Elliot tun soll? Dass das verhältnis zwischen Ihnen und seiner Tochter so schnell gereist ist, daran ist er mit seiner Blindheit gegen den Schurken, der jetzt vor Gottes Richterstuhle steht, selbst schuld – 's ist eine Fügung des himmels gewesen, wodurch das Mädchen Kraft zum Widerstand erhalten, sonst könnte er jetzt über sich und sein Kind jammern, wie Andere es tun müssen –" er hielt inne und blickte wie von einem Gefühle überwältigt vor sich ins Feuer. Helmstedt sah die plötzliche Erregung in seinem gesicht, ohne sie sich erklären zu können, aber auch ohne die eingetretene Pause unterbrechen zu mögen. "Entschuldigen Sie mich, Sir," sagte Morton endlich und strich mit der Hand langsam über sein Gesicht. "Sie werden mich heute Abend noch verstehen lernen; ich wollte nur sagen, dass Elliot den wenigsten Grund hat, gegen Sie aufgebracht zu sein, und dass ich gern für die ersten Schritte Ihren Advocaten abgeben will."
Helmstedt sah eine Minute schweigend vor sich hin. "Ich danke Ihnen von ganzem Herzen, Sir," sagte er dann langsam, "aber ich weiss nicht, welche Schritte ich gegen Elliot tun könnte, ohne den schmutzigen Verdacht, der meinem Verhältnisse zu Ellen untergelegt worden, zur Wahrheit zu machen. Ich bin vorläufig nichts und habe nichts, darin liegt Alles, und wenn mich Elliot bei meinem ersten Worte um seine Tochter wie einen ertappten Glücksritter zur Tür hinausjagte, würde ich mich kaum zu beklagen haben. Wäre Ellen arm und an Armut gewöhnt, so sollte uns kein Tag mehr von einander trennen und wenn ich unsern Unterhalt mit Holzspalten verdienen sollte."
Morton schüttelte den Kopf. "Sie können doch nicht gut von Elliot erwarten, dass er Ihnen jetzt entgegenkommen und das Mädchen anbieten soll? – und nach Allem, was Ellen getan, hat sie wohl auch ein Recht, einen Schritt von Ihnen zu verlangen, selbst wenn er gegen Ihren Stolz laufen sollte."
Helmstedt richtete den Kopf auf. "'S ist wahrhaftig nicht Stolz, der aus mir redet, Sir," sagte er und in seinem gesicht sprach sich der ganze Druck aus, der auf seiner Seele ruhte, "ich würde gern hingehen zu Elliot und ihm mein ganzes Herz ausschütten und mich an keine Demütigung kehren; wo soll es aber hinführen? Kann ich denn Ellen nur das kleinste los bieten, um sie vor Entbehrungen sicher zu stellen, oder soll ich mit um ihres Vaters Geld freien, wenn er nach meinen Existenzmitteln fragt? Ich hatte gehofft, mir irgend eine Selbstständigkeit zu erringen, sobald ich nur meinen Boden kennen gelernt; ich weiss, dass ich Energie und auch einige Kenntnisse habe; ich hatte gehofft, Elliots Vertrauen zu erwerben, aber das Schicksal hat eine Entscheidung herbeigeführt, wo meine Vorbereitungen noch nicht einmal begonnen hatten."
"Lassen wir die Sache einmal vorläufig ruhen und uns unsern Tee nehmen," sagte Morton aufstehend, "später lässt sich weiter reden." Als ihm Helmstedt folgte, sah er Pauline, die unhörbar eingetreten sein musste, hinter ihren Stühlen stehen.
Sie gingen nach dem Speisezimmer, aber wenig ward während des Mahles gesprochen. Helmstedt war durch die mit Morton gewechselten Worte selbst erst klar über seine jetzige Stellung geworden und Entschlüsse aller Art zogen durch seinen Kopf. Des Hausherrn schien sich, sobald er zum Tische getreten, ein trübes Sinnen bemächtigt zu haben, das er nur dann und wann durch ein paar einzelne Worte unterbrach, und selbst Pauline schien ihre eigenen Gedanken zu verfolgen. Die schweigsame Mahlzeit war fast zu Ende als Cäsar eintrat und meldete, dass der alte Isaac gern Helmstedt zu sprechen wünsche.
"Fühlt er sich nicht gut?" fragte Morton.
"Well, er sieht schlecht genug aus," erwiderte der Schwarze, "aber wohl nicht schlimmer als wie er ins Haus kam. Ich habe ihn schon gefragt, ob ich bei ihm bleiben solle, er verlangt aber nur nach Mr. Helmstedt."
Der junge Mann erhob sich und folgte dem Neger. Als sie den ersten Treppenabsatz erreicht hatten, hielt dieser an und sagte: "Sie sind doch nicht böse auf mich, Master, dass ich heute keine andere Aussage gemacht? Ich sah's Ihnen im Gesicht an, dass es nicht recht war, aber im Gerichte hatten sie mir den Kopf vorher so dumm und dick gemacht, dass ich eigentlich gar nicht mehr wusste, was ich gesehen hatte und was nicht."
"'S ist schon recht," winkte der Andere, "die Sache ist jetzt vorbei."
"Und noch Eins, Sir, ist es wahr, dass heute Nachmittag Elliots Sarah wieder zurückgekommen ist?"
"'S ist so, Cäsar," erwiderte Helmstedt und musste über dessen seltsam verzogenes Gesicht lächeln, "wenn Ihr jetzt noch einmal bei ihr anpocht, wird sie kaum wieder nein sagen."
Der Schwarze fuhr mit der rechten Hand in seine Kraushaare und zog das linke Knie fast bis zur Brust empor – ein pantomimisches Jauchzen – dann sprang er auf den Zehen den Rest der Treppe hinauf und öffnete die Tür nach des Pedlars Zimmer.
Helmstedt fand den Alten in halbsitzender Lage in seinem Bette, und in den weissen Kissen erschien das eingefallene Gesicht, von dem Lichte einer kleinen Schirmlampe beschienen, gelb und fast blutlos. Er hatte die Augenlider geschlossen, öffnete sie aber, als sich der junge Mann seinem Lager näherte und zeigte nach einem Stuhl