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. "Ich selbst kenne New-York zu wenig, um die Wege zu wissen, wie man einen Menschen unsichtbar machen, vielleicht nach einer fremden Himmelsgegend auf Nimmerwiederkommen schicken kann –" er hielt wieder inne und Seifert nickte – "das sollte eben ein teil Ihres Anteils an der Arbeit werden."

Seifert rieb sich die Stirn und Augen. "Und dann?" fragte er.

"Well," war die Antwort, "die ganze Familie sind Juden und es dürfte mir wohl leicht werden, mit dem nächsten majorennen Erben, einen Vertrag, wie ich ihn wünsche, abzuschliessen, der ihm einen Gewinn in Aussicht stellt, von dem er nichts gewusst, und dessen Erkämpfung ihn nichts lostet."

Seifert sah eine Weile vor sich nieder. "Gegen den Plan selbst," sagte er endlich, "liesse sich kaum etwas einwenden, so weit es meine Beteiligung betrifft; über einige andere Punkte aber sprechen wir später. Die Reise ist lang genug dafür, und ich glaube, wir tun jetzt besser, abzubrechen, wir bekommen zu viel Ohren in die Nähe" Er erhob sich nachlässig – "nehmen wir einen Schluck, Sir?"

II.

Die Dämmerung hatte sich bereits über eins der nördlichen Countystädtchen Alabama's gesenkt, da schritt in einem nur von dem Feuerschein aus dem Kamin erleuchteten Zimmer ein junger Mann gedankenvoll auf und ab. Dann und wann hielt er horchend an, wenn sich in der Ferne das Rollen eines Wagens vernehmen liess, um aber bald wieder, wie getäuscht, seinen gang von Neuem aufzunehmen. Nach einer Weile trat er zum Fenster, schlug die dicken damastenen Vorhänge zurück und legte die Stirn gegen das Glas. Mehrere Minuten mochte er so verbracht haben, als wieder das Geräusch eines Wagens hörbar wurde und ihn aus seinem Sinnen aufstörte. Ein Cabriolet, eleganter und moderner gebaut, als es in diesen Hinterwaldstälern trotz des Reichtums der Pflanzer gebräuchlich war, fuhr so eben an der Haustür vor; ein junger Mann, dessen Rock- und Hosenschnitt man es auf den ersten blick ansah, dass seine Heimat im Osten war, sprang heraus und bot einer neben ihm sitzenden Dame die Hand, an welcher sich diese leicht zur Erde schwang. Ein ehrerbietiger Gruss Seitens des Mannes, ein paar mit einem heitern Lächeln begleitete Worte der Dame, und er sass wieder im Wagen, während sie in das Haus trat.

Der Mann im Zimmer war vom Fenster zurückgetreten und hatte sich, die Hand vor die Augen gedrückt, in den Schaukelstuhl neben dem Kaminfeuer geworfendie junge Frau, welche eben den Wagen verlassen, trat ein, legte, mit einem schnellen blick über das Zimmer, ihren Hut auf einen Seitentisch und eilte dem im Schaukelstuhl Sitzenden zu.

"Guten Abend, August!" sagte sie, und zog ihm die Hand vom gesicht. Ein ernster, stiller blick traf den ihrigen. "Bist du ein Brummbär?" fuhr sie fort, und es lag ein seltener Reiz von Süsse und neckischer Laune in ihrer stimme.

Der junge Mann setzte sich aufrecht. "Wo bist du denn gewesen, Ellen?"

"Himmel! warum denn so ein Gesicht bei der Frage, August?" rief sie und nahm seine beiden hände in die ihren. "Mr. Nelson hat gestern sein neues Buggy bekommen und lud mich ein, es auf der ersten Spazierfahrt zu versuchendu warst doch den ganzen Tag in der Akademie, als dass ich dir erst hätte etwas davon sagen können!"

"Du weisst, Kind, dass ich dich bat, weder diesem Mr. Nelson noch seinem Freunde Murphy eine Ermutigung zu geben, unser Haus zu besuchen; ich traue ihnen Beiden nicht, wenn ich auch noch keine bestimmten Gründe für das Gefühl angeben kann, – und nun fährst du einen halben Nachmittag mit dem Einen spazieren. Ich bin schon länger als zwei Stunden zu Haus und hatte mir vorgenommen, so Vieles mit dir durchzusprechen."

"Und ist denn dazu nicht jetzt noch Zeit? Nicht wahr, du bist vernünftig, August?" fuhr sie fort und kniete an seiner Seite auf den Teppich nieder, ihre arme auf seine Knie legend. Der Schein des Feuers beleuchtete ihr feines und doch so frisches Gesicht, sie war bildschön in diesem Momente und ihr dunkles Auge sah mit einem Blicke zu ihm auf, als wisse sie, dass sie ihres Eindrucks sicher sei. "Was hätte ich denn tun sollen? Ich sass hier und langweilte michvielleicht hätte ich Mortons besuchen können, um die Zeit hinzubringen; aber es ist ziemlich weit bis dahin, und Pauline ist seit wir verheiratet sind so still und kaum mehr die alte; es ist ein trauriges los, das sie hat, seit ihr alter Mann so kränklich istda meldete Sarah den Mr. Nelsonsollte ich ihn denn ohne Grund fortschicken? Er hatte mich schon am Fenster gesehen, er wusste, dass du vor Abend nicht nach haus kommen würdest; welche Ursache hätte ich denn angeben sollen, um sein Anerbieten abzuweisen? Und ich habe mich wirklich amüsirt bei der Fahrt, Augustnicht wahr, du zeigst mir jetzt ein anderes Gesicht?"

"War es denn nicht Grund genug, dass du wusstest, du würdest mich betrübenoder hättest du wirklich keine Ausflucht finden können, um das Anerbieten des Mannes abzulehnen? Höre mich, Kind," fuhr er fort, als sich eine Wolke auf der Stirn