Vorfällen gefolgt war; sie bog sich zu der Negerin und schien in ihrer Ueberraschung einen Augenblick den Ort und ihre Stellung gänzlich vergessen zu haben; eine neue Bewegung begann sich der Versammlung zu bemächtigen; der Richter aber gab dem diensttuenden Beamten einen Wink, die Schwarze ward, noch immer schluchzend, nach ihrem früheren platz zurückgeführt und die Drohung des Richters, bei weiterer Störung den Saal von Zuschauern räumen zu lassen, schaffte Ruhe.
Zwölftes Kapitel.
Der Pedlar.
Jetzt hob der alte Mann den Kopf, nickte Helmstedt ernstaft zu und schritt vor. Schon bei seinem Eintritt schien das Gesicht des Angeklagten neues Leben gewonnen zu haben, er hatte Isaac, den Pedlar, erkannt, obgleich dieser in wenigen Wochen zehn Jahre älter geworden zu sein schien. Seine Backen waren eingefallen und seine Augen lagen tief in ihren Höhlen, er stützte sich, sichtlich matt, auf seinen Stock und liess dann und wann ein leises Husten, das Jener noch nie an ihm bemerkt hatte, hören. Was Helmstedt eigentlich von Isaacs Dazwischenkunft hoffte, war ihm selbst nicht klar, der Mann war aber gerade zu einer Zeit erschienen, als sich Helmstedts Seele ein Gefühl bemeistert hatte, als schwimme er vor dem offenen Rachen eines Haifisches, dem er nicht entrinnen könne und dem auch sein Liebstes, was sich zu seiner Rettung genaht, soeben zum Opfer fallen solle, als ihm jede helfende Hand verschwunden zu sein schien; Isaac musste Ursachen haben, dass er so lange nichts von sich hatte hören lassen und erst jetzt wieder auftauchte, und die Art, wie er sich einführte, zeigte, dass er nicht leer und ohne vollwichtigen Grund erschien. Ein peinliches Gefühl von Hoffnung, spannender Erwartung und Furcht vor einer neuen Enttäuschung ergriff den Gefangenen, als die Anfangsformalitäten zu des Pedlars Vernehmung geschlossen waren und dieser jetzt zu sprechen begann. "Des Herrn Wege sind wunderbar, Gentlemen," sagte der Alte und richtete sich aus seiner gebückten Stellung auf, "ich wurde verhindert in der Coroners-Untersuchung mein zeugnis abzugeben; ich lag nieder, auf den Tod nieder und durfte kein lautes Wort reden, konnte nichts tun und nichts helfen, wo ich doch klar sah, dass nach den Tatsachen, die bei der Todtenschau festgestellt waren, der Prozess einen falschen Weg nehmen musste, und hielt es für ein grosses Unglück. Und doch wäre mir's ohne das Schicksal nicht möglich geworden, die rechte Spur in der Sache aufzufinden und gute Männer, wie sie hier sitzen, vor einer grässlichen Ungerechtigkeit zu bewahren."
"Ich möchte den Zeugen ermahnen, sich nur an das zu halten, was zur Sache gehört," liess sich jetzt der Richter vernehmen, "und in möglichster Kürze angeben, um was es sich bei ihm handelt."
"Es handelt sich um eines Menschen Glück oder Elend, Richter, und das soll man nicht übers Knie brechen," erwiderte der Pedlar, "und wenn ich einmal dem Herrgott sein Recht gebe, das er selten genug erhält, so wird das wohl auch keinen Schaden bringen. 'S gehört übrigens nur zur Sache, was ich erzählen werde." Er hustete ein paarmal leicht auf und fuhr dann fort: "Der gemordete Mann war ein Spieler von Profession, hatte seine Niederlage im Riverhause und war dort schon einmal seinem tod wegen falschen Spieles nur durch ein Wunder entgangen. Der Wirt im Riverhause mochte auch wohl noch mehr von seinem hiesigen Treiben wissen, wodurch Licht in den Fall geschafft werden konnte, und ich machte mich gleich nach der Todtenschau dortin auf, um zu horchen, ehe sich dem mann, seines eigenen Interesses wegen, der Mund über das nächtliche Treiben in seinem haus schloss. Mein eigenes zeugnis über den Charakter des toten schien keinen rechten Glauben gefunden zu haben, und so lag mir mit daran, andere Beweise dafür beizubringen. Aber die Nachricht von dem Morde war schon im Riverhause, der Wirt schien alles Gedächtniss verloren zu haben und ich entschloss mich, über den Fluss zu gehen, wo der Mann einen Store hielt, welcher den letzten Streit wegen Spielbetrugs mit Baker gehabt und dabei von diesem einen Schuss in die Seite bekommen hatte. Der Mann, der bekannt genug in der Gegend ist, hatte in der letzten Zeit viel Geld verspielt, bezahlte nicht, sein Geschäft war ihm endlich durch ein New-Yorker Haus, mit dem ich selber in Verbindung stehe, zugeschlossen worden und er glaubte, ich habe durch einen Bericht über seine Lage seinen Sturz herbeigeführt. Ich traf ihn, kaum wieder von seiner Schusswunde hergestellt, hatte aber nicht einmal Zeit, ihm zu sagen, weshalb ich komme; er fiel, als ob er nur auf mich gewartet, mit Schimpfen und Schmähen, dass ich ihn ruinirt habe, über mich her, und als ich den aufgeregten Menschen mir vom leib halte, greift er nach einem kleinen Messer, das ihm zur Hand lag, und sticht es mir in den Leib. – Das, Ew. Ehren, mag zwar ebenfalls nicht hierher zu gehören scheinen," unterbrach er sich selbst, als der Richter neue Zeichen von Unruhe blicken liess, "es hängt aber so mit der Hauptsache zusammen, dass ich es nicht umgehen darf. Ich hatte," fuhr er ruhig fort, "die Wunde nur für einen ungefährlichen Kratz gehalten, da ich nicht viel davon spürte, und merkte erst, dass sie wohl mehr zu bedeuten habe, als ich dem wütenden Menschen, der aber