fuhr Seifert fort und zog ein Gesicht voll ironischer Treuherzigkeit, "werden Sie aus dieser kurzen Skizze ersehen, dass ich ehrlich und umsichtig meine Pflicht als Partner erfüllt habe und wohl Ihr geschätztes Vertrauen verdiene, das Sie mir so wenig angedeihen lassen wollen."
Murphy rieb sich die Stirn. "Das Ehepaar soll also für den Preis Ihres Schweigens zu einem Uebereinkommen wegen des Besitztitels vermocht werden," sagte er; "der Plan ist so übel nicht, wenn er vorsichtig ausgeführt wird. Jedenfalls aber müssten wir aus Werk gehen, ehe die öffentliche Aufmerksamkeit sich der Hinterlassenschaft zuwendet und Smit und Johnson den fraglichen Besitztitel als noch zu dem Eigentume des Verstorbenen gehörig in die Masse abliefern."
"Ganz meine Ansicht, Sir!" nickte Seifert. "Ich habe für heute Nachmittag und morgen früh ein kleines Privatgeschäft im land abzumachen – wir müssen doch erst die Leiche des jungen Menschen unter die Erde kommen lassen, ehe wir fernere Schritte tun – morgen Mittag aber werden Sie mich hier zur weitern Arbeit bereit finden."
Er erhob sich und nahm seinen Hut. Der advokat sah auf. "Ich hoffe, Sie werden nicht auf sich warten lassen," sagte er, und um seine Augen spielte es wie ein unbestimmter Verdacht.
"Ich fehle nie, wo es sich um mein Interesse handelt," lächelte Seifert in seiner eigentümlichen Weise. "Vergessen S i e nur nie, mich daran fest zu halten."
V.
Es war in den ersten Tagen des Mai, aber schon hatte die "warme Jahreszeit" in den südlichen Staaten begonnen. Ein dunkelblauer, wolkenloser Himmel spannte sich über die Täler aus, welche sich zwischen den Ausläufern der Alleghany-Gebirge hinziehen. Kein Lüftchen regte sich, nichts Lebendes war auf den Feldern zu entdecken, kein laut wurde hörbar, und selbst die Blätter der Bäume schienen, überkommen von der erschlaffenden Wärme, eingeschlafen zu sein. Zwischen seinen hier oft so malerischen Ufern lag der Tennesseefluss regungslos und spiegelte das mannichfach schattirte Gebüsch wieder, wie in einem festen Glase.
Oben an einer der Landungen sass ein einsamer Neger, eben so bewegungslos wie seine ganze Umgebung, und starrte den Fluss hinauf. Er war reinlich in dunkles, baumwollenes Zeug gekleidet und mit einem breiten Strohhute versehen. Stunde auf Stunde verrann, die Sonnenglut schien keinen Einfluss auf sein Gehirn auszuüben, keine Ermattung oder Langeweile schien über ihn zu kommen, noch sein blick etwas von der Aufmerksamkeit zu verlieren, mit welcher er den obern teil des Flusses beobachtete. Endlich gegen Abend begannen über den Hügelreihen, welche die östliche Aussicht verdeckten, sich einzelne kleine Wölkchen zu zeigen, welche wieder verschwanden, um bald durch neu aufsteigende ersetzt zu werden. Des Negers Aufmerksamkeit schien zu wachsen; eine Weile noch hielt er den blick gespannt in die Ferne gerichtet, dann erhob er sich und verschwand in dem wald, welcher das Flussufer säumte, um indessen nach kurzer Zeit mit zwei gesattelten Pferden wieder zu erscheinen. Er befestigte denn Zügel an dem nächsten Baume und nahm dann seinen frühern Platz ein. Die Wölkchen waren verschwunden; bald aber brachen sie neu und kräftiger hinter einem der naheliegenden Hügel hervor, und wenige Minuten danach wurde in der nächsten Biegung des Flusses ein herbeikommendes Dampfschiff sichtbar. Der Neger schritt langsam das Ufer nach der Landung hinab, das Fahrzeug kam näher, und schon von fern konnte man einen einzelnen Reisenden am vorderen Buge desselben erkennen.
Der Neger verzog das Gesicht zu einem zufriedenen Grinsen, dass die blendend weissen Zähne bis an ihre Wurzeln sichtbar wurden; er nahm den Strohhut ab, rieb sich den Wollkopf und bedeckte ihn wieder. Jetzt bog das Boot gegen das Ufer; eine Reisetasche, von dem Schwarzen aufgefangen, flog herüber, und ihr nach kam in keckem Sprunge, ohne auf das Niederlegen der Landungsbrücke zu warten, der Reisende.
"Wie geht's, Cäsar?" sagte er, dem Schwarzen die Hand reichend, während das Boot seinen Lauf fortsetzte; "sonst Niemand hier?"
"Ich glaube nicht, Mr. Helmstedt."
Der Ankömmling sah, die Augenbrauen zusammenziehend, einen Moment um sich und begegnete dann dem blick des Negers, der erwartend an seinem Gesicht hing. "Es ist doch Alles wohl, Cäsar, und nichts Besonderes vorgefallen?"
"Doch etwas, Sir. Alter Master Morton ist gestorben!" erwiderte der Neger, und in seinem Gesicht begann es sonderbar zu zucken.
Helmstedt sah ihm starr ins Auge; eine ganze Reihe von Gedanken schien ihm plötzlich durch den Kopf zu schiessen. "Also wirklich, – ich ahnte fast so etwas!" sagte er endlich langsam. "Und was sonst noch, Cäsar?"
"Well, als sie Mr. Morton begraben hatten, kam der Vater von Mrs. Helmstedt und holte sie nach Oaklea – und die Sarah nahm er auch mit. nachher kam Ihr Brief, Sir, und ich musste ihn nach Oaklea bringen, und dort sagte mir Mrs. Helmstedt, dass Sie heute mit dem Dampfboot ankommen würden und dass ich Sie mit den Pferden erwarten solle. Das ist Alles, Sir!"
Helmstedt sah noch immer unverwandt in des Schwarzen Gesicht. "Und weiter hat meine Frau nichts gesagt? Erzähle mir jedes Wort, – besinne dich, Cäsar!"
"Nichts, Sir. Ich wartete in der Halle, als ich den Brief abgegeben hatte, da kam sie aus dem Parlor – sie war ganz blass, und