niederlassend.
"Je nachdem sich etwas fängt," erwiderte Ben und rückte Stühle in die Nähe des Tisches; "die Geschäfte in dieser Beziehung sind in der letzten Zeit nur mager gewesen."
"Well, Gentlemen, wir wollen zur Sache gehen," sagte Seifert, als die Uebrigen Platz genommen hatten. "Ein kleines und ein grosses Geschäft sind abzumachen, und bei keinem ist besondere Gefahr. Ihr, Bill, sollt erstens zum Pfandleiher Meier gehen und die Ellenwaaren, welche Ihr vor drei oder vier Tagen dort versetzt habt, wieder einlösen."
"Wieder einlösen? Was soll dabei herausspringen?" fragte der Genannte, verwundert aufsehend.
"Was dabei herausspringt, ist meine Sache, über die wir nachher sprechen. Ich frage nur, ob Ihr es tun und mich und Ben als Zeugen mitnehmen wollt."
"Er wird die Waaren nicht mehr im haus haben, und selbst wenn er sie noch hätte, wird er weder von uns, noch von den Gütern etwas wissen wollen – für derartige Versatzstücke wird kein Pfandzettel gegeben."
"Ich weiss das Alles und erwarte auch nichts Anderes. Weigert er sich, so gehen wir wieder weg und jeder von euch Beiden hat mit dem Wege zehn Dollars verdient."
"Sie machen schnurrige Geschäfte, Mr. Wells – indessen geht das uns am Ende nichts an. Ist das Geld zur Hand?"
"Morgen früh um zehn Uhr gehen wir, und Jeder soll die Zahlung in seiner tasche haben, ehe er einen Schritt tut."
"Abgemacht, Sir!" und Seifert empfing von Beiden einen bekräftigenden Handschlag.
"Nun erst ein Wort mit unserm Jack, damit er sich nicht langweilt," fuhr Seifert fort. "Jack, ich brauche die Leiche eines Judenjungen von ungefähr 14 Jahren, und zwar morgen oder übermorgen Nacht; es ist nicht notwendig, dass sie ganz frisch ist."
Jack, der "Todtengräber", der bis jetzt, das Kinn auf beide hände gestützt, dem gespräche zugehört hatte, war augenscheinlich der Jüngste von den Vieren, eine schlanke Figur mit einem gesicht, das man gutmütig hätte nennen können, wenn ihm die kleinen, unruhigen Augen nicht etwas Unheimliches gegeben hätten. Jack war jedenfalls ein "Ladies-Man", denn seine Wäsche war sauber, das rotseidene Halstuch war mit einer koketten Schleife zugebunden, eine vergoldete Uhrkette fiel über seine Weste und der Sitz seiner Kleidung verriet die grösste Sorgfalt für seine äussere Erscheinung. Als ihm Seifert seine Forderung gestellt, begann er sich in den Haaren zu kratzen. "Das ist ein seltener Artikel, Sir," sagte er nach einer Weile, "und noch schwieriger ist es, ihn an einem bestimmten Tage herbeizuschaffen. Von den Juden kommen nur immer Wenige auf den Armenkirchhof, und ich müsste mich wirklich erst einmal umsehen –"
"Was verlangt Ihr für die Arbeit, Jack?"
Der Todtengräber schüttelte den Kopf. "Ich rede nicht so des Preises wegen," sagte er, "ich weiss wirklich im Augenblicke noch nicht, welche Schwierigkeiten sich mir entgegenstellen werden und ob ich Sie überhaupt befriedigen kann. Bisher habe ich in meinen Ordres nur die Bezeichnung: männlich ober weiblich, jung oder alt gekannt, auf die Religion hat noch Niemand etwas gegeben –"
"Wenn Ihr noch derselbe Maulwurf seid wie früher," unterbrach ihn Seifert, "so w e i ss ich, dass Ihr irgend einen bestimmten Auftrag ausführen könnt, sobald sich's nur lohnt; New-York ist gross und bietet ein Assortiment jeder Art. Noch einmal, und antwortet ohne viele Umstände: was verlangt Ihr?"
Jack fuhr sich mit der Hand von Neuem in die Haare. "Und wenn ich auch sagen wollte: fünfzig Dollars," erwiderte er zögernd, "so weiss ich wegen der Zeit immer noch nicht –"
"Ihr sollt hundert haben und den vierten teil gleich jetzt als Draufgeld, wenn Ihr Eure alberne Sprödigkeit jetzt bei Seite lasst; ich habe keine Zeit, lange Complimente zu machen, und gehöre auch nicht zu den Grünen." Er zog eine kleine Rolle Banknoten, die er schon im Voraus abgezählt zu haben schien, aus der Westentasche und legte sie, die Hand darauf haltend, vor sich auf den Tisch. "Nun?"
"Und es muss durchaus ein Jude sein?"
"Eine schwarzköpfige, beschnittene Judenleiche, von etwa vierzehn Jahren, abzuliefern bis spätestens übermorgen Nacht."
"Und wohin?"
"Bill und Ben werden sie in Empfang nehmen – davon sprechen wir aber nachher. Wie steht's, Jack?"
"Ich werde Hilfe brauchen – es ist das keine gewöhnliche Arbeit –" sagte dieser, seine beiden Kameraden fragend ansehend.
"Nimm den Dutch Charlei," erwiderte Bill, "sag' ihm, die Sache geschehe für einen Doctor, der Untersuchungen anstellen wolle, und er beruhigt sein Gewissen, trägt dir den Körper wohin du willst und schlägt auch noch ein paar Polizisten ohne den geringsten Spectakel nieder, falls sie euch in den Weg kommen sollten."
Der Todtengräber nickte nachdenklich. "Ich werde das Geschäft übernehmen, Sir," sagte er nach einer Pause, und reichte die Hand über den Tisch. Seifert fasste sie, empfing einen kräftigen Druck und schob ihm dann die Banknoten entgegen. "Fünf und zwanzig Dollars, richtig gezählt," sagte er; "die übrigen fünf und siebzig