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ohne aufzublikken, "sehen Sie zu, dass Sie vor Ellen bestehen, dann will ich gern nichts weiter sagen." –

Helmstedt lag in seinem Bette, aber wie Morton es vorausgesagt, ohne zu schlafen. Er überlegte sein morgendes Auftreten bei Elliot, er sann darüber nach, was er ihm sagen wollte, er arbeitete eine grosse Rede aus und als ein Anflug von Schlaf ihm unbewusst die Augen schloss, arbeitete er im Traume weiter, quälte sich mit den Gedanken herum, für die er den Ausdruck nicht finden konnte, bis er, geängstigt und aufgeregt, wieder erwachte. Er warf sich auf die andere Seite und suchte Ruhe zu gewinnenaber sein Gehirn arbeitete, ohne seinem Willen zu gehorchen. Wenn Elliot ihm kalt die tür wies oder ihn gar nicht vor sich liess, welchen Weg sollte er dann einschlagen? Er mochte es sich selbst nicht gestehen, aber er fühlte, dass sich sein ganzer Stolz dagegen empört hatte, "seine Frau" in eine Stellung zu bringen, in welcher er von Paulinens Mann abhinges lag, wenn er an seine erste Begegnung mit dieser in NewYork und an die Art, wie er sie von sich gewiesen, dachte, eine ganze Welt von Demütigung für ihn in dem Gedanken. Wo war aber ein anderer Weg für ihn, wenn er nicht Ellen jetzt und vielleicht für immer aufgeben sollte? In fieberhafter Aufregung sprang er auf und mass die stube mit grossen Schritten, aber die fühlbare Kälte trieb ihn wieder ins Bett zurück.

"So werde ich wahnsinnig," sagte er sich aufrecht setzend. "Ruhe, August; den Weg gerade und offen zum Alten musst du tun; was daraus entsteht, liegt in der Hand des Schicksals, mag es waltenes ist Torheit, sich im Voraus darüber den Kopf zu verdrehen. Jedenfalls werde ich morgen Ellen sehen, auf die eine oder die andere Weise, und was dann wirddas überlasse dem Morgen. Jetzt schlafe, August!" Er legte sich zurück, er dachte an Ellen, der ganze kurze Roman seiner Liebe zog in einzelnen Bildern an ihm vorüber und spann sich bald in ruhige rosige Träume hinüber.

Vierzehntes Kapitel.

Die Entscheidung.

Der Morgen war bei Helmstedts Erwachen weiter vorgerückt, als es ihm lieb war. Er hatte gehofft, schon gleich nach dem Frühstück in Oaklea sein zu können und jetzt konnte er Gefahr laufen, Elliot nicht mehr zu treffen. Sein Zimmer war wohltuend durchwärmt und er warf sich rasch in die Kleider. Als er die Treppe hinabstieg, sah er die junge Hausherrin bereits fertig angezogen durch die "Halle" gehen, aber bei dem Klange seiner Tritte stehen bleiben und ihn erwarten. Mit einem gesicht, dessen strahlender Ausdruck ihn lebhaft an das erste Zusammentreffen mit ihr in NewYork erinnerte, fasste sie seinen Arm und führte ihn mit einem: "Kommen Sie, August!" nach einem der hinteren Zimmer. Die Tür öffnete sich und von einem stuhl am Kamin erhob sich eine schlanke Gestalt in blauem Reitkleide. Helmstedt sah in ein bleiches Gesicht, das sich soeben zu einem sonnigen Lächeln verklärte, sah in zwei grosse dunkle Augen, die ihm wie in der vollen Befriedigung des Herzens entgegenblickten. – "Ellen!" rief er und sie kam ihm, beide arme ausgestreckt, entgegen. "Da bin ich, August!" sagte sie und blieb, seine hände fassend, mit einem Blicke der vollen Hingebung vor ihm stehen, "du sagtest, du wolltest mich erringen, jetzt habe ich dich erringen müssen undich gehe nun nicht wieder von dir!" schloss sie, während sie die überquellenden Augen auf seine Schulter legte. Er hatte sie umschlungen, er hatte seinen Mund auf ihren Nacken gedrückt und in der überwallenden Empfindung alle Besorgnisse und Bedenklichkeiten, die ihn gequält, vergessen, und als sie das nasse Gesicht lächelnd wieder zu ihm erhob, da fühlte er, dass ihm diesem gegenüber jede Kraft zum Widerstande fehlte. Er führte sie nach dem von ihr verlassenen stuhl, zog sie dort auf sein Knie und sah ihr eine Minute schweigend in die feuchten Augen, – eine Minute voller ungetrübter Seligkeit. "Und du sagst, nun willst du nicht wieder von mir gehen?" Sie schüttelte mit einem Lächeln voll Glück den Kopf. "Und was sagt dein Vater, Ellen?" Einen Augenblick nur zog es wie eine leichte Wolke über ihr Gesicht, dann lehnte sie wie in der Nacht, in der sie sich Beide gefunden, ihre Stirne gegen die seine und legte ihre arme um seinen Hals. "Du musst jetzt nicht von meinem Vater sprechen, August," sagte sie leise. "Als ich Nachricht von deinem Schicksale erhielt und von dem Zeugnisse, wodurch ich dich von einer ungerechten Verurteilung retten sollte, da wusste ich, dass ich nur eine Wahl hattezwischen dir und meinen Eltern; es gab nichts dazwischen, August. Aber," fuhr sie fort und richtete den Kopf langsam auf, ihm mit voller Innigkeit in die Augen sehend, "das Weib soll Vater und Mutter verlassen, heisst's in der Schrift, und dass die sorge meiner Eltern um mich nicht rechte Liebe war, hatten sie mir gezeigt, als sie mich zu einer Heirat zwingen wollten, von der mich doch eigentlich nur Gott gerettet. Ich bin, glaube ich, in der einen schlaflosen Nacht vor meiner Abreise hierher von allen den Gedanken, die durch meinen Kopf