horchte auf. "Hast du gehört?" fragte er nach einer Weile.
"Was soll ich haben gehört?" erwiderte sie, "es war Jemand an der Hintertür."
"An der Hintertür – wer hat etwas zu tun an der Hintertür?" sagte er und horchte noch immer mit gespanntem gesicht.
"Was tust du so ängstlich? wer soll's anders sein, als Einer, der nicht will gehen zum Pfandleiher am hellen Tage durch die Vordertür? Du hattest niemals Angst, Abraham, als du noch liessest deine Hand von verdächtigen Waaren."
In diesem Augenblicke klappte die Tür der Office und Meier's Gesicht verfärbte sich. "Geh hinaus, Rebeckche, tu' mir's zu Liebe und sieh wer da ist," sagte er hastig und leise, "morgen kommt der Meier Friedmann, und dann soll kein Stück Waare mehr sehen den Hinterkeller."
Die Frau ging ruhigen Schrittes nach der Office und Meier hörte, wie sie eins der Fenster des Gitters öffnete.
"Ist der Abraham nicht hier, Ma'am?" klang es in englischer Sprache, "ich komme so eben aus dem Süden, und möchte ihm gern 'guten Tag' sagen."
Meier atmete mit sichtbarer Erleichterung auf, fuhr mit der Hand ordnend durch seine Haare und trat hinaus.
Vor dem Gitter stand ein Mann in elegantem Anzuge, mit dunkelm Schnurrbart und freier Haltung. – Meier's Auge hatte im Nu die ganze Erscheinung überflogen und blieb dann an dem lächelnden gesicht des Eingetretenen hängen. Es war schon Wochen her, dass Niemand mehr durch die Hintertür zu ihm gekommen war; die Weise, sie zu öffnen, war nur Einzelnen seiner vertrauten Kunden bekannt, und von dem gesicht vor ihm kannte Abraham keinen Zug.
"Was steht Ihnen zu Diensten?" fragte er, an das Fenster tretend, während sich seine Frau in das hintere Zimmer zurückzog.
"Hm, kennt Ihr mich nicht mehr, alter Bursche?" erwiderte der Angeredete und reichte ihm die Hand durchs Fenster. "Haben doch schon Manches mit einander zu tun gehabt, wenn auch nur Abends. Mein Name ist Wells, Henry Wells, Sir."
Meier sah dem mann noch einen Augenblick befremdet, aber scharf prüfend ins Gesicht. Dann nahmen seine Züge den Ausdruck der kältesten Höflichkeit an; er bog sich vom Fenster zurück, ohne die dargebotene Hand zu berühren. "Möglich, Sir, dass wir schon ein Geschäft zusammen gemacht haben, ich kann mich Ihrer aber durchaus nicht entsinnen; es gehen vielerlei Art Leute jährlich in meiner Office aus und ein. Was steht zu Ihren Diensten?"
"Well, Sir, Sie müssen mich als alten Bekannten entschuldigen, dass ich, wie früher, den Weg durch die Hintertür genommen habe," erwiderte der Andere, ihm mit ungestörtem Lächeln ins Gesicht sehend; "es war mir gerade bequem. Kann ich nicht ein Viertelstündchen mit Ihnen plaudern, ungestörter als gerade hier in der Office?"
"Ich mache nirgends anders Geschäfte, als in meiner Office," erwiderte Abraham so kalt wie vorher, aber sein Auge begann unruhiger zu werden. "Sagen Sie, was Ihnen zu Diensten steht, ich bin heute sehr beschäftigt!"
Um den Mund des Andern zuckte es wie halber Spott. "Ich bin kein Polizeispion und auch kein ärgerer Spitzbube, als mit denen Sie bereits zu tun gehabt, Mr. Meier," sagte er mit halbgedämpfter stimme, "Sie haben also nichts zu fürchten. In Ihrem Hinterhause ist ein kleines, hübsches Stübchen, in welchem Sie schon oft ganz artige Geschäfte abschlossen – warum wollen Sie also durchaus mit mir nur in Ihrer Office verhandeln? Sie sehen doch nun, dass wir alte Bekannte sind, wenn ich auch gestern erst wieder in New-York angekommen bin?"
Meier's Gesicht wurde blass und sein Auge fixirte von Neuem unsicher den vor ihm Stehenden. "Ich weiss nicht von was Sie reden," sagte er dann, und suchte hörbar seiner stimme Festigkeit zu geben, "und dazu kenne ich Sie durchaus nicht –"
"Tut vorläufig gar nichts, alter Freund," lachte der Fremde, "sagen Sie mir nur, ob Sie eine Viertelstunde mit mir plaudern wollen oder nicht. Wollen Sie mich nicht in Ihr Geheimzimmer führen, so tut's auch Ihr Parlor – unsere Unterhaltung soll ganz unverfänglicher natur sein, das verspreche ich Ihnen. Hoffentlich wird der noble Abraham einen alten Bekannten, der nicht einmal etwas von ihm verlangt, nicht in seiner Office abspeisen, wie etwa einen Menschen, der zum armseligen Pack gehört."
In Meier's Gesicht wechselten Röte und Blässe; er sah bald unentschlossen vor sich nieder, bald in die halbspöttisch lächelnden Züge seines Gegenüber. "Wenn Sie darauf bestehen –" sagte er endlich und schloss langsam, wie noch im halben Kampf mit sich selbst, das Fenster; als er aber die Gittertür öffnen wollte, schien ihn ein neues Bedenken zu ergreifen. "Wenn Sie vorweg die Treppe hinaufspazieren wollen –" sagte er, "ich komme Ihnen auf dem fuss nach."
Der Andere lachte leicht auf. "Ich habe keine Absichten auf Sie, noch auf Ihr Eigentum, Abraham," sagte er und öffnete die Tür nach dem Hausflur, "kommen Sie ruhig hinter Ihrem Gitter hervor." Aber erst als der Fremde die Office verlassen, schloss Meier