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sagte mir, was ich tun solle. Im Parlor war Mr. Nelson, der manchmal unser Haus besucht hat, und der Vater von Mrs. Helmstedt; ich hörte sie Beide sprechen."

Helmstedt wandte den blick weg und biss die Zähne auf die Unterlippe.

"Soll ich die Pferde losbinden, Sir?" fragte Cäsar nach einer Weile.

"Warte noch einen Augenblick!" erwiderte der Augekommene und schritt, die Augenbrauen dicht zusammengezogen, das Ufer hinauf. Oben setzte er sich auf einen der Baumstümpfe am Wege und rieb sich die Stirn. Lange sah er vor sich ins Weite, und nur ein momentanes Zusammenpressen der Lippen liess auf den Zustand seines inneren schliessen. Cäsar hatte sich zu den Pferden gestellt und schien sich mit den Sattelgurten zu tun zu machen, liess aber den ersten blick voller Verständniss nicht von seinem Herrn.

"Hast du den Schlüssel vom haus mitgebracht?" begann endlich Helmstedt und richtete sich langsam auf.

"Er ist noch bei Mortons, Sir," erwiderte der Schwarze herbeikommend; "ich glaubte, Sie würden erst dortin gehen, im haus ist noch nichts zurecht gemacht."

Helmstedt schüttelte den Kopf. "Ich denke, wir Beide können uns schnell genug einrichten," sagte er; "eine Zeitlang werden wir jedenfalls unsere Wirtschaft allein führen müssen." Er machte eine kurze Pause. "Wir hatten Beide an ein und demselben Tage Hochzeit gemacht, Cäsar," fuhr er dann mit mattem Lächeln fort, – "jetzt sind wir unsere Frauen auch an einem Tage wieder los geworden; wir müssen uns vorläufig drein ergeben."

Der Schwarze verzog sein Gesicht, man wusste nicht, war es ein Ansatz zum lachen oder zum Weinen. "O!" brach er dann los, "die Sarah mag wegbleiben, ich gebe nichts drumsie hat mehr böse Mukken als das Jahr Tage, und ich war ein Narr, als ich ihr noch jeden Abend nachlief. Der alte Mr. MortonGott segne ihn im grabmeinte es gut, als er mich an Mr. Helmstedt schenkte, damit ich Sarah heiraten sollte. Sarah hat mir's aber hinterher selber gesagt, dass sie mich nur genommen, weil mir der alte Isaak, als er starb, seinen ganzen Pedlarkasten voll Bänder und Kleider geschenkt habe. Jetzt hat sie den leer gemacht, und nun will sie auch nichts mehr von mir wissen, – mag sie laufen!"

Helmstedt schien kaum auf die Rede des Negers geachtet zu haben. Er war langsam nach den Pferden zurückgegangen, klopfte einem derselben, das den Kopf nach ihm wandte und ihn beschnobberte, den Hals und löste den Zügel vom Baume. "Du reitest jetzt nach Mortons Haus, Cäsar," sagte er, "bringst der Mistress meine Empfehlung und fragst, ob sie mich morgen empfangen wolle. Dann nimmst du unsern Wagen, der dort steht, ladest deine Sachen und die Kleinigkeiten, die von mir noch da sein mögen, darauf und bringst Alles zusammen nach unserm haus. Ich werde dich in der Stadt im Globe-Hotel erwarten, wenn es auch etwas spät werden sollte."

Der Schwarze nickte ein: "very well, Sir!" Helmstedt bestieg sein Pferd und trabte auf dem wohlbekannten Wege davon. Jedes weisse Farmhaus, das aus seiner grünen Umgebung hervortauchte, grüsste ihn als alten Bekannten, aber Helmstedt hatte keinen Sinn zum Gegengruss. Seine ganze Zukunft war bei dem ersten Schritt auf heimatlichen Bodendenn das hatte ihm Alabama werden sollenals ein ungelöstes Rätsel vor ihn getreten. Seine Frau war zu ihren Eltern gehangen und hatte sich dadurch von ihm losgesagt, – sie war das verbindende Glied zwischen ihm und diesem land, auf ihr Festalten an ihm hatte er alle seine künftigen Pläne gebaut; und hatte er auch gesehen, dass er sich nie mit ihr so verstehen würde, wie er anfänglich geträumt, so war ihm, dem Deutschen, doch der Begriff der Ehe noch ein so ehrwürdiger, ein so für das ganze Leben bindender Act, dass er wohl auf Mittel und Wege, ihre beiderseitige Differenz auszugleichen, aber nie an eine Trennung gedacht hatte. So hatte er wenige Tage vor seiner Abreise von New-York einen Brief an die junge Frau geschrieben, in welchem er ihr seine Rückreise meldete. Es hatte ihn nach einem herzlichen Empfang zu haus verlangt und er hatte mit warmen Worten Alles besprochen, was vor seiner Abreise von Alabama zwischen ihnen zu stehen schien, hatte ihr das verhältnis zu ihren Eltern, in welches sie durch schnelle Heirat mit ihm getreten war, klar vor die Seele geführt und ihr versprochen, keine Anstrengung zu scheuen, dass ihr Vater selbst noch stolz auf ihre Wahl werden solle. Er hatte sie gebeten, ihn am Tage seiner Ankunft selbst an der Landung zu erwarten; jetzt hatte er die Antwort auf seine Zeilendiese Zeilen, welche ihm das reinste Herz und der beste Wille dictirt hatten. Er wusste, als habe ihm es Jemand erzählt, dass Mortons Tod nur ein Vorwand für die Eltern seiner Frau, vielleicht für diese selbst gewesen war, um einen Schritt zu tun, der unter den obwaltenden Verhältnissen und bei seiner ganzen denke- und Gefühlsweise auch der erste Schritt zu einer Trennung zwischen ihnen Beiden sein musste. Er hätte seine Frau zurückfordern, hätte sie zwingen können, mit ihm weiter zu lebenaber was wäre dann sein weiteres Leben gewesen? Und sollte er sie