ganzes Gesicht verbreitend, nach der angegebenen Richtung und betrat das allgemeine Versammlungszimmer, in welchem einzelne Gruppen der Reisenden sprechend bei einander standen, während andere schlafend ober lesend auf den Stühlen und Divans umherlagen. Der Eintretende blickte einen Augenblick beobachtend umher, und hielt dann einen der schwarzen Aufwärter, der in seinen Weg kam, an.
"Welches ist Capt'n White?"
"Dort bei den vier Herren – der die Mütze trägt."
Seifert durchschritt das Zimmer wie ein Mensch, der an solchen Orten nicht fremd ist, und trat zu der bezeichneten Gruppe.
"Capt'n White, nur ein Wort. Ist Ihnen nicht ein Brief an Henry Wells übergeben worden?"
"Ein Brief?" erwiderte dieser, sich umdrehend. "Sie werden in der Office nachfragen müssen, Sir!"
"Ich war bereits da und dort ist nichts; ich hoffte mit Bestimmteit, er müsse in Ihren Händen sein."
"Bedaure Sir, aber ich weiss von nichts."
Seifert's Stirn zog sich in tiefe Falten.
"Well, Capt'n, dann bin ich in einer ganz teufelmässigen Patsche, wenn mir Ihre Freundlichkeit für den Augenblick nicht heraushilft. Wir sind seit vier Tagen in der Verfolgung eines nichtswürdigen Kerls begriffen, der dem Squire Elliot von Alabama vier Schwarze gestohlen hat; ich war mit zwei von unsern Begleitern einer neuen Spur gefolgt und war von ihnen abgekommen; ich hatte den Weg verloren und bin erst auf allerhand Holzwegen hier wieder aus dem wald ans Tageslicht gestiegen. Ich sollte nach unserer Verabredung durch die 'Fashion' nach Vicksburg Nachricht erhalten – mein Name ist nämlich Wells – und bin so glücklich, gerade wo mir der letzte Cent ausgegangen ist, Ihr Boot zu treffen – haben Sie wirklich keine Nachricht für mich, so möchte ich Sie freundlichst bitten, mich nach Vicksburg zu spediren, wo in Zeit von drei Minuten Ihnen das Fahrgeld erstattet werden soll."
Der Capitän liess einen Augenblick den prüfenden blick über ihn laufen.
"Sie haben kein Gepäck bei sich, Sir?" fragte er dann.
"Ich sage Ihnen ja, Capt'n, dass ich in den Wald geraten bin, ich weiss nicht. wie!" war Seiferts eifrige Antwort; "hätte ich Gepäck, so würde ich nicht in die Verlegenheit gekommen sein, Sie um das jetzige kurze Vertrauen zu bitten."
"Sie kennen also Mr. Elliot von Alabama, von dem Sie eben sprachen?" begann einer von den Beistehenden; "ich entsinne mich allerdings des Sklavendiebstahls dort."
Seifert wandte sich nach ihm und verfärbte sich, aber nur für einen Augenblick und ohne eine Miene zu verziehen. Er war einem schwarzen, scharf auf ihm ruhenden Auge begegnet, das ihn unruhig machte, wenn er sich auch noch keinen bestimmten Grund dafür angeben konnte. "Mr. Elliot habe ich nur einoder zweimal gesehen," erwiderte er, ein höfliches Lächeln versuchend; "ich selbst bin in New-York zu haus und nur auf einem Ausfluge im Süden. Ich hatte die ganze Expedition eigentlich nur der Merkwürdigkeit halber mitgemacht, da einige Bekannte sich daran beteiligten."
"Richtig, Sie waren von New-York nach Alabama gekommen; ich glaube mich Ihrer noch ziemlich deutlich zu entsinnen, Sir!" erwiderte der Andere, ohne den festen prüfenden blick von ihm zu lassen.
Seifert ward wieder einen Schatten blässer, aber sein blick nahm eine eiskalte Ruhe an. "Es ist wohl möglich, Sir, wenn Sie sich nicht in mir irren," erwiderte er; "mein Name ist Henry Wells."
"Ihren Namen habe ich nicht gehört," war die Antwort, und ein sonderbares Lächeln spielte um den Mund des Sprechenden; "ich wollte nur bemerken, dass, wenn unser Capt'n hier Anstand nehmen sollte. Ihnen das Fahrgeld zu creditiren, ich Ihnen gern mit meiner Börse zu Diensten stehe."
Seifert's Gedanken schienen durch das Anerbieten für einen Augenblick aus allen ihren Fugen geworfen zu sein, wenigstens zeigte sein Gesicht einen ähnlichen Ausdruck; aber der Capitän riss ihn aus der augenblicklichen Verwirrung.
"Schon recht, Sir. Warum soll ich einem ehrlichen Gentleman nicht so weit aus der Verlegenheit helfen?" sagte er mit derber Gutmütigkeit. "Sie finden mich nach fünf Minuten in der Office, wo ich die Sache ordnen werde. Machen Sie sich's bequem."
"Dank Ihnen, Capt'n," erwiderte Seifert wieder mit völliger äusserer Ruhe; "vielleicht finde ich einmal gelegenheit zu einem Gegendienste!" Er drehte sich weg, um die Gruppe zu verlassen. Kaum hatte er aber einige Schritte getan, als er den leichten Druck einer Hand auf seiner Schulter fühlte. Er wandte sich um und sah wieder in das scharfe Auge, dem er so eben begegnet.
"Well, Sir – Mr. Wells ist Ihr Name?" begann der Nachkommende, und wieder spielte ein Lächeln wie leichter Spott um seinen Mund; "wenn Sie eben erst aus dem wald zum Vorschein gekommen sind, so könnte uns ein guter Brandy nichts schaden; begleiten Sie mich nach dem Bar-Room."
Seifert's Auge verschleierte sich, so dass Niemand eine augenblickliche Empfindung darin gelesen hätte. "Ich danke Ihnen, Sir, und werde in zwei Secunden bei Ihnen sein!" erwiderte er. Mit einer kurzen Verbeugung wandte er sich hinweg und ging raschen Schrittes