Andere. "Eins aber lassen Sie sich zu Ihrem eigenen Heil sagen: Denken Sie nie daran, den Seifert hinters Licht zu führen oder ihn, wenn Sie sich sicher fühlen, wie ein gebrauchtes Werkzeug bei Seite werfen zu wollen. Ehrlichkeit um Ehrlichkeit – im andern Falle aber erinnern Sie sich immer, dass ich keinen Zug tue, ohne mich genügend zu decken."
Murphy warf einen finstern, kurzen blick in seines gefährten Gesicht und wandte sich dann wieder nach dem Fenster. "Ich werde Ihnen das Geld schaffen," sagte er ohne sich umzusehen; "was wollten Sie wegen eines schnellen Beginnens des Processes sagen?"
"Eins nach dem Andern, Sir; lassen Sie uns zuerst den Geldpunkt ordnen!" erwiderte Jener, noch immer das Türschloss in der Hand.
Der advokat machte eine Bewegung der Ungeduld, zog dann seine Brieftasche hervor und warf aus dieser eine Bank-Anweisung auf den Tisch. "Hier ist, was Sie verlangen," sagte er; "jetzt habe ich kaum noch so viel, um meine Hotel-Rechnung zu bezahlen und die Reisekosten nach haus zu bestreiten."
"Wird auch nicht viel mehr notwendig sein. – Sie hätten sich übrigens, wo es sich um Erwerbung von Hunderttausenden handelt, besser vorsehen sollen," erwiderte Seifert und prüfte lange und aufmerksam das hingeworfene Papier. "Dies genügt für jetzt," fuhr er fort, die Anweisung sorgsam in sein Portemonnaie bergend und dann den Hut abnehmend. "Jetzt, da wir wieder in Ordnung sind, lassen Sie mich Ihnen noch einige Worte sagen, und kehren Sie mir Ihr freundliches Gesicht wieder zu."
Murphy nahm langsam auf dem Sopha Platz und stützte ohne aufzusehen die Stirn in die Hand. Seifert beobachtete ihn einige Augenblicke. "Wissen Sie, Mr. Murphy," begann er sodann und holte sich einen Stuhl herbei, "aus einer verdriesslichen Trompete kommt nie ein fideler Ton, wie die Deutschen sagen, und mit einem Gesicht, wie Ihr jetziges ist, werden wir nie ein flottes Geschäft machen."
"Lassen Sie mein Gesicht sein wie es will," winkte der advokat, "und sagen Sie mir einfach, um was es sich handelt."
"Wie Sie wollen, Sir, aber es ist Torheit, sich über die notwendigen Kosten eines Geschäfts zu ärgern, wenn man es einmal begonnen. Die Frage ist also, wie der Pfandleiher Meier, oder vielmehr dessen Frau, welche jetzt die eigentliche Erbin ist, am schnellsten für unsern Zweck willig zu machen ist. Well, als ich mich nach unserer Ankunft hier nach Leuten umsah, durch welche der frühere Erbe beseitigt werden könnte, wollte es der Zufall, dass ich auf einen Menschen stiess, der mit besagtem Meier oft in einem Geschäftsverkehr gestanden, welcher wenigstens in den Augen der Polizei nicht ganz sauber ist. Meier macht einfach den Diebeshehler. Ich gab ihm zuerst Andeutungen, dass ich sein ganzes Treiben kenne; als er aber trotz seiner Betroffenheit von nichts Unrechtem wissen wollte, schickte ich zwei von den Menschen, welche gestohlene Waaren bei ihm versetzt hatten, in seine Office, um die Sachen wieder einzulösen. Die Kerls mussten die Rolle von ehrlichen Leuten spielen; sie erzählten ihm, dass sie erst durch die Zeitung erfahren hätten, dass die Güter, welche sie ihm gebracht, gestohlenes Eigentum seien, sie wären durch die dritte Hand in ihren Besitz gekommen und sie müssten die Waaren wieder zurück haben, um bei der Polizei Anzeige davon zu machen und nicht selbst in den Verdacht des Diebstahles zu kommen. Ich kam gleich zu Anfang der Verhandlung wie durch Zufall hinzu. Meier war bleich wie eine Kalkwand, läugnete aber, nur zu wissen, von was die Männer sprächen, und wollte es auf eine Durchsuchung seines Hauses ankommen lassen – er hatte sich jedenfalls der verdächtigen Gegenstände schon längst entledigt. – Als jetzt die beiden Kerls drohten, sofort nach der Polizei zu gehen und selbst Anzeige zu machen, warf ich mich biederherzig dazwischen und sagte ihnen, sie möchten doch zuerst dem Pfandleiher Zeit zum Nachdenken lassen, er werde sich vielleicht noch besinnen; morgen möchten sie wieder kommen – und so gingen die Beiden, nachdem ich gewichtig mein Notizbuch gezogen und mir zwei X beliebige Namen als die ihrigen hatte nennen lassen, ab. Ich aber begann nun dem Meier eine Strafrede zu halten – und ich weiss jetzt noch nicht, hat er mich für einen gutmütigen Polizeispion oder für einen halben pfaffen genommen – sagte ihm, dass ich selbst seine heimlichen Geschäfte schon längst kenne, dass jetzt zwei bestimmte Zeugen gegen ihn vorhanden seien und dass er sich bei einer Anzeige nimmermehr von der Verurteilung als Diebeshehler losmachen könne. Ich muss wohl sehr eindringlich gesprochen haben, denn Madame Meier kam aus der Hinterstube weinend herbei und mit ihrem: 'Siehst du, siehst du, Abraham!' mir gerade gelegen. Ich wurde natürlich von dem Intermezzo ziemlich gerührt und erklärte dem Pfandleiher, der, ohne ein weiteres Wort reden zu können, mit weissen Lippen dastand, dass nur in Rücksicht auf seine arme Frau ich mir noch einmal überlegen werde, was ich in der Sache zu tun habe, ohne meine Pflicht und mein Gewissen zu verletzen – und ging weg. Das war vorgestern; ich vermute aber, dass das Meier'sche Ehepaar seit dieser Zeit wenig geschlafen haben wird und dass ihnen bei jeder Oeffnung ihrer Tür ein Schrekken durch die Glieder gefahren ist. Hoffentlich, Sir,"