"
Helmstedt teilte ihm in kurzen Worten mit, was sich zwischen Ellen und ihrem Vater zugetragen und gab ihm deren Ideen und Hoffnungen für seine Zukunft. Morton hatte, ohne ihn mit einem Worte zu unterbrechen, zugehört. "Well, Sir," erwiderte er dann, "ich will Ihnen zweierlei sagen. Das Kind ist klüger als wir Alle zusammen, das mag aber ihre Liebe tun, die ihr die Augen geschärft hat. Sagen Sie, Sie wollen Pianolehrer werden, so will ich Ihnen mit irgend einer Summe Ihren Erfolg garantiren – dumm genug, dass wir nicht selbst darauf gekommen sind, da doch in unserem ganzen Süden nichts mehr gesucht ist, als Männer mit solchen Kenntnissen. Morgen, wenn Sie wollen, will ich mit Ihnen nach beiden Akademien gehen, Sie können ein Wohltäter für die meisten Familien in unserer ganzen Gegend werden, die jetzt das teuere Geld für ihre Töchter nach dem Osten schicken. Wollen Sie aber unter allen Umständen Glück machen, Sir, so müssen Sie eine Frau haben; die meisten der jungen Ladies, die Ihnen anvertraut werden sollen, sind zwar in vieler Beziehung noch Kinder, aber doch oft sechzehn, siebzehn Jahre alt – und darum sage ich Ihnen zweitens, gehen Sie vom platz weg mit Ellen zum Friedensrichter; ich werde dafür sorgen, dass Ihnen kein Hinderniss dort in den Weg tritt – das gibt erstens ein Punktum als Schluss zu Ihrem Prozesse, der Ihnen das volle Vertrauen und die allgemeine Teilnahme sichert; zweitens aber wissen Sie nicht, was Elliot tun mag, wenn er Mittags nach Haus kommt und sein Mädchen ausgeflogen findet – er mag vielleicht nicht an die Energie des Kindes geglaubt haben – und, Sir, aufrichtig gesprochen, Sie sind es Ellen schuldig! Wollen Sie zu ihrem Vater gehen, wie Sie gestern Abend meinten, so gehen Sie wenn nichts mehr zu ändern ist!"
Helmstedt stand langsam von seinem stuhl auf, das Blut war ihm hell ins Gesicht gestiegen. "Raten Sie mir den Schritt an, Mr. Morton, als Mann, der die Verhältnisse hier kennt, der weiss, was Ehre verlangt," sagte er, "würden Sie ihn selbst verzeihlich finden, wenn Sie als Vater dabei beteiligt wären?"
"Ich rate Ihnen dazu als ehrlicher Mann," war die ernste Antwort, "der mit unparteiischerem Auge die Sachen ansieht, als es ein Vater könnte – rate es Ihnen Ihres eigenen und des Mädchens Besten wegen, die Ihnen ihren Ruf geopfert hat, den Sie ihr wiederherstellen müssten, wenn Sie auch nicht einmal an ihr übriges Glück denken wollten –"
"Es ist genug, Mr. Morton, ich danke Ihnen," unterbrach ihn Helmstedt, seine Hand ergreifend, und atmete auf, wie nach dem Abwerfen, einer Bürde, "geben Sie mir die nötigsten Anweisungen über wo und wie, und wenn Ellen bereit ist, so tue ich jetzt sogleich die nötigen Schritte. Wenn wir aber zurückkommen, muss ich Sie dann um Obdach für uns bitten, bis meine übrigen Verhältnisse geordnet sind."
"Well, Sir, das ist doch endlich ein vernünftiges Wort," sagte Morton, seine Hand schüttelnd "Ich schreibe ein paar Zeilen an einen Freund von mir der Friedensrichter ist und keine Umstände mit Ihnen machen wird, und schicke, um jede Zögerung zu vermeiden, den Cäsar damit nach der Stadt voraus – in einer halben Stunde sollen Sie die kleine zweisitzige Kutsche haben und dann gehen Sie los. Jetzt lassen Sie aber unser Kind nicht länger warten."
Helmstedt verliess mit Morton, der nach der Hintertür des Hauses ging, das Zimmer zu gleicher Zeit; als er aber am Eingange zum Parlor angelangt war, blieb er stehen und drückte die Hand gegen die Stirn, er fühlte sich wie im Traume. Durch die Tür klang Ellens stimme, derselbe klare, weiche Ton, der ihm tages zuvor im Gerichtssaale wie Rettung ins Ohr geklungen – "ich komme, ich folge deinem Sterne, wohin er auch führen mag!" sagte er halblaut und öffnete die Tür.
Im Divan, nahe dem Fenster, sass Ellen, den Kopf in die Hand gestützt, und ein leichtes Rot schoss in ihr bleiches Gesicht, als der junge Mann eintrat. An einem Seitentische stand Pauline und schien in den dort liegenden Büchern zu blättern, aber Helmstedt bemerkte sie nicht. Er ging auf das Mädchen los und kniete schweigend vor ihr nieder. "Willst du mich denn annehmen, wie ich bin?" sagte er, "willst du dich denn an mich ketten und mit mir tragen, was da kommt, Leid und Freude, Sonnenschein und Sturm?" Sie bog sich nieder zu ihm, umschlang seinen Nacken und legte den Kopf gegen den seinigen. "Warum fragst du denn noch, August? Habe ich dir denn nicht gesagt, dass ich nicht wider von dir gehe?"
Die Tür klappte leise, Pauline hatte das Zimmer verlassen, aber die beiden Glücklichen hörten es nicht. – –
Die kurze Abenddämmerung desselben Tages ging bereits in Dunkelheit über, als Helmstedt, aus der Stadt zurückkehrend, das Gattertor an Mortons Besitzung öffnete und bei dem haus wieder vorfuhr. Morton schien nach den Ankommenden ausgesehen zu haben und trat in den Portico heraus, eben als Helmstedt die weibliche Gestalt, die den Sitz mit ihm geteilt, aus den Wagen hob. "Alles in Ordnung?" fragte der alte Pflanzer. "Da ist meine Frau!"