während dieser Zeit wieder zum Vorschein brächte und alle gehabte Mühe sammt den verwandten Kosten zu nichts machte? Drittens: Falls er verschwunden bliebe, würde nicht vielleicht während dieser Zeit das Recht des alten Besitztitels, um dessen Erlangung es sich doch bei uns nur handelt, verjähren, da nach den meinerseits eingezogenen Erkundigungen dergleichen gesetz in jedem staat bestehen?"
Murphy hatte während Seiferts Rede langsam den Kopf gehoben und sich halb umgedreht.
"Und," fuhr der Erstere fort, "wenn ich Ihnen nun sage, und bereit bin irgend einen Eid darauf zu leisten, dass ich niemals an eine Ermordung des jungen Menschen gedacht, noch in irgend einer Weise dazu beigetragen habe – würden Sie dann nicht das Unglück, an dem wir Beide kein Haarbreit teil haben und das nun einmal geschehen ist, segnen, da es uns jede sorge vom Halse nimmt?"
Murphy's Gesicht begann heller zu werden. "Mr. Wells," sagte er nach einer Pause, "Sie hätten advokat werden sollen. – Aber lassen Sie einmal dieses unangenehme Lächeln," fuhr er fort, als sich bei seiner Bemerkung ein beissender Hohn auf Seiferts Gesicht lagerte; "sagen Sie mir, des Geschäfts-Erfolges halber – denn ein Eid wäre bei Ihnen, der an nichts glaubt, doch nur eine taube Nuss – haben Sie auf keinerlei Weise, weder direct noch indirect, zu dem tod dieses Manuel Goldstein beigetragen?"
"Ich gebe Ihnen Vollmacht, mich zu übervorteilen und zu betrügen, wie Sie können, wenn meinerseits auf irgend eine Art zu dem Todesfalle geholfen wurde!" rief Seifert, die Hand wie zum Schwure hebend, "ist Ihnen das genug?"
"Ich will Ihnen glauben," erwiderte der advokat und setzte sich, die Hand eine Weile vor die Augen drückend, auf das Sopha. "Wollten Sie noch etwas Weiteres sagen?" fragte er dann.
"Well, Sir, der erste Schritt wäre getan – aber auch nur der erste Schritt!" begann Seifert wieder. "Der nächste Erbe ist, wie Sie wissen, die Frau des hiesigen Pfandleihers Meier. Ich kenne aber diesen Meier. Bekommt er nur den geringsten Wind von dem Vorhandensein und dem Werte des bewussten Besitztitels, so dürfen Sie sicher sein, dass er ihn mit unbesiegbarer Zähigkeit festalten wird, und je mehr Sie ihm dafür bieten, je weniger wird er, in der Hoffnung auf noch grösseren Gewinn, zu einem Uebereinkommen geneigt sein. Ich habe indessen unsere Angelegenheit so vorbereitet, dass ich den Mann jetzt ziemlich in meiner Hand habe, dass er mich fürchtet, und ich glaube mich für eine teilweise Abtretung des Papiers seinerseits verpflichten zu können. Nur ist hier noch ein kleiner Punkt," fuhr er höflich lächelnd fort. "Sie werden einsehen, dass ich in meiner Lage das Ende des zu erwartenden Prozesses nicht abwarten kann, ohne wenigstens etwas Geld für mich in die Hand zu bekommen. Ich bitte Sie deshalb vorläufig um etwa fünfhundert Dollars Vorschuss, worauf ich ohne weitere Ansprüche bis zum Ausgang der Verhandlungen mich gedulden werde."
"Das kann ich nicht, Sir, das habe ich jetzt kaum noch zur Disposition!" rief der advokat lebhaft aufspringend, "bedenken Sie, wie Sie mich schon abgezapft haben."
"Ich, S i e , Mr. Murphy?" sagte Seifert mit verwunderter Miene, "hat denn meine tasche schon einen Dollar Ihres Geldes gesehen, den ich mein eigen genannt hätte? Sie scheinen ganz zu vergessen, dass bei einem Unternehmen, wie das unsrige jeder Handgriff teuer und ohne dass über den Preis gefeilscht werden darf, bezahlt werden muss."
"Ich sage Ihnen, ich zahle jetzt nichts mehr!" unterbrach ihn Murphy und warf sich wieder auf das Sopha. "Wollen Sie Partner in unserem Geschäft sein, so warten Sie auch, bis etwas dabei herausspringt – ich habe so alle die nötigen Mittel hineingeschossen und Sie nichts –"
"Als meine Arbeit und Gefahr, die das Zehnfache Ihrer paar hundert Dollars aufwiegen!" fügte Seifert scharf hinzu. "Indessen," fuhr er kalt fort, "handeln Sie nach Belieben, ich hoffe mich selbst bezahlt machen zu können, da ich sehe, wie hier die Sachen stehen."
Er setzte den Hut auf und wandte sich nach der Tür.
"Wo wollen Sie hin?" rief Murphy.
"Das darf Sie wohl jetzt wenig kümmern, Sir, da Sie meinen, mich so brevi manu abschütteln zu können!" war die Antwort. Seifert legte die Hand auf das Türschloss und Murphy sprang auf, des Davongehenden Hand erfassend.
"Sie wollen zum Pfandleiher Meier und diesem die Kenntniss der Angelegenheit verkaufen!" sagte der advokat mit mühsam niedergehaltener stimme.
"Vielleicht, Sir," erwiderte Seifert und sein Gesicht nahm eine steinerne Undurchdringlichkeit an; "vielleicht gibt es aber auch Leute, die mir für die Mitteilung der ganzen Speculation jetzt, wo das Hauptinderniss, der bevormundete Erbe, beseitigt ist, noch etwas mehr zahlen, als ich von Ihnen verlangte."
Beide Männer standen einen Augenblick auge' in Auge gewurzelt.
"Ist dies das letzte Geld, was Sie verlangen?" fragte endlich der advokat mit halb heiserer stimme, und ein böser blick stahl sich unter seinen Wimpern hervor.
"Bis zum Ausgang des Processes, ja, Sir! und dass dieser schnell beginnen kann, dafür werde ich sorgen," erwiderte der