der jungen Frau bildete und sie Miene machte, sich zu erheben – "du weisst, unter welchen Verhältnissen du mein geworden bist, weisst, dass wir durch unsere Verheiratung wider deiner Eltern Willen dem ganzen Stolze deiner reichen Verwandten und Bekannten ins Gesicht geschlagen haben und dass dies auf die sämmtlichen Familien des County zurückgewirkt hat – weisst, dass sogar unser Beschützer Mr. Morton, dem wir allein unser jetziges Glück zu verdanken haben, darunter zu leiden hat, und dass es ihm jetzt doppelt angerechnet wird, eine junge Deutsche, unsere Pauline, geheiratet und in die hiesige Gesellschaft eingeführt zu haben, von der Niemand unter allen den reichen Leuten weiss, wer sie ist, noch aus welchen Verhältnissen sie stammt. Ich hatte mir vorgenommen, sobald ich diese Verhältnisse erkannte, dem Pflanzerstolze dieser Menschen hier genug zu tun und deinen Vater mit der Zeit zu versöhnen; ich wollte ihnen zeigen, dass sie mich und meine Fähigkeiten brauchen, aber ich nicht sie; wollte mich nirgends in ihre Gesellschaft eindrängen, aber mir ihre achtung durch mein Leben und meine Leistungen erzwingen; ich glaubte, Ellen, du würdest mir darin beistehen; der Mut, den du entwickeltest, als es unsere Vereinigung galt, würde sich auch bewähren, wenn es heissen würde, durch uns selbst und nicht durch deines Vaters Einfluss oder Geld eine Stellung zu erringen; wir versuchten es nirgends seit ich meine jetzige Stellung in der Akademie erhielt, uns an die hiesigen Privatfamilien enger anzuschliessen, wir ersparten uns jede Demütigung, ich fühlte schon, dass ich gerade dadurch anfing, eine Art Boden unter mir zu gewinnen – und nun fährst du einen ganzen Nachmittag mit einem mann spazieren, den du kaum zweimal gesehen hast, obgleich du wusstest, wie wenig ich gerade dies wünschte – nur weil du dich langweiltest!"
"Aber was ist denn Böses darin, was schadet es denn deinen Plänen? ich k o n n t e die Einladung nicht gut ausschlagen, August!" sagte sie, sich langsam erhebend und den Kopf an das Kaminsims lehnend; "ich mache mir nichts aus dem mann, aber er gehört zu den besten Familien des andern County's – ich weiss von Pauline und von dir, dass es für Frauen nicht Sitte in eurem land ist, allein mit einem andern mann einen Ausflug zu machen – es ist hier, wo wir leben, anders, das weisst du doch, August; und ausserdem – er hat meinen Vater gesprochen, vielleicht gelingt mir eine Aussöhnung mit ihm, zeitiger als wir Beide denken."
Der junge Mann erhob sich rasch vom Schaukelstuhle und legte die Hand leicht auf die Schulter seiner Gefährtin. "Ellen," sagte er, und ein tiefes Gefühl zitterte in seiner stimme, "weisst du, als du zu mir kamst und sprachst: Hier bin ich! als ich dich in meine arme nahm und dir sagte, dass ich noch kein Dach für uns Beide hätte, als du mutig versprachst, fest an mir zu halten und ich still die Verantwortung auf mich nahm, dich als ein teueres Kleinod zu erhalten und zu bewahren – damals wusste ich, dass die Prüfungsstunden für uns Beide noch kommen würden – nicht die durch Not, dagegen war ja gesorgt; aber ich sah voraus, was sich bei der verschiedenen Stellung von uns Beiden noch zwischen uns drängen werde. Sieh, Ellen, es ist leichter, durch Ereignisse gedrängt und in der frischen Aufregung des Gefühls den gewagtesten Schritt zu tun, und alle Folgen auf sich zu nehmen, als im ruhigen gang der Verhältnisse sich freiwillig und consequent einer Unannehmlichkeit zu unterziehen –"
"Aber, lieber Himmel, was hat denn das Alles mit meiner unschuldigen Spazierfahrt zu tun?" rief sie, den Kopf erhebend, mit einem Beben in der stimme, als sei ihr das Weinen nahe.
"Ich wollte, du fühltest es, Ellen, dann wäre ich deiner sicherer!" erwiderte er. "Dieser Mr. Nelson hat deine Bekanntschaft gesucht, nicht als meine Frau, nicht als Mrs. Helmstedt; er hat zu dir gesprochen, hat dir Aufmerksamkeiten erwiesen, einzig als die Tochter deines Vaters. Seit ich seinen Freund Murphy mit dessen laxen Rechtsansichten bei Seite liess, habe ich für diesen Mr. Nelson nicht mehr existirt. Er hat zu dir gesprochen, ohne es nur der Mühe wert zu finden, mich zu begrüssen, er hat sein Recht dazu ganz unverblümt aus seiner Bekanntschaft mit deinem Vater hergeleitet. – D i c h mochte seine ganze Art und Weise kaum berührt haben, und wenn es mich auch schmerzte, dass dem so war, so hütete ich mich doch, ein Wort darüber fallen zu lassen; ich meinte immer, dein eigenes feineres Gefühl müsse dir allein den rechten Weg zeigen – m i r aber war's dabei, als würde die erste Sonde angesetzt, um zu untersuchen, wie stark des Band sei, das uns zusammenhält. Ich konnte dich nur bitten, den beiden Menschen keine Ermutigung zu geben – fühlst du denn nun, Ellen, was es für mich heisst, wenn du mit dem Einen trotz meiner Bitte einen ganzen Nachmittag allein herumfährst und zu deiner Rechtfertigung sagst, er habe von deinem Vater mit dir gesprochen; wenn du Langeweile und dein Amüsement vorschützest, wo es sich bei uns, wenn wir uns s e l b s t eine Stellung erringen wollen, noch um ernste Kämpfe handelt, in denen mein Arm erlahmen müsste