mortons tod, dass ich in meiner jetzigen Stellung kaum etwas Ungewohntes finde. Ich danke Ihnen bei alledem herzlich für Ihr Anerbieten und verspreche Ihnen gern, in ungewöhnlichen Fällen Sie um Ihren freundlichen Rat zu bitten."

Helmstedt verneigte sich, ohne ein Wort zu sprechen. Eine Empfindung hatte ihn überkommen, als habe ein Nachtfrost einen ganzen Garten voll Frühlingsblüten in ihm getödtet; und zugleich fühlte er, dass diesem kalten Auge gegenüber auch sein Stolz ihm keine Genugtuung mehr bieten konntetraf doch jedes ihrer Worte so folgerecht und bestimmt seine frühere Haltung gegen sie, dass sie kaum anders hätte reden dürfen, dass er nur sich selbst die schiefe Stellung zuschreiben musste, in die er sich nun durch sein jetziges Dienstanerbieten gebracht sah.

"Lassen Sie uns von Ihren Verhältnissen reden, da ich Ihnen vielleicht einige Einzelnheiten der Vorfälle während Ihrer Abwesenheit geben kann!" fuhr sie fort. "Sie scheinen jedenfalls zu wissen, dass Ellen nicht mehr hier im haus ist."

"Ich weiss, Ma'am, dass sie ihrem Vater nach Oaklea gefolgt ist, und offen gestanden, ist mir die Tatsache so genügend, dass ich mich über das Wie oder Warum nicht weiter kümmern möchte!"

Sie sah ihm einen Augenblick aufmerksam ins Gesicht. "Und das ist Alles, was Sie darüber zu sagen haben?" fragte sie dann.

"Ich wüsste nicht, was sonst noch, Ma'am. Jedes weitere Wort kann das verhältnis zwischen mir und Ellen nur verwirren, statt es der Lösung näher zu bringen. Sie kennt genau die Deutung, welche ich einem Schritte wie dem jetzt von ihr getanen geben würdeund sie hat ihn getan. Sie weiss, dass ich ihrer Eltern Haus, welches mir ihr Vater nach unserer Verheiratung deutlich genug verbot, nie betreten werde, wenn nicht eine Ausgleichung vorhergeht, zu welcher sich Elliot, wie ich ihn kenne, nie verstehen wirdalso ist das verhältnis so einfach, dass sich kaum noch etwas darüber sagen lässt."

"Und Sie wollen keinen Schritt in der ganzen Angelegenheit tun, trotzdem Sie so glücklich in Ihrer Liebe zu Ellen waren?" erwiderte sie, und bückte sich, um eine Falte ihres Kleides zu ordnen.

Helmstedt antwortete nicht; die Frage klang ihm in seiner jetzigen Stimmung und aus Paulinens mund fast wie bitterer Hohn. Ein stiller, ernster blick, mit dem sich Helmstedt erhob, traf die junge Frau, als sie aufsah. "Lassen Sie uns abbrechen, Ma'am!" sagte er ruhig und trug seinen Stuhl bei Seite.

Sie sah ihm nach, als suche sie ein Verständniss für sein Benehmen, dann erhob sie sich ebenfalls. "Noch einen Augenblick, Mr. Helmstedt, ich habe einen letzten Auftrag von Mr. Morton an Sie auszurichten!" Damit ging sie nach einem eleganten Schreibtische an einer der Seitenwände des Zimmers und nahm einen starken Brief, der dort in Bereitschaft zu liegen schien, heraus, ihn dem jungen mann, der ihr entgegenkam, übergebend. Helmstedt erkannte schnell seine Adresse, von Mortons Hand geschrieben.

"Ich werde die Oeffnung für eine ruhigere Stunde aufsparen," sagte er, "und falls sich Dinge darin vorfinden sollten, die sich auf mehr als