den schnellen Schritt, der sie mit ihm vereinigt hatte, den sie vielleicht in Selbsttäuschung, aber doch im vollen Vertrauen zu ihm getan, für immer bereuen lassen? der ganze Roman seiner Liebe ging noch einmal, Bild für Bild, an seiner Seele vorüber – er konnte, er mochte sie zu nichts zwingen, was ihr Herz ihr nicht selbst dictirte. Aber er wollte selbst auch keinen Schritt zur Lösung der Differenz tun, er wollte die stolze Familie an sich kommen lassen – hatte er sich doch nichts vorzuwerfen. Er wusste, dass er sich jetzt einen ganz neuen Plan für seine Zukunft entwerfen musste; wusste, dass er allein niemals unter den reichen Pflanzern Alabama's Wurzel schlagen konnte, um eine Selbstständigkeit für sich zu erringen – aber so weit hinaus zu denken, war es noch nicht an der Zeit; die nächsten Tage allein schon mussten alle seine Gedanken in Anspruch nehmen. – Er dachte an Pauline, die er am folgenden Morgen besuchen wollte, um ihr, gemäss dem Versprechen, welches er dem verstorbenen Morton gegeben, seine Hilfe für alle nötigen Fälle anzubieten. Wie schnell sich doch die Stellung der Menschen zu einander ändern kann! Noch kein Jahr war es her, dass er sie als einzeln dastehendes Mädchen in New-York getroffen, dass sie ihre beiderseitige Kinderfreundschaft von Deutschland her gegen ihn hatte geltend machen und sich warm an ihn hatte anschliessen wollen, dass er sich, ihr ganzes Wesen missdeutend, steif von ihr gewandt – fast wollte es ihm scheinen, wenn er sich die damaligen Scenen und das weiche, lachende Mädchengesicht vergegenwärtigte, als habe er ein ganzes Paradies von sich gestossen, um einem Phantom nachzujagen. Jetzt war sie eine reiche Erbin, eine junge, schöne witwe, welcher überall die glänzendsten Partien zu Gebote stehen mussten – jetzt wollte er um die Gunst bitten, ihr dienen zu dürfen. Der kalte, jede Annäherung abweisende Gesichtsausdruck, mit welchem sie ihm vor seiner Reise nach New-York entgegengetreten war, stand wieder vor seiner Seele, und es wurde ihm, als müsse es ihm bis ins innerste Herz hinein wehe tun, müsste ihn demütigen wie noch nie zuvor, wenn sie ihm bei seinem morgenden Besuche in derselben Weise begegnen würde. Und doch hatte er kaum ein Recht, etwas Anderes zu erwarten. Mochte es aber auch so sein, er war Mannes genug dazu, um sich selbst und seine Gefühle zu bezwingen; noch war Stolz genug in ihm, dass er sich nach keiner Seite hin eine Blösse zu geben brauchte – konnte er auch keine Zukunft von einiger Verheissung hier im Süden mehr für sich erblicken, so wollte er doch seine gegenwärtige Laufbahn mit Ehren gegen sich selbst zu Ende bringen – für das Weitere mochte dann das Schicksal sorgen. – Helmstedt hatte sich am Schlusse seines Gedankenganges straffer im Sattel ausgerichtet und das Pferd fühlte zum ersten Male seine Schenkel. Die äussersten, zerstreuten Häuser des Städtchens lagen vor ihm; bald begegneten ihm einzelne Menschen, von denen fast Jeder einen Gruss für ihn hatte. Mädchengruppen zu zweien und dreien blieben am rand der Strasse stehen und lachten ihm mit einem: "Wieder zurück, Mr. Helmstedt?" entgegen – es waren Schülerinnen der Akademie, und als er am Globe-Hotel abgestiegen war, dessen Piazza der abendliche Versammlungsplatz der männlichen Aristokratie des Ortes war und ihm hier zehn "How do you do!" auf einmal entgegen gerufen wurden, da war seine gedrückte Stimmung verschwunden, er wusste kaum selbst wie – er fühlte, er hatte bereits einen Boden unter sich, den nicht zufällige Beziehungen, sondern sein eigener Wert und seine Tätigkeit ihm geschaffen hatten. Bald sass er in der Mitte der Männer, gab das verunglückte Ergebniss seiner Reise und andere New-Yorker Neuigkeiten, wie sie ihm dort zu Ohren gekommen waren, zum Besten; bald schlug unter den Anwesenden ein Witz und ein derber Scherz den andern, und als endlich Cäsar anlangte, um seinem Herrn zu melden, dass er alle Aufträge besorgt, wusste dieser kaum, wie schnell ihm die Zeit verstrichen.
Als er freilich sein Haus mit den geschlossenen Läden betrat, als Cäsar lange in der Küche umhersuchen musste, ehe er ein Schwefelholz und ein Stümpfchen Licht aufgefunden hatte, als er endlich sein Schlafzimmer betrat, wo Alles verschwunden war, was an den Aufentalt einer Frau erinnern konnte, und ihm nur offene Kasten und Schranktüren entgegen gähnten – da wollte wohl etwas von seiner früheren Stimmung wieder über ihn kommen; als aber sein Auge den Schwarzen an der Tür traf, dessen Gesicht ein sonderbares Gemisch von Teilnahme und Beobachtung ausdrückte, fühlte er auch, dass er sich nicht gehen lassen dürfe, dass die erste notwendigkeit für seine künftige Stellung der Welt gegenüber Selbstbeherrschung sei. Er sandte den Neger weg, um wasser und Lichte herbeizuholen, öffnete sodann die Fenster und brachte das Zimmer in Ordnung. Der zurückkehrende Schwarze fand ihn, eine Cigarre rauchend, gemächlich in den Schaukelstuhl gestreckt. "Well, Cäsar," sagte er, "lass uns kurz überlegen, wie wir unsere Einrichtungen machen, bis die Weiber wieder zurück sind; du bist Zimmermann und hast bis jetzt für dich selbst gearbeitet –"
"Ja, Sir! und ich habe Ihnen noch die Miete für mich während der letzten Monate zu bezahlen, aber das Geld liegt bereit."
"Behalte dein Geld. So lange ich deine Arbeit entbehren kann, gönne ich dir gerne den Verdienst!" winkte Helmstedt. "Ich