, wenn du nicht fest und dicht zu deinem mann hieltest, damit sich nichts, und wäre es dein eigener Vater, zwischen uns drängen kann?"
"Aber ich liebe doch meinen Vater, und er liebt mich – du weisst das!" sagte die junge Frau, den Kopf hebend und den Oberkörper zurückbeugend, dass Helmstedts Hand von ihrer Schulter glitt; "ich habe nie einen andern Gedanken gehabt, als dass ich ihn bald wieder aussöhnen würde. Soll ich denn jedes Wort zurückstossen, das mir vielleicht von ihm hinterbracht wird? soll ich denn gegen Leute, die freundlich mit mir sind, ohne Grund und Ursache barsch sein? Du bist gereizt, und das macht dich ungerecht, auch ungerecht gegen mich!"
Helmstedt wurde blass. "Wir verstehen uns nicht, Ellen, und das ist traurig," sagte er nach einer kurzen Weile – "vielleicht begreifst du erst den Sinn meiner Worte, wenn du aufs Neue zu wählen haben wirst zwischen mir und deinem Vater, wenn dir unser kurzes Liebesglück als blosse jugendliche Torheit vorgestellt, wenn dir vielleicht ein Ersatz für mich geboten werden wird, der kein Opfer von dir verlangt."
"August, und dies Alles um die eine Spazierfahrt?"
"Wir verstehen uns eben nicht, Ellen!" sagte er mit einem halben Seufzer und schritt mit gesenktem kopf langsam nach der Tür. Sie sah ihm nach, in ihrem gesicht zuckte es, als wolle sie ihn zurückrufen – aber sie schwieg, und als die Tür hinter ihm zufiel, sank sie in den Schaukelstuhl, drückte ihr Taschentuch vor die Augen und brach in ein kurzes Schluchzen aus. Bald aber, als bemächtigte sich ihrer ein anderer Gedanke, blickte sie wieder in das Feuer, erhob sich dann rasch und trat, die Vorhänge halb zurückschlagend, ans Fenster. Die Strasse lag nur noch in der letzten Abendbeleuchtung vor ihr – eben wollte sie sich wieder wegwenden, da schritt ein elegant gekleideter junger Mann die Strasse herab, sah nach ihrem Fenster und grüsste tief – es war ihr Begleiter vom Nachmittag. Sie errötete, liess die Vorhänge fallen, und trat vor sich hinsinnend zurück nach dem Feuer.
Helmstedt war in das neben dem Parlor befindliche Speisezimmer getreten. Dort war es kalt und unwirtlich; kein Feuer brannte im Kamin, noch liessen sich irgendwie Vorbereitungen für den Abendtisch sehen. Helmstedt sah nach seiner Uhr – es war eine halbe Stunde über sechs. Er schloss die Tür wieder und ging nach dem umzäunten platz hinter dem haus; dort stand ein Schwarzer und tränkte zwei Pferde.
"Hast du Sarah nicht gesehen?" fragte Helmstedt.
"Dort kommt sie hergesaust, Sir!" erwiderte dieser lachend und zeigte nach dem Gittertor, wo eben eine zierliche weibliche Gestalt hereinschlüpfte, die ihrem modernen Putz und den graziösen Bewegungen nach, ohne das schwarze Gesicht, für eine der fashionablen Ladies der Stadt hätte gehalten werden können.
"Haben wir kein Abendbrod heute?" fragte Helmstedt, als sie herankam.
"Mistress war den Nachmittag ausgefahren und brauchte mich nicht, Sir," erwiderte sie, den Hut eilig aufbindend und vom kopf nehmend, "und ich vergesse so oft, dass ich jetzt auch die Köchin machen muss, dass ich mich bei meinem Ausgange verspätete."
"Warte einen Augenblick, Sarah," sagte Helmstedt. "Bei aller Freiheit, die ich dir gern lasse, mag ich doch nicht darunter leiden. Mit der allzufaulen Zeit als Kammermädchen, weisst du, ist es aus; entweder tust du deine Pflicht und wir bleiben gute Freunde, oder du zwingst mich, dich irgendwo hinzugeben, wo sie nicht so viel Nachsicht mit dir haben möchten. Ich habe schon einige Male in ruhiger Ermahnung zu dir gesprochen, – jetzt werde ich nicht viel mehr reden. Sage Mrs. Helmstedt, dass ich in einer Stunde zum Abendessen wieder zurück sein werde l" Er schritt durch das Gittertor der Umzäunung in das offene Feld hinaus.
"Hat's einmal etwas abgesetzt?" kicherte der Schwarze, den Kopf halb nach dem Mädchen kehrend.
"Pschah!" sagte diese, und zog die Oberlippe in die Höhe, "er hat eigentlich gar kein Recht, mir etwas zu sagen, ich gehöre der Mistress an und nicht ihm!"
Sie verschwand in der Küche, und bald wurde ein Geräusch laut, als würden Tiegel und Pfannen kopfüber, kopfunter durcheinander geworfen.
Die junge Frau im Parlor hatte sich nach einer Weile, wie sich zusammenraffend, in die Höhe gerichtet und trat in das anstossende Speisezimmer. Sie sah hier um sich und schritt dann nach der Küche, wo bereits ein prasselndes Feuer im Kochofen brannte. "Es ist wohl schon spät, Sarah," sagte sie zu der eifrig wirtschaftenden Schwarzen, "mache Feuer im Esszimmer und brenne das Licht an; Mr. Helmstedt wird gewiss schon auf das Abendbrob gewartet haben."
Die Schwarze erwiderte nichts, setzte aber den Teekessel, welchen sie in der Hand hielt, auf den Tisch, als wolle sie ein Loch hineinschlagen, und schoss zur Tür hinaus. Bald hörte man sie unter dem gespaltenen Holze im hof rasseln, wieder zur Hintertür hereinkommen und das Holz auf die Steine vor dem Kamin im Speisezimmer werfen. Die Hausherrin war langsam zurückgegangen. "Wieder etwas in deinen Kopf gefahren, Sarah?" sagte sie, mit einem zerstreuten Lächeln den Kopf nach der Schwarzen wendend.
"Nichts Besonderes, Ma'am!