noch schwach war, das Messer weggerissen hatte und das Haus verliess. Da kam mir plötzlich Blut in die Kehle, mir wurde schwarz vor den Augen und ich hatte gerade noch so viel Kraft, um die Tavern auf der andern Seite des Weges zu erreichen, wo ich auf der Türschwelle zusammenbrach. Die Leute im haus nahmen mich hinein und holten den Arzt; dort lag ich, meine Lunge hatte durch den Stich einen Denkzettel wegbekommen und es dauerte vierzehn Tage, ehe ich mich nur wieder auf die Beine stellen konnte. Es war in den ersten Tagen, wo der Schnee gefallen war, als ich mich zum ersten Male in der Unterstube ans Fenster gesetzt hatte und mich über die Zeitung und ihre Bemerkungen über die Mordtat ärgerte, als eine Schwarze, mit einem Bündel unterm Arm auf der Strasse vorüberging, die Niemand anders war, als eine von Mr. Elliots davongelaufenen Negern. Ich wurde von der Entdeckung so überrascht, dass ich wieder einen tüchtigen Stich in meiner Lunge fühlte; ich pochte aus Fenster, bis das Mädchen hörte, mich erkannte und in das Haus trat, wo ich sie ins Gebet nahm. Sie war auf dem Rückwege nach Oaklea, war dem weissen mann, der sie und ihre schwarzen Brüder geführt, wieder davongelaufen und hatte sich ihren Weg tief aus dem land durchs Wald und Wildniss bis hierher gesucht, um nicht ergriffen und nach haus transportirt zu werden. Das hatte sie getan, wie sie erzählte, weil Baker, der sie in Oaklea zu seiner heimlichen Liebsten gemacht gehabt, der sie erst zum Entweichen beredet und ihr vorgeschwatzt hatte, dass er sie im Osten heiraten und zur grossen Dame machen würde, zurückgeblieben war. Er war noch im letzten Augenblicke beim Antritt der Flucht zugegen gewesen, hatte sie mit sich auf sein Pferd nehmen wollen, als plötzlich ein Umstand eingetreten war, der ihn zurückgehalten hatte – und in diesem Umstande, Gentlemen," fuhr der Redende mit stärkerer stimme fort, "liegt der Schlüssel zu dem ganzen Geheimnisse, das den Mord umgibt. Es war nur kurze Zeit vor Ausbruch des Gewitters, als die Flucht angetreten werden sollte, ein einzelner greller Blitz kündigte das Wetter an, und in dem augenblicklichen Lichte sah Sarah, die sich dicht neben Baker gehalten, eine weibliche Gestalt neben diesem erscheinen und seinen Arm fassen, die sie wohl schnell und genau genug erkannte, hier in der Nacht aber am allerwenigsten vermutet hätte – eine junge Dame aus einer unserer besten Familien, mit fliegenden Haaren und zerzausten Kleidern. Als Baker sie erblickte, befahl er nach Sarah's Erzählung seinem Gehilfen mit hastiger und aufgeregter stimme, mit dem Schwarzen voranzugehen, er werde schnell nachkommen und wenn Sarah auch nicht gern der Aufforderung folgte, so hatte sie doch nur wenig Zeit zum Besinnen – vom haus her liessen sich laute Stimmen hören – das waren die unsrigen, als wir uns zum Verfolgen fertig machten – ihre Brüder nahmen sie in die Mitte und zogen sie davon. Fünf Minuten darauf brach der Regen aus – und, Gentlemen, der Mord ist erwiesenermassen vor Beginn des Wetters geschehen."
Der Pedlar hob den Kopf und machte wie ermüdet eine Pause, die durch keinen laut, selbst nicht durch eine Bewegung des Richters unterbrochen wurde.
"Ich will nur noch wenig sagen," fuhr er dann fort; "die Wirtin der Tavern, welche die erste Erzählung der Schwarzen mit anhörte, ist hier gegenwärtig und wird bezeugen, dass keinerlei Einwirkung auf das Mädchen stattgefunden hat. Sarah scheute sich, als sie von der Abreise der Elliot'schen Familie hörte, allein wieder nach Oaklea zu gehen und sie blieb deshalb in der Tavern, bis ich im stand sein würde, ihr zeugnis an die rechte Stelle zu bringen. Und das ist mir erst heute und auch heute nur mit Anstrengung möglich geworden. Sie mögen nun die Schwarze selbst über das Nähere befragen; sollte aber ihre Aussage nicht die volle Geltung haben, so wird doch jedenfalls dadurch der richtige Weg gezeigt und ich werde selber im stand sein Angaben zu machen, die auf die Ursachen der Tat das notwendige Licht werfen."
Seine stimme war während der letzten Sätze matter geworden, die Hand gegen die Brust gedrückt, hustete er ein paar Mal, trat dann zu einem der Stühle in seiner Nähe und liess sich langsam nieder. Mit ihm zugleich aber hatte auch Morton hastig seinen Platz verlassen und war zu dem Staatsanwalte getreten, und als sich jetzt der Verteidiger mit der Bemerkung erhob, dass der öffentliche Ankläger keinesfalls einen Einwand gegen Zeugen erheben werde, wie er sie selbst zur Unterstützung der Anklage benutzt, schien dieser kein Ohr zu haben als für die Worte des alten Pflanzers. Wenige Augenblicke darauf aber richtete er sich in die Höhe und sagte: "Möge es dem Gerichtshof gefallen, eine Pause von einer halben Stunde eintreten zu lassen. Es werden mir mit Rücksicht auf das letztabgegebene zeugnis soeben Mitteilungen gemacht, welche der Verfolgung möglicherweise eine ganz andere Richtung geben dürften, und ich werde nach der erbetenen Zeit bereit sein, meine directen Anträge zu stellen."
Keine ordnungslose Bewegung wie früher ergab sich, als der Richter die Unterbrechung der Verhandlungen verkündete; ein nachdenklicher Ernst schien sich der Menge bemächtigt zu haben, nur ein Flüstern der Erwartung durchzog die stillen Reihen und mancher Kopf, der bei dem Antrage zu Ellens Verhaftung befriedigt genickt hatte, wande sich jetzt halb scheu, wie mit dem Bewusstsein einer Uebereilung kämpfend, nach dem Angeklagten. Pauline war an