1859_Rupius_160_87.txt

" fuhr sie fort, an seiner Seite niederknieend und den Ellenbogen auf sein Knie stützend – "ich wusste, was mein Vater meinte, als er sagte: 'nimm die Folgen,' aber ich wusste auch besser, als er, was er an dir verloren, und der Folgen wegen störte, kein einziger böser Gedanke meinen Schlaf. Ich will gar, nicht davon reden, dass du eben so bald eine Stellung als Haupt-Clerk oder Buchhalter bekommen könntest, wie viele Andere, die verheiratet sindaber du spielst ja gut Piano, du sprichst französisch, und die Familien in der ganzen Umgegend, die ihre Töchter nicht zur Erziehung weit fortgeben wollen, greifen mit beiden Händen nach einem Lehrer in den Branchen, wenn sie ihn nur haben können. Sage ein Wort und du hast mehr Schülerinnen, als du brauchen kannst, und verdienst so viel Geld, als du nur selbst willst. Und wolltest du nichts mit Privatfamilien zu tun haben, so gibt es zwei Akademien in der Nähe der Stadtich kenne sie und auch die Not um Musik und Sprachen darin, welche die besten Schülerinnen von dort weg und nach dem Osten treibtbis jetzt haben selbst glänzende Anerbietungen, wie es heisst, keinen guten Lehrer nach unsern Hinterwaldtälern locken können. Wolle nur, August, und du hast eine Stellung, in welcher jedes Mädchen stolz darauf sein kann, deine Frau zu heissen," fuhr sie fort und sprang auf, "du bist so reich und weisst es selbst nicht."

Helmstedt sah in ihr erregtes Gesicht, das von Verstand durchstrahlt in diesem Augenblicke schöner war als je und zog sie wieder auf sein Knie. "Ich bin so reich und weiss es selbst nicht!" sagte er, sie anblikkend, als wolle er sich ganz in ihr Auschauen versenken, bis sie ihm mit beiden Händen die Augen zuhielt. "So habe ich es nicht gemeint und du weisst es!" rief sie, "gibt es aber jetzt noch immer Rätsel für dich?"

Er nahm ihre hände in die seinen und sagte, ernst werdend: "Betrügst du dich denn nicht vielleicht selbst mit glänzenderen Hoffnungen, als sie sich verwirklichen können? Ich habe gestern Abend mit Mortons über meine Zukunft Rat gepflogen und Niemand wusste wirklichen Rat –"

"Weil Mr. Morton ein alter Mann ist und Pauline die Gesellschaft hier noch zu wenig kennt," unterbrach sie ihn, "und doch wird selbst der alte Herr mir Recht geben, sobald ihm nur der Gedanke vor die Augen gebracht wird. Verlangst du denn noch eine grössere Sicherheit, als dass ich alles Elend, was daraus entspringen mag, mit dir tragen will? Entscheide dich nur, ob du hier auf dem land bleiben oder in die Stadt gehen willst, und es wird wenig Worte kosten, um deine ganze Stellung geordnet zu haben."

Helmstedt sah einen Augenblick nachdenkend vor sich nieder. "Lass uns mit Mr. Morton reden," sagte er dann, "ich werde ihn jedenfalls bedürfen, um mir an den nötigen Orten den ersten Eintritt zu verschaffen. Wenn er aber mit dir in der Ansicht der Dinge übereinstimmt," fuhr er dann fort, "dann, meine Ellen, gehe ich zur Mittagszeit nach Oaklea zu deinem Vaterich will nichts verstohlen tun, ich will mich ihm gegenüberstellen wie der Mann dem mann."

Die Röte der Erregung wich aus Ellens Wangen, sie erhob sich. "Tue es, ich will stolz darauf sein," sagte sie, "aber denke daran, dass mein Vater Gewalt über mich hat, so lange ich nicht durch das Gesetz dein bin, und dass, wenn er mich auch jetzt wie ein trotziges Kind hat gehen lassen, sich doch der Sinn der Menschen ändert, wie sich der Wind dreht!"

Helmstedt sah rasch auf in ihr dunkles, ernst gewordenes Auge und es überkam ihn, als stände er vor dem Scheidepunkte seines ganzen künftigen Lebens. Er drückte einen Moment die Hand vor die Stirn. "Lass uns mit Mortons reden," sagte er aufspringend, "und dann mag uns das Schicksal führen, wie es will!" Er nahm sie in seine arme, sah ihr in die Augen und küsste sie, küsste sie zum zweiten Malees war ihm, als wisse er nicht, sei es der Brautkuss, oder der letzte Kuss vor der Trennung. "Komm!" sagte er dann und führte sie nach dem Parlor.

Im Fenster stand Pauline, die sich bei ihrem Eintritte herumdrehte und sie mit einem stillen Lächeln empfingaber ihre Augen schienen verweint, und jetzt ging es durch Helmstedts Kopf, ein fremdartiges Gefühl in ihm erregend, dass sie ihn doch zu Ellen geführt und er nicht einmal wusste, zu welcher Zeit sie das Zimmer wieder verlassen hatte. Aber es blieb ihm nicht lange Zeit, seinen Erinnerungen nachzuhängen, denn von einem Divan, nahe dem Feuer erhob sich Morton und schritt auf sie mit der Frage zu, wie weit sie mit einander gekommen seien.

"Ich möchte mit Ihnen ein paar Minuten beratschlagen, vielleicht auch Ihre Hilfe erbitten," sagte der junge Mann, "lassen wir die Ladies so lange allein!"

Morton nickte schweigend, fasste ihn beim arme und führte ihn zur Tür hinaus nach einem Hinterzimmer. Hier "setzen Sie sich!" sagte er, auf einen Armstuhl deutend, "und nun machen Sie Ihr Herz frei!