Als der Riese aber in der Bierhalle sein Glas Bier hinuntergestürzt, als sei es ein Fingerhut voll, und Helmstedt bezahlen wollte, hielt ihn Jener zurück.
"Das dürfen Sie nicht tun, Sir, ich habe Sie eingeladen," sagte er und zog ein wohlgefülltes Portemonnaie aus der tasche, "ich freue mich, dass Sie es nicht verschmäht haben, mit dem Charlei zu trinken. Ich wollte auch eigentlich etwas Anderes," begann er, nachdem er bezahlt, mit gedämpfter stimme wieder, und führte den jungen Mann bei Seite. "Wollen Sie mir nicht genau den Namen und den Ort, wo Sie zu haus sind, aufschreiben? Ich möchte Ihren Namen nicht gern wieder vergessen, und dann – ja, dann kann man ja auch nicht wissen was vorfällt – ich meinte nur so," fuhr er, wie in halber Verlegenheit fort, als ihn Helmstedt verwundert ansah. "Wollen Sie?"
Helmstedt zog bereitwillig sein Notizbuch hervor, riss daraus ein Blatt Papier und schrieb seine volle Adresse darauf.
"Dank Ihnen, Sir, Dank Ihnen!" rief Jener und steckte den Zettel sorgfältig zu seinem Gelde, "ich denke, Sie werden noch einmal von Dutch Charlei hören."
Helmstedt, als er seinen Weg weiter fortsetzte, schüttelte wohl einige Male den Kopf, wenn er an seinen sonderbaren Gesellschafter dachte, hatte aber bald den Vorfall über der sorge für seine nächstgebotenen Verrichtungen vergessen.
An demselben Morgen um acht Uhr war Seifert in das Astorhaus getreten. Sein Gesicht war bleicher als gewöhnlich, das Halstuch sass locker und verschoben um seinen Hals, und Rock wie Hut waren staubig. Er ging nach dem Barroom, stürzte hier ein Glas voll Brandy hinunter, und schritt dann die Treppe nach Murphy's Zimmer hinauf. Der advokat sass mit einer Zeitung beschäftigt am Fenster und sah dem Eintretenden mit gespannten Augen entgegen, ohne ein Wort zu sagen.
"Well, Sir," sagte dieser, den Hut bei Seite stellend, "die Sache wäre somit fertig. Der Erbe ist vor etwa einer Stunde tot aus dem wasser gezogen worden, und Sie haben jetzt freien Weg. Ich komme soeben vom Polizeistationshaus, wo der Coroner den Körper als den des Manuel Goldstein identifizirt und sein Urteil abgegeben hat, das freilich die Angelegenheit in etwas rätselhaftem Lichte erscheinen lässt, da der ganze Kopf zerschlagen war und einen wirklich schauerlichen Anblick bot."
Der advokat starrte den Erzähler an als seie er ein Gespenst.
"Was ist das? tot aus dem Flusse gezogen?" sagte er, sich langsam erhebend, mit einer stimme, die wie von einem plötzlichen Schrecken gelähmt schien. "Sie sind wahnsinnig, Seifert, oder Sie wollen mich wahnsinnig machen. Treiben Sie keine schlechten Spässe; die ganze geschichte bis jetzt hat mich ohnedies mehr aufgeregt, als ich mir jemals hätte träumen lassen!"
"Sie sind eben ein Kind, wie ich schon früher gesagt, und hätten an Unternehmungen wie die begonnene gar nicht denken sollen," erwiderte Seifert lächelnd, und begann sich seines Rockes wie seines Halstuches zu entledigen. "Sie erlauben mir wohl, bei Ihnen etwas Toilette zu machen, mein Hotel ist zu weit weg und ich kann mich wirklich in diesem Aufzuge nicht länger in den Strassen zeigen. Ich habe die ganze Nacht die Kleider nicht vom leib gebracht und kaum eine Stunde auf einem stuhl in einer schmutzigen Kneipe geschlafen!"
Er wollte sich nach dem Waschtische wenden, aber der advokat fasste mit weit aufgerissenen Augen seinen Arm.
"Seifert, haben Sie den jungen Menschen wirklich –?!"
"Ich?" erwiderte dieser, und über sein Gesicht flog ein Ausdruck, als belustige ihn die Scene. "Nein, Sir, mit derartigen Geschäften gebe ich mich selbst nicht ab. Dass er aber tot ist, werden Sie heute schon in allen Abendblättern lesen."
Murphy's Hand presste sich krampfhaft um seines gefährten Arm. "Seifert, ich habe das nicht gewollt – soweit nicht, und das wussten Sie – meine Hand ist rein an dem Morde, wenn er begangen worden ist."
Des Andern Gesicht begann sich in finstere Falten zu legen. "Ich heisse Wells, Sir, und ich muss Ihnen gestehen, dass mich Ihr jetziges Jammergesicht den Augenblick bereuen lässt, wo ich Ihnen meine Hilfe für Ihr Unternehmen zusagte. Meinen Sie etwa, wenn Sie den Teufel vor Ihren Wagen spannen, Sie können ihn immer lenken, wie ein wohleingefahrenes Pferd, können verhindern, dass er einmal einen unbeabsichtigten Sprung macht? Unser Zweck ist erreicht, das ist vorläufig die Hauptsache – und werden Ihre Nerven für den Augenblick rebellisch, so trinken Sie ein paar tüchtige Schluck Brandy, das wird Ihnen die richtige Anschauung der Dinge zurückgeben."
Damit drehte er sich herum und begann sein Reinigungsgeschäft, während Murphy ihn noch einen Augenblick anstarrte und sich dann nach dem Fenster drehte.
Seifert hatte mit aller Sorgfalt vor dein Spiegel sein Haar frisirt und sein Halstuch gebunden, sodann seinen Rock gebürstet und seinen Hut geglättet. "Sagen Sie mir nur einmal, Verehrter," begann er sodann, sich umdrehend, "den Fall gesetzt, der Erbe, dieser Judenjunge, wäre n i c h t tot, sondern nur verschwunden; würde es denn nicht eine lange Zeit dauern, ehe er als gesetzlich verschollen erklärt und die nächsten Erben in Besitz der Hinterlassenschaft gebracht würden? Zweitens: Könnten Sie für irgend einen Zufall stehen, der ihn