seinem inneren blick vorüber, und dann trat wieder Paulinens Bild vor ihn, wie sie seine Frau empfangen und diese, als sie in deren verweinte Augen gesehen, bei Seite genommen und ihr zugesprochen hatte gleich einem unzufriedenen kind – und wie, als Ellen's Missmut vor ihrer Liebenswürdigkeit, wenigstens auf augenblicklich hatte weichen müssen, ein Lächeln ihr Gesicht verklärt hatte, das ihn an die Zeit erinnerte, wo er sie in NewYork zuerst gesehen.
Mit einem halb unterdrückten Seufzer strich er sich über das Gesicht und sprang dann auf, als wolle er jetzt alle Erinnerungen von sich abschütteln. Er sah nach der Uhr; jedenfalls war es schon zu spät, um heute noch mit den Geschäften zu beginnen – lieber machte er noch einen gang durch die Strassen, die er früher so oft durchwandert hatte. –
Am nächsten Morgen war er frühzeitig aus dem Bette, kleidete sich sorgfältig an und begann das Studium des New-Yorker Wohnungs-Anzeigers. "Abraham Meier" hiess nach den hinterlassenen Angaben des Pedlars der Mann, bei welchem der Erbe des Verstorbenen in Pflege war. Aber wie viele hundert Meier, Maier, Mayer und Meier und wie viele Abrahams darunter gab es. Helmstedt hatte lange nach usehen, war schon einmal, ohne zu finden was er suchte, zu Ende gekommen und hatte wieder mit grösserer Vorsicht von vorne begonnen, ehe er einen Meier, der Pfandleiher war und auch Abraham hiess, entdeckte. Er notirte sich die Adresse genau, suchte aus seiner Brieftasche eine beglaubigte Abschrift der letzten Verfügung des Pedlars hervor und machte sich nach 10 Uhr auf den Weg nach Pealstreet.
Das Haus war schnell gefunden, aber der Eingang war zu Helmstedt's Verwunderung verschlossen. Er klopfte, nachdem er sich vergebens nach einem Klingelzuge umgesehen hatte, mehrere Male stark an; aber erst nach der dritten Wiederholung des Klopfens öffnete sich die Tür gerade weit genug, um ein verstörtes Mädchengesicht heraussehen zu lassen.
"Ich wünsche Mr. Abraham Meier zu sprechen," sagte Helmstedt.
"Ich glaube nicht, Sir, dass Sie ihn jetzt sprechen können; was wollen Sie von ihm?"
"Ich habe mit ihm wegen des Manuel Goldstein zu reden!"
"Wegen des Manuel?" erwiderte das Mädchen, und es zuckte sonderbar in ihrem gesicht; "warten Sie, ich werde es Mr. Meier sagen." Damit schloss sie den Eingang wieder und liess Helmstedt, der nicht recht wusste, was er aus dem ganzen Benehmen machen sollte, auf der Strasse stehen. Bald indessen öffnete sich die Tür von Neuem und das Mädchen lud ihn mit einer stummen Geberde zum Eintreten ein. Sie ging ihm voran, die Treppe hinauf und öffnete dort den Parlor. Nach einigen Minuten des Harrens, in welchen Helmstedt sich die Bilder sammt der übrigen Einrichtung betrachtet und seine stillen Glossen darüber gemacht hatte, erschien Abraham Meier. Er war sichtlich aufgeregt, sein Haar in Unordnung und sein blick unstät.
"Guten Morgen, Sir!" sagte er; "ist schon etwas entdeckt worden, was zur Aufklärung dienen könnte?"
"Entdeckt worden?" erwiderte Helmstedt verwundert; "Sie nehmen mich wahrscheinlich für die unrechte person, Sir!" fuhr er lächelnd fort. "Sehe ich Mr. Abraham Meier vor mir?"
Der Pfandleiher starrte ihn eine Weile an und rieb sich dann mit der Hand die Augen, "Ah so," sagte er, "entschuldigen Sie mich; ich dachte Sie kämen wegen des Manuel, wenigstens sagte das Dienstmädchen so etwas."
"Ist mit dem jungen Menschen etwas vorgegangen?" fragte Helmstedt, aufmerksam werdend; "ich komme allerdings nur seinetalben hierher. Ich weiss nicht, ob Sie davon unterrichtet sind, dass der alte Isaak Hirsch vor etwa zwei Monaten in Alabama gestorben ist. Er hatte in seinem letzten Willen den Manuel Goldstein zu seinem Erben eingesetzt und mir dessen Vormundschaft übertragen. Ich kam heute Morgen, um die ganze Angelegenheit mit Ihnen zu besprechen." Er zog die Abschrift der letzten Zeilen des Pedlars hervor und reichte sie dem Pfandleiher hin.
Meier hatte den Worten des Redenden anfangs nur wie notgedrungen zugehört; bald aber drückte sich ein wachsendes Interesse in seinem gesicht aus; er griff, als Helmstedt geendet hatte, nach dem Papier und las bis zum Schlusse, starrte aber dann noch immer hinein, als beschäftige ihn ein besonderer Gedanke.
"Sie sagen also, der Isaak Hirsch sei gestorben und habe eine Erbschaft hinterlassen?" sagte er endlich aufsehend; "aber," unterbrach er sich, "wollen Sie nicht Platz nehmen, Sir?" Er holte geschäftig einen Stuhl herbei und setzte sich, als sich Helmstedt niedergelassen hatte, diesem gegenüber. "Es ist wohl nicht der Rede wert, was der alte Mann erspart gehabt," fuhr er in einem Tone fort, der jedenfalls Gleichgiltigkeit ausdrücken sollte, während indessen seine unruhig sich bewegenden Augen kaum die Antwort erwarten zu können schienen.
"Es mögen gegen zehntausend Dollars in Gelbdepositen sein, welche dem Manuel zu Gute kommen werden!" entgegnete Helmstedt.
"Dem Manuel zu Gute kommen?" rief der Pfandleiher, wie plötzlich an etwas momentan Vergessenes sich erinnernd. "Du grosser Gott, das ist ja eben die geschichte! Der Manuel ist ja verschwunden gewesen seit gestern Mittag, und heute Morgen haben sie ihn tot im Nort-River aufgefischt. Sein Kopf ist ja so jämmerlich zerschlagen gewesen, dass Niemand gewusst hätte, wer