danach traf ich einen
Wagen mit ihrem Schwarzen als Kutscher und be
packt mit einigen Kisten, auf welchen ihre schwar
ze Köchin sass. Ein paar Worte, welche ich mit die
ser wechselte, belehrten mich über das, was ge
schah, und von einer Schülerin der Akademie, die
ich später traf, erfuhr ich ohne Mühe, dass Mr.
Helmstedt für vierzehn Tage Urlaub genommen
habe, um eine notwendige Reise nach New-York
zu machen. An dem von ihm bisher bewohnten
haus waren Läden und Türen fest geschlossen.
Ich beruhigte mich dabei nicht, sondern ritt noch
denselben Nachmittag, da mir Gefahr im Verzuge
schien, nach Mortons Farm und liess mich bei Mrs.
Helmstedt anmelden; der Schwarze brachte mir
aber den kurzen Bescheid, dass die Mistress, so
lange sie hier sei, keine Besuche anzunehmen wün
sche.
So steht die Sache im Augenblick und ich fürch
te, dass nur kurze Zeit, nach Ankunft dieses Briefes
der Deutsche Deinen Weg kreuzen wird. Handele
nun, wie es Dir Deine eigene Klugheit eingibt, und
schreibe mir bald; die nächste Postoffice bei Big
Spring kennst Du. Wie immer, Dein
John Nelson."
Seifert faltete den Brief langsam zusammen und sah einen Augenblick nachdenkend vor sich nieder. "Dieser Mr. Nelson," sagte er dann, "scheint selbst verliebt in die junge Frau zu sein und mit seinem grossen Eifer mehr verdorben als genützt zu haben. Zu gleicher Zeit aber muss ich Ihnen gestehen, dass ich persönlich Ursache habe, eine Begegnung mit diesem Mr. Helmstedt, besonders hier in New-York zu vermeiden. Es heisst also vor allen Dingen rasch handeln, und damit ich eine volle Uebersicht des Notwendigen erhalte, lassen Sie uns den allgemeinen Tatbestand recapituliren. – Sie haben in dem Nachlasse des alten Pedlars. welcher in dem haus des Mr. Morton in Alabama starb, die Notiz über einen alten Besitztitel gefunden, von der, wie Sie meinen, Niemand etwas weiss. Wie kamen Sie dazu, und warum glauben Sie, dass Sie der Alleinwissende seien?"
"Das ist einfach," erwiderte Murphy, der stillschweigend die Ueberlegenheit seines Gesellschafters anzuerkennen schien. "Als der Tod des Pedlars, welcher Nachts in seinem Bette an einem Blutsturze starb, entdeckt wurde, blieben seine sämmtlichen Effecten unberührt, wie dies gewöhnlich geschieht, bis der Koroner die Todtenschau vorgenommen hat. Der Koroner aber, nach welchem der alte Morton sandte, war krank und ernannte mich, der ich ein Bekannter von ihm bin und zufällig in der Nähe war, für diesen Fall zu seinem Deputy. So hielt ich denn die Todtenschau ab und fand unter den Papieren in seinem Taschenbuch, auf welche eine Art Testament von ihm hinwies, die Quittung über einen bei Smit und Johnson in New-York deponirten Besitztitel mit genauer Angabe seines Inhalts. Ich habe ziemlich viel in den Besitztitel-Angelegenheiten des nördlichen Teiles unseres Staates gearbeitet und erkannte, sobald ich die Nummer der Landsection und andere Bezeichnungen las, sofort die Wichtigkeit des Papiers für einen Mann, der etwas daraus zu machen weiss, während es in der Hand des Unkundigen vollkommen wertlos war. Ich setzte mich unbemerkt in seinen Besitz und übergab die übrigen Papiere dem Deutschen, Helmstedt, welcher in dem erwähnten Testament als Vollstrecker desselben namhaft gemacht worden war."
Seifert verzog in diesem Augenblick das Gesicht zu einer so ironischen Miene, dass der Redende inne hielt.
"Nun?" fragte er.
"Nichts, gar nichts," erwiderte Seifert, "als dass ich Ihnen wahrhaftig Ihr voriges Compliment, den 'abgefeimtesten Spitzbuben' betreffend, zurückgeben muss. Werden Sie nicht beleidigt dadurch," fuhr er lachend fort, als er in Murphy's Gesicht ein leichtes Rot treten sah, "die Aeusserung war wenigstens nicht s c h l i m m e r gemeint als die Ihrige. Fahren Sie fort."
Murphy warf einen finsteren blick in seines gefährten Gesicht und sah dann zur Erde. "Ich bin zu Ende." sagte er.
Ein Zug von Hohn, der aber schon im nächsten Moment verschwunden war, zuckte um Seiferts Mund. "Ich glaube, Sir," entgegnete er, "es ist jetzt wenig Zeit, den Empfindlichen zu spielen, falls Sie Ihr Unternehmen überhaupt noch verfolgen wollen."
Murphy sah auf und schien einen inneren Widerwillen niederzukämpfen. "Was wollen Sie weiter wissen?" fragte er.
"Die Hauptfrage war also," begann Seifert von Neuem und lehnte sich bequem zurück, "ob der besagte Besitztitel auch wirklich mit allen Rechten auf den alten Pedlar übertragen war, und über diesen Punkt wollten Sie sich hier in New-York Gewissheit verschaffen."
"Ich habe mich bei Smit und Johnson einführen lassen, die überhaupt alle gerichtlichen Angelegenheiten für den Alten versehen zu haben scheinen," berichtete Murphy, vor sich nieder sehend, "und es ist mir nach mancherlei Umwegen, um den Hauptzweck meines Besuches zu verdecken, gelungen, Einsicht in das Document zu erhalten. Das unbeschränkte Eigentumsrecht des Isaak Hirsch daran steht ausser allem Zweifel."
"Schön," nickte Seifert, "es entsteht aber noch die eine Frage, ob der Alte nicht etwa weitere Depositen bei derselben Firma hat, wodurch, wenn auch die Erben keine augenblickliche Kenntniss des vorhandenen Besitztitels haben, sie doch so zeitig davon unterrichtet werden müssten, dass Ihr ganzer Plan, ein Abkommen deshalb mit den Leuten zu treffen und sich selbst den Hauptgewinn