zu sichern, auf s e h r bedeutende Schwierigkeiten stossen dürfte."
Murphy verzog das Gesicht zu einer geringschätzenden Miene. "Sie dürfen es wohl bei einem Advocaten, der es gewohnt ist, alle Seiten eines Falles zu erwägen, voraussetzen," sagte er, "dass ihm eine solche Hauptfrage nicht entgangen ist. Die sämmtlichen übrigen Depositen bestehen aus Geld und sind bei einem hiesigen Handlungshause untergebracht."
"Very well," erwiderte Seifert, "Sie müssen mir aber schon erlauben, dass ich bei einem Unternehmen, in welchem mir selbst der gefährlichste teil zufällt, n i e etwas voraussetze. Und da bisher Alles in Ordnung und reif zum Handeln ist, so gehe ich zur letzten Frage. Ich werde noch heute Abend etwa 300 Dollars bedürfen, um meine Operationen beginnen zu können. Werden diese zur Stelle sein?"
"Ich kann sie jedenfalls anschaffen," versetzte der advokat. "Indessen," fuhr er fort, seinem gefährten scharf ins Auge sehend, "möchte ich wohl vorher etwas Genaueres über Ihren Plan, sowie über die Verwendung dieses Geldes wissen. Ich habe noch nicht einmal etwas Weiteres als Ihr Wort, dass der Erbe aufgefunden sei."
Seifert hielt mit einem gemütlichen Lächeln Murphy's blick aus. "Wünschen Sie nicht etwa eine gerichtlich gesicherte Bürgschaft, lieber Herr, dass ich wirklich den Judenjungen auf die Seite schaffen werde?" sagte er. "Oder vielleicht eine vor dem Notar beschworene Specification meiner Ausgaben, versehen mit den Quittungen der verschiedenen Herren von der 'Fancy', welche ich auf die eine oder die andere Weise bei dem Unternehmen verwenden muss? Ich will Ihnen Eins sagen," fuhr er fort und setzte sich gerade auf, "die zeiten, wo man einen wohl verclausulirten Pakt mit dem Teufel machte, sind seit der Erfindung der Polizei vorbei; heute' zu Tage werden alle Geschäfte in dieser Branche nur auf Treue und Glauben gemacht. Ich übernehme die kitzlichste Arbeit in der ganzen Speculation und weiss noch nicht einmal, ob der spätere Erfolg I h r e r Arbeit meine Gefahr lohnt – ich traue nur Ihrem Worte und Ihrer Einsicht. Dasselbe haben Sie bei mir zu tun – ich bin aber gern erbötig, falls Ihnen diese Uebereinkunft nicht convenirt, in diesem Augenblicke noch unsern Vertrag aufzuheben. Sie haben dann am Ende weiter nichts verloren, als die Kosten meiner Reise nach New-York."
Murphy stand auf und ging, vor sich hinsehend, einige Mal im Zimmer auf und ab. Dann öffnete er seinen Koffer und nahm ein mit Banknoten gefülltes Etui heraus. "Es sind genau dreihundert Dollars," sagte er, indem er es leerte; "zählen Sie nach. Jetzt werden Sie mir aber wenigstens sagen können, ob überhaupt oder wie viel etwa fernere Mittel notwendig sein werden, um Ihren teil an unserer Arbeit zu einem bestimmten Ende zu bringen"
"Wie kann ich das wissen, Sir?" erwiderte Seifert, mit höflicher Miene die Achsel zuckend; "wie kann ich alle Hindernisse, die vielleicht überwunden werden müssen, vorausberechnen? Hundert Dollars mehr oder weniger hängen bei Unternehmungen dieser Art oft von der augenblicklichen Laune d e r Menschen ab, welche die praktische Arbeit in der Sache zu tun haben. Den Jungen zu entführen ist Kinderspiel; aber es zu veranstalten, dass er nicht vermisst wird, dass die übrigen Erben ohne Hinderniss in das Vermächtniss eingesetzt werden können, dass Sie keine Schwierigkeiten finden, um Ihr Abkommen wegen des Besitztitels zu treffen – d a s ist ein Unternehmen, welches mehr als gewöhnliche Mittel verlangt. Hier liegt das Geld, falls Sie noch irgend welche Bedenken haben sollten –"
"Nehmen Sie und gehen Sie an die Arbeit," sagte der advokat, sich die Stirn reibend, "Sie wissen recht gut, dass ich nicht zurück kann, wenn ich nicht den ganzen Plan aufgeben will."
Seifert erhob sich, ging auf den Advocaten zu und legte die Hand auf seine Schulter. "Der Teufel ist noch immer ehrlicher gewesen als die, welche stets den Herrgott auf der Zunge haben. Das war das Wort, mit dem Sie mir auf dem Dampfboot Ihr Vertrauen schenkten, und daran mögen Sie nur ruhig festalten," sagte er. "Aber," fuhr er fort, und sah dem Advocaten mit einem eigentümlichen blick ins Auge, "den Teufel haben auch Wenige noch ungestraft betrogen, und Sie mögen auch d i e s e r Wahrheit in unserem Falle sicher sein."
"Habe ich schon etwas getan, das Sie zu irgend einem Verdachte gegen mich berechtigen könnte?" unterbrach ihn Murphy, den Kopf hoch aufrichtend.
"Zu Taten war es wohl die Zeit noch nicht – eben so wenig wie am Keim einer Pflanze gleich die Früchte hängen, obgleich der Erfahrene genau weiss, wie diese einmal aussehen werden," erwiderte Seifert mit demselben Blicke wie zuvor.
"Ich verstehe Sie nicht, Sir."
"Desto besser für Sie, und ich wünsche, dass ich Ihnen den Sinn meiner Worte nicht künftig einmal zu erklären brauche. Halten Sie Ihr Versprechen wegen meines Gewinn-Anteils an dem ganzen Unternehmen später so ehrlich, wie ich meine Zusagen jetzt erfüllen werde, so haben wir Beide nichts zu sorgen."
Damit drehte er sich weg und ergriff die Banknoten, die er langsam und bedächtig durchwählte und dann in seine Geldtasche packte. "Es ist möglich, Sir, dass Sie mich die