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tat ihm wunderbar wohl. "Haben Sie Elliot nicht gesehen?" fragte er dann.

"Er war der Erste, der mit Ellen und Sarah den Saal verliess, und es ist gut so, August," erwiderte sie, "lassen Sie die Wellen sich erst etwas legen und die Tochter mit dem Vater aussprechen, ehe Sie sich ihm zeigen, ich habe ihr selbst dazu geraten, sich jetzt nicht aufzuhalten."

Helmstedt drückte die Hand vor die Augen, es erwachte ein Gefühl in ihm, dem es mit Macht widerstrebte, die Gegend seines früheren Aufentaltes wieder zu sehen, ehe er über seine Stellung dort im Klaren war. "Ich gestehe Ihnen offen," sagte er nach einer Pause, "dass ich heute lieber in der Stadt und allein für mich bliebe; Sie haben mir mit Ihrem Vorschlage so wohl getan, Pauline, wie ich es Ihnen kaum sagen kann, aber ich möchte erst, ehe ich irgend Jemand wieder unter die Augen trete, in mir selbst Ordnung schaffen und meine Lage recht ins Auge fassen. Ausserdem möchte ich auch heute nicht von meinem alten Freunde Isaac gehen, der es wahrhaftig nicht um mich verdient hat, dass ich ihn jetzt allein lasse. Und nicht wahr, Sie sind mir darum nicht böse?" fuhr er ihre Hand ergreifend fort, als er ihre leicht beweglichen Züge denselben trüben Ausdruck annehmen sah, den er schon kannte.

"Sie sind consequent in Ihren Zurückweisungen, August, Sie könnten's gegen Ihre gefährlichste Feindin nicht mehr sein," erwiderte sie, "Isaac findet bei uns besseren Platz, als in dem engen Hotel, das heute bis zum dach überfüllt ist, und von Ihren übrigen Gründen will ich gar nicht reden. Drückt Sie die kleinste Verbindlichkeit gegen mich gar zu sehr, so will ich Ihnen sagen, dass Sie sich jetzt keine auferlegen würden, wenn Sie auf mich hörten!" Sie wandte den Kopf nach dem mittleren Ausgange des schon fast ganz leer gewordenen Saales, wo ein alter Herr wartend stand und winkte. Helmstedt erkannte in dem Herbeikommenden Morton, der ihm die Hand bot und sie kräftig schüttelte. "Er will in der Stadt bleiben und erst mit sich selber fertig werden!" sagte Pauline.

"Well, Sir, das geht nicht!" rief Morton mit derber Biederkeit, "und ich erbitte es mir als eine gefälligkeit, deren Wert Sie vielleicht selbst noch nicht kennen, dass Sie mein Haus für das Ihrige ansehen. Wir sind Ihnen Genugtuung schuldig, wie wir sie Ihnen vielleicht kaum leisten können, und ich würde Sie nicht für den Mann halten, für den ich Sie kennen gelernt habe, wenn ich unter solchen Umständen eine Zurückweisung von Ihnen fürchten sollte."

Helmstedt fühlte in diesem Augenblicke vielleicht zum ersten Male, dass ein Stolz in ihm wurzelte, der grösseren Einfluss auf seine Handlungen ausübte, als er selbst gewusst. So lange sich dieser nur durch Zurückweisen von Hilfe und Unterstützung Anderer geäussert, hatte er es für etwas durchaus Edles gehalten, was sich in ihm regte; als aber jetzt der reiche Amerikaner vor ihm stand und ihm, mehr mit der Miene eines Bittenden, als eines Beschützers sein Haus anbot, als bei dem Tone des Mannes sich das wohltuende Gefühl, "auf gleichem fuss" behandelt zu werden, Helmstedts bemächtigte und eine Befriedigung in ihm hervorrief, vor der alle Gründe, welche ihn in der Stadt hielten, ganz wunderbar ihre Macht verloren, da schoss ihm ein Strahl von Selbsterkenntniss durch den Kopf. Fast hätte er, nur um sich nicht selbst eine Blösse zu geben, auch Mortons Anerbieten zurückgewiesen, aber Paulinens Auge ruhte so still und trübe auf ihm, dass es ihm wurde, als sei er eben im Begriff, ein neues Unrecht zu manchen bereits begangenen hinzuzufügen.

"Sie sind wirklich so freundlich gegen mich, dass ich nicht weiss, wie ich es verdient habe," sagte er endlich, "ich bin mit Ehren in Freiheit gesetzt worden, und das ist wohl alle Genugtuung, die ich verlangen kannaber ich will mit ganzem Herzen Ihre Einladung annehmen, da Mrs. Morton sagt, dass Isaac uns begleiten darf; ich bin es ihm schuldig, ihn jetzt nicht zu verlassen!"

"Ganz gut, Sir!" erwiderte Morton, einen blick auf den Pedlar werfend, "er mag sich bei uns auscuriren, und Platz im Wagen haben wir auch. Sprechen Sie mit ihm und ich lasse währenddem Ihre Sachen aus dem Gefängnisse herüberschaffen, – in einigen Minuten können wir unterwegs sein." Er drückte nochmals die Hand des jungen Mannes kräftig, warf seiner Frau einen blick zu und ging davon.

"Sind Sie mir noch böse, Pauline?" fragte Helmstedt und hielt dieser seine Hand hin.

"Ich bin Ihnen in meinem Leben noch nicht böse gewesen!" erwiderte sie, mit einem halben Lächeln zu ihm aufsehend, "höchstens war ich traurig, wenn Sie mich so wenig verstanden. Sprechen Sie aber jetzt mit Isaac!" fuhr sie fort und trat, sich wegdrehend, einige Schritte in den Saal hinein.

Helmstedt folgte der Aufforderung.

"Hab' die Verhandlungen gehört," sagte der Alte, "und wenn Sie durchaus bei mir sein wollen, so folge ich Ihnen. Hier oder dortfür mich wird's ziemlich gleich bleiben; meine Wirtin schläft bei ihrer Schwester in der Stadt, für Sie aber kann es nur gut sein,