berechnet. Wer hat die ganze Speculation aber verdorben, sagen Sie doch, Herr Seifert – wie konnte die ganze schlau eingefädelte Entführung der schwarzen Burschen entdeckt werden, und die Verfolger uns so schnell auf die Fersen bringen, wenn nicht eine ungeheure Dummheit begangen worden wäre? Nur ehrlich, Herr Geifert, wenn wir allein sind – das warm S i e ! Liessen Sie sich nicht ganz verblüffen, als Sie mit dem guten Jungen aus New York hier wieder zusammentrafen? Liessen Sie sich nicht breitschlagen ihm zu verraten, wer Ihr Partner eigentlich war, ohne nur danach zu fragen, w a r u m der das wissen wollte? Beichteten Sie nicht so schön wie ein unschuldiges Mädchen, nur damit er über die New-Yorker geschichte, die ihm Geld und Uhr gekostet, schweigen sollte? Nun, was war die Folge? Der gute Junge, dieser Herr von Helmstedt – ich werde den Namen wohl nicht gleich wieder vergessen – war auf derselben Farm angestellt, wo Ihr Partner den Hausfreund spielte und das schwarze Fleisch entführen wollte – wundern Sie sich nun noch, dass diesem von der Zeit an auf die Finger gesehen ward, dass wir beinahe auf der Tat ertappt wurden und ich nur mit knapper Not die schwarzen Häute in Sicherheit bringen konnte? Ja, und wenn's nur dabei geblieben wäre – nehmen Sie sich eine Lehre daraus, Herr Seifert, was eine einzige Dummheit zuwege bringen kann. Sie haben keine idee von Ihrem Partner wieder zu sehen bekommen, und wenn er den hitzigen Pflanzern, besonders diesem Mr. Elliot, der um seine Schwarzen zu kurz kommen sollte, in die hände gefallen ist, so haben Sie wahrscheinlich sein Leben auf dem Gewissen. D a s wäre indessen noch nicht das Aergste, – haben denn aber die schwarzen Affen Zutrauen fassen wollen, als er ausblieb? Haben sie nicht die Sonne beobachtet und gemerkt, dass ich sie nicht nach dem Osten in die Freiheit, sondern weiter nach dem Südwesten führte, wo sie sich das, was mit ihnen geschehen sollte, von selbst abfingern konnten? Sind sie mir denn nicht während einer schönen Nacht sammt und sonders durchgegangen, und hatten noch dazu im Nachtquartier so verdächtige Aeusserungen fallen lassen, dass ich froh war, die fragen des Wirts mit einem derben Stück Gelde, fast Alles was ich bei mir trug, abschneiden und davon kommen zu können? Habe ich mich nicht, um jeder Gefahr aus dem Wege zu gehen, auf Holz- und Seitenwegen durchschlagen, auf versteckten Farmen übernachten und mit Welschkornbrod und Schweinefleisch füttern lassen müssen, und sitze nun endlich hier am Mississippi, ohne etwas in der tasche zu haben als die Whiskeiflasche von einem der schwarzen Schwerenöter? Well, Herr Seifert, das sind die Folgen einer einzigen Dummheit, Sie werden sich das merken. – Im Uebrigen aber werfen Sie jetzt alle trüben Gedanken aus der Seele – wir werden wieder nach New-York kommen, wo unser eigentlicher Boden ist, und jetzt, wo die erste notwendigkeit ist, trotz unserer leeren tasche eine anständige Passage auf einem Dampfboote zu bekommen, gilt's ein zuversichtliches Gesicht zu zeigen!"
Er richtete sich langsam aus der gebückten Stellung, die er eingenommen, auf, zog von Neuem die Whiskeiflasche aus Licht und liess den Rest davon in den Hals laufen. Dann warf er sie mit kräftigem Schwunge in den Wald hinein.
"Und so sei jede Verbindung mit diesem Süden von mir gestreift," sagte er aufstehend; "wenn wir nur schon das ganze Land mit seinen Niggern und seiner Baumwolle hinter uns hätten!"
Langsam und fortwährend den Fluss beobachtend, schritt er die Strasse nach dem Landungsplatze hinunter; er hatte diese aber kaum zur Hälfte zurückgelegt, als hinter einer der Inseln, welche ihm die freie Aussicht auf den obern teil des Flusses benahmen, ein paar langgezogene Rauchstreifen sichtbar wurden.
"Jetzt" murmelte er vor sich hin, den braunen Schnurrbart streichend und schärfer zugehend, "jetzt bewiesen, dass der Seifert noch der Seifert ist."
In den nächsten zehn Minuten hatte er den Landungsplatz erreicht, wo aufgestapelte Baumwollenballen und einzelne grobgeschnittene Farmergesichter neben halbnackten Schwarzen die Ankunft des Dampfers zu erwarten schienen.
Seifert trat mit nachlässiger Haltung hinzu und beobachtete das herankommende Fahrzeug, bis sich dessen Formen deutlich erkennen liessen.
"Was ist das für ein Boot?" wandte er sich an den Nächststehenden.
"Die 'Fashion', Sir!" war die Antwort.
"Sie wissen vielleicht den Namen des Capitäns?"
"Mr. White, Sir!"
"Richtig, das ist das Boot, welches ich erwarte; danke Ihnen, Sir!"
Das mächtige Fahrzeug trieb langsam herbei, das Seil flog nach dem Ufer, wurde dort aufgefangen und befestigt, die Landungsbrücke fiel, und die Schwarzen begannen die Baumwollenballen hinüberzurollen. Seifert betrat raschen Schrittes das Boot, eilte die Treppe nach dem Salon hinauf und hatte bald die Office aufgefunden.
"Haben Sie nicht einen Brief für Henry Wells?" fragte er den dort arbeitenden Clerk.
"Nicht dass ich wüsste, Sir!"
"Dies ist doch die 'Fashion'?"
"Die 'Fashion', Sir!"
"Dann muss Capitän White den Brief selbst haben. Können Sie mir sagen, wo ich ihn treffe?"
"Er ist im Augenblick nach dem State-Room gegangen; dort finden Sie ihn jedenfalls."
Geifert wandte sich, eine Miene voll besorglicher Erwartung über sein