1859_Rupius_160_83.txt

-Anstalt nach Montgomery gebracht, da ist sie noch jetzt, und noch nicht ein Wort ist seit dieser Zeit über ihre Lippen gekommen; ihr früherer Tiefsinn aber war so allgemein aufgefallen, dass unter meinen Bekannten das jetzige Unglück kaum eine Ueberraschung erregteNiemand hatte eine Ahnung des wirklichen Zusammenhanges der Dinge. – Well, Sir," begann Morton, wie sich ermannend von Neuem, "während dieser acht Tage war die Coroners-Untersuchung beendigt worden und ich hatte, durch mein eigenes Unglück wie vor den Kopf geschlagen, kaum darauf geachtet, so nahe ihr Ergebniss mir auch liegen mochte. Erst nach der Abreise meines unglücklichen Mädchens machte mich Mrs. Morton auf den Verdacht, der auf Sie, Mr. Helmstedt, gefallen war, und auf die Pflicht aufmerksam, hier in irgend einer Weise einzugreifen. Ich sah ein, dass sie recht hatte, ich begriff, dass Sie nicht für eine fremde Tat leiden durftenaber was sollte ich tun, wenn ich nicht die Schande meines Kindes in die Oeffentlichkeit bringen, eine CriminalUntersuchung über sie verhängen lassen und meine häuslichen Verhältnisse den Zungen des ganzen Staates preisgeben wollte? Mir erschien es anfangs als das Einfachste, der Sache ihren Lauf zu lassen, da Ihre Unschuld sicher schnell genug aus Tageslicht kommen würde; als aber eine Verknüpfung der sonderbarsten Umstände gegen Sie zeugte, als meine Frau jeden Tag unruhiger wurde, als sogar mehrere Bekannte vom Gericht, die bei mir einsprachen, Ihrer Sache den schlechtesten Ausgang prophezeiten, da sah ich, dass gehandelt werden musste. Nach mancherlei trüben und vergeblichen Beratungen entschloss sich endlich meine kleine bewundernswürdige Frau, als sie den Kampf in mir bemerkte, meinem väterlichen Gefühl ein Opfer zu bringen, das wohl wenige Frauen gebracht hättensich der Missdeutung des ganzen Countys bloss zu stellen, und ehe ich nur noch meine Zustimmung gegeben, gegen die sich Alles in mir sträubte, hatte sie ihren Plan schon halb ausgeführt, Sie wissen, Sir, welche Anerbietungen sie Ihnen gemachtSie wiesen sie trotz Ihrer Gefahr zurück und von diesem Augenblicke an lernte ich Sie mit meiner ganzen Seele schätzen. Sie wissen auch, was Sie meiner Frau über Ihr verhältnis zu Ellen Elliot vertrautenwas Sie dabei nicht mit klaren Worten aussprachen, das liess sich erratenund hier bot sich uns ein neuer Weg zu Ihrer Rechtfertigung. Mrs. Morton wusste durch einen schriftlichen Herzenserguss von Ellen, wo sich deren Familie befandsie teilte jetzt dem Mädchen den ganzen Stand Ihrer Angelegenheiten, so wie Ihre Weigerung, eine Aussage über Ihren Aufentalt während der Mordnacht zu machen, mit, und wir hatten uns in dem kind nicht getäuschtsie kam hier an, gerade noch zur rechten Zeit, hatte ihre Mutter nur mit wenigen zurückgelassenen Zeilen über ihre Abwesenheit beruhigt und tapfer entschlossen den weiten Weg allein zurückgelegt. – Bei alledem wusste ich, dass ich Ihr Schicksal nicht an diesen einzigen Anker hängen durfte, ich kannte die Stimmung der Bevölkerung, die durch die unverzeihlichen Besprechungen und Speculationen der Zeitungen gegen das harmlose Mädchen erregt worden warder heutige Tag war der entscheidende, und so machte ich mich fertig, auf jeden Fall für Sie einzustehenZeit und überlegung hatten mir gezeigt, welcher Weg der einzig ehrenhafte war, und ich würde, als ich die Untersuchung sich zu Ihrem Nachteile wenden sah, auch ohne Isaacs Dazwischenkunft mit der Wahrheit herausgekommen seinder Beweis dafür liegt darin, dass ich die blutbefleckten Briefe, welche meine unglückliche Tochter dem Ermordeten entwendet, mit mir genommen hatte, um meine Angaben dadurch zu begründen. Isaacs Erzählung half dann freilich, ihnen bei meiner Mitteilung an den Staatsanwalt erst die rechte Beweiskraft zu geben. – Da haben Sie meine ganze beichte, Sir, das Gericht wird mit meinem armen kind jetzt wenig mehr zu tun habenIhr Schicksal, Sir, aber hat sich durch meine Schwäche in einer Weise gestaltet, dass Sie mir zu meiner eigenen Beruhigung gestatten müssen, Alles, was in meiner Kraft steht, anzuwenden, um den angerichteten Schaden wieder auszugleichenwie und auf welche Weise darf ich freilich nicht bestimmen, aber hoffentlich wird sich, wenn Sie mir vergeben wollen, in unserer gemeinsamen Beratung ein Weg dazu finden." Er wandte den Kopf nach dem jungen mann und hielt ihm die Hand hin. Helmstedt legte die seinige hinein. "Sprechen Sie nicht von vergeben, Mr. Morton," sagte er, "wer weiss, wozu Alles für mich gut ist, was geschehen und warum es so hat kommen müssen; das grösste Unglück, das ich in Amerika erlebte, diente nur dazu, um mich für das hiesige Leben brauchbar zu machenund jetzt, wo mir schon Hilfe angeboten wird, ehe ich nur weiss, ob oder was ich verloren habe, darf ich kaum von Unglück reden."

"Well, Sir, ich danke Ihnen," erwiderte Morton, der den Kopf hob, als habe er ein gefürchtetes, unangenehmes Geschäft vollendet, "aber mit den blossen Redensarten fangen wir die Ratte nicht. Ich würde sagen: lassen Sie uns warten bis morgen früh und dann in Ruhe überlegen, wenn unser Nachbar Elliot nicht ein Mann wäre, der wenig Zeit verstreichen lässt, bis er einen gefassten Entschluss zur Ausführung bringt. Was geschehen soll, muss heute Abend beschlossen werden, morgen im Laufe des Vormittags ist der Mann mit seiner Tochter vielleicht nach irgend einem Teile der Welt unterwegs und dann, sehe ich recht wohl, wäre Alles