"Noch immer die alte liebes-Glückseligkeit zu Haus?" fuhr Morton fort, als sein Gast neben ihm sass. "Sie sehen recht wohl aus, und das freut mich."
"Aber Ihr Aussehen will mir nicht gefallen, Mr. Morton," sagte Helmstedt, ohne auf die erste Frage einzugehen, und drückte ihm die Hand; "ich hörte mit Schrecken, dass Sie so krank seien; was machen Sie denn für sonderbare Geschichten?"
"Es geht jetzt schon wieder," entgegnete der Kranke, und strich mit der Hand über das magere Gesicht; "trotzdem freut es mich, dass Sie da sind." Er hob mit sichtlicher Anstrengung den Kopf, um im Zimmer umher zu sehen, und liess ihn, als er keinen Dritten in ihrer Umgebung bemerkte, wieder matt zurückfallen. "rücken Sie näher, Sir," sagte er dann, "ich will Ihnen offen gestehen, dass ich mich keinen Tag sicher fühle, meine Erdenrechnung abschliessen zu müssen." Er winkte mit der Hand, als Helmstedt Miene machte, ihn zu unterbrechen, und fuhr fort: "Was Sie mir sagen wollen, weiss ich; lassen wir aber jetzt alle Redensarten bei Seite; die erkenntnis meines Zustandes, welche mir die letzten Tage nur zu sehr bestätigt haben, stammt nicht von heute, und ich bin vollständig auf das Kommende gefasst. Eins nur bekümmert mich, und dies war die Ursache, dass ich Sie heute, wo ich nicht wusste, wie es mit mir ausgehen würde, zu mir bitten liess." Er hielt eine Weile, wie vom Sprechen erschöpft, inne. "Sie wissen vielleicht," fuhr er dann fort, "dass Mrs. Morton in unserer Nachbarschaft wenig Verbindungen angeknüpft hat, dass meine tätige Teilnahme an Ihrer Verheiratung mit Elliots Tochter uns die umwohnenden Familien ausserdem entfremdete, und dass sich jetzt manche Vorurteile gegen Mrs. Morton richten, da sie ihre Abkunft nicht von einer unserer reichen Familien herleiten kann und obendrein eine Ausländerin ist. Mrs. Morton, die mir in meiner sinkenden Gesundheit mehr war, als die treueste Tochter, hat sich glücklicherweise nicht viel um diese Stimmung in der Nachbarschaft gekümmert, und so hatte ich noch viel weniger Ursache dazu; aber die Zeit kann bald kommen, wo sie allein steht, und wenn ich auch für sie gesorgt habe, so gut ich es gekonnt, so wird sie sich doch nicht sogleich von hier losreissen können und eines Schützers und Veraters notwendiger bedürfen, als jedes Andern; ich aber weiss Niemand, den ich um die Uebernahme einer solchen Verpflichtung gegen sie lieber bitten möchte, als gerade Sie, Sir. Dass Ihnen dabei durch etwaige Vernachlässigung Ihres jetzigen Berufs, wie durch Zeitversäumniss kein pecuniärer Schaden erwachsen soll, dafür habe ich gesorgt; es bleibt nur die Frage, ob Sie mich durch das Versprechen, sich nötigenfalls durch Rat und Tat meiner Frau anzunehmen, beruhigen wollen."
Helmstedt machte sich in diesem Augenblicke keine Gedanken über das verhältnis, in das er treten sollte; er dachte nur an den Zustand des Mannes, der vor ihm sass. "Wenn es Sie beruhigen kann, Mr. Morton," sagte er, "so gebe ich Ihnen gern das Wort eines ehrlichen Mannes, mit allen meinen Kräften Ihren Wunsch zu erfüllen. Sorgen Sie doch aber vorher und zu allererst für sich selber; geben Sie sich nicht so willenlos Ihrer Krankheit hin, und Sie werden sie gewiss besiegen. Gehen Sie weg von hier, wo vielleicht traurige Erinnerungen ein Aufraffen Ihrer selbst erschweren, machen Sie einen Ausflug nach dem Osten."
Morton lächelte, wie man über einen gut gemeinten, aber nutzlosen Vorschlag lächelt. "Ich werde es tun, lieber Freund, sobald ich nur wieder Kräfte genug gesammelt habe," sagte er; "ich habe dasselbe schon Mrs. Morton versprechen müssen. Sollte ich aber zufälligerweise nicht dazu kommen, so habe ich Ihre Zusage." Er drückte eine Weile, wie um auszuruhen, die Hand vor die Augen. "sonderbar," sagte er dann, "Sie sollten sich eigentlich vor der Uebernahme von Vormundschaften in Acht nehmen, Sir, Sie bekommen sonst den ganzen Hals voll – das ist jetzt in wenig Monaten schon die zweie; erst der Schwestersohn des Pedlars, – aber gut, dass ich daran denke, wie steht es denn eigentlich damit, haben Sie schon etwas in der Sache getan?"
"Ich bin so weit," erwiderte Helmstedt, "dass ich beabsichtige nach New-York zu gehen, so bald ich es ermöglichen kann, um die ganze Angelegenheit ein für allemal zu ordnen."
Morton sah langsam auf. "Fehlt's an etwas?" fragte er, "ich habe manchmal in den letzten Tagen daran denken müssen, wie der alte Bursche Isaac hier im haus starb, und zugleich an sein Vertrauen zu Ihnen, und sollte ich etwas helfen können, damit Sie seinen letzten Willen recht ausführen, so sagen Sie es."
Helmstedt rieb sich die Stirn. Alles, was ihn bedrängte, trat in diesem Augenblick wie zu einem Bilde vereinigt vor ihn. "Es ist nicht m e i n Interesse, um das es sich handelt," sagte er nach einer kurzen Weile aufsehend, "und darum kann ich Ihnen meine Verlegenheit ohne Rückhalt gestehen. Gehe ich Wochenlang, vielleicht noch länger nach New-York, so muss ich meine Frau ohne Rat und