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wenn Sie mit den Leuten gehen, es wird Ihnen manchen Stein für die Zukunft aus dem Wege räumen!"

"Deshalb tue ich es nicht, Isaac."

Der Pedlar zuckte nur die Achseln, hustete ein paar Mal wie unter Schmerzen und sank dann wieder in sich zusammen.

Der Saal war leer geworden, die Lampen wurden nach und nach ausgelöscht, bis endlich nur noch eine einzige das notdürftigste Licht verbreitete. Pauline stand am Ausgange, auf Morton wartend, und Helmstedt mass den Boden mit langsamen Schrittenseine Gedanken waren in Oaklea. War das ganze Unglück der letzten Wochen nur ein notwendiges Mittel für das Schicksal gewesen, um i h n rasch seinem Glückke, seiner Vereinigung mit Ellen entgegenzuführenoder warf es ihn wieder zurück in eine schlimmere Lage als die, in welcher er Alabama betreten? Dachte er an die feindliche Stellung, welche Elliot während der Untersuchung gegen ihn eingenommen, an den starren Ausdruck seines Gesichtes, den dieser nach der Abgabe von Ellens zeugnis behauptet, so musste er auch an des Pedlars frühere Warnungen denkenmorgen vielleicht schon war das Mädchen von ihrem Vater nach irgend einem Teile der Welt gebracht und damit war der ganze Roman beendigt, und ihm selbst blieb nichts übrig, als den Rest des erhaltenen Salairs, der ihm streng genommen nicht einmal gehörte, zur Rückreise nach New-York zu benutzen, wo sich ihm wenigstens noch die Möglichkeit einer Existenz durch eigene Kraft bot. Aber er musste zugleich auch an Ellen denken, an die freudige Festigkeit, mit welcher sie, unbeirrt durch ihres Vaters Einfluss, zu seiner Rechtfertigung vor die Oeffentlichkeit getreten war, und sein Herz zitterte noch, als er sich die Scene zurückriefsie musste die Reise hierher ohne Wissen ihrer Verwandten angetreten haben, dafür sprach Elliots Ueberraschung bei ihrem Anblicke; die volle Energie der Liebe musste in ihr erwacht sein, die wohl jetzt für ihr beiderseitiges Glück kämpfte. Sie war des Vaters Liebling, und wenn sie nun auch wirklich seinen Widerstand brach, was dann weiter? Sollte er als ungern geduldetes Mitglied in die Familie treten und sich von dieser ernähren lassen? Wie die Verhältnisse standen, musste er im glücklichsten Falle selbst eine Existenz für sich und Ellen schaffen, durfte nicht die kleinste Beihilfe von Elliot annehmen, wenn er sich von dem Verdachte der niedrigsten Speculation frei halten wollte. Und doch wusste er noch nicht einmal, wohin mit sich selbst.

Seine Gedanken wurden durch Mortons Eintritt unterbrochen, der "Alles fertig" meldete. Der Pedlar erhob sich, die Gesellschaft schritt nach dem wartenden Wagen hinunter und bald rollte dieser durch die mondhelle Nacht dem Landhause entgegen. Helmstedt hatte sich mit Gewalt aus seinen Sinnen gerissen und versuchte ein Gespräch einzuleiten; Morton selbst schien aber, seit sie die Stadt verlassen hatten, mit seinem geist wo anders zu sein; auf seinem gesicht hatte sich ein Ausdruck von sorge gelagert, und er beantwortete Helmstedts Bemerkungen wohl freundlich, aber ohne weiter darauf einzugehen; Pauline sass ebenfalls still in ihre Ecke gedrückt und legte nur dann und wann, mit einem Aufblicke zu ihrem mann, ihre Hand auf die seinige, was dieser mit einem schwachen Lächeln beantwortete. Isaac schien zu schlafen, und so überliess sich auch Helmstedt bald wieder seinen eigenen Gedanken. Erst als der Wagen von der Strasse abbog, schien Morton mit sich selbst fertig geworden zu sein. "Sie werden Hunger haben, Sir, sammt unserm Isaac," sagte er, "hoffentlich finden wir aber ein ordentliches Abendbrod bereit!"

"Fühle eben nicht wie essen," erwiderte der Alte, "wenn Sie aber Etwas für mich tun wollen, so lassen Sie mir gleich mein Bett zeigen, das wird wohl für eine Weile Alles sein, was ich brauchedas Fahren hat mich schlimmer durchgeschüttelt, als ich mir's vorgestellt."

"Sind Sie wieder krank, Isaac?" fragte Pauline teilnehmend.

"Weiss eigentlich selbst nicht – 's wird wohl wieder vorübergehen!"

Das Landhaus war bald erreicht, ein Schwarzer geleitete den Pedlar nach einem der Schlafzimmer, wohin ihm Pauline Tee zu senden versprach, und Helmstedt folgte Morton nach dem Parlor.

"Setzen Sie sich, Sir, machen Sie sich's bequem und betrachten Sie sich zu haus," sagte dieser, zwei Stühle ans Feuer rückend, "wir kennen uns zwar noch nicht genauer, aber ich denke, das soll bald geschehen, wenigstens so weit, als ich dazu beitragen kann. Ich bin Ihnen mancherlei Aufklärungen schuldig," fuhr er fort, als sich Beide niedergelassen, "ich denke aber, wir ersparen uns das bis nach dem Tee; sagen Sie mir nur jetzt, ob Sie sich schon irgend einen Plan für Ihre künftigen Schritte gemacht haben, zu dem ich Ihnen irgendwie behilflich sein könnte. Ihr früheres verhältnis zu Elliot scheint wenigstens in der Art unmöglich geworden zu sein; bei der Stärke aber, mit der Ellen an Ihnen zu hängen scheint und nach dem öffentlichen Schritte, den das Mädchen heute getan, sehe ich für ihren Vater fast keinen andern Weg, als dass er sich mit Ihnen verständigt, wenn er nicht verkaufen und ganz von hier wegziehen will –"

"Sie wissen vielleicht, wie Ellen so plötzlich hierher gekommen ist, da Sie mit Ihnen in dem Gerichtszimmer erschien?" unterbrach ihn Helmstedt.

"Ich weiss es und Sie sollen auch von Allem unterrichtet werden. Ich möchte Sie nur fragen, ob ich vielleicht einleitende Schritte zwischen Ihnen und