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; eins aber habe er noch hinzuzufügen, bemerkte Elliot am Schlusse, da ihm kein Punkt zu unwichtig erscheine, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen, das sei die Erzählung seines Schwarzen Dick, den er mit Helmstedt bei der aufgefundenen Leiche als Wache zurückgelassen habe, von dem sonderbaren damaligen Benehmen des Angeklagten. Der Leichnam mit seinen offenen gläsernen Augen und verzerrten Zügen habe auf jeden Menschen einen grausigen Eindruck hervorbringen müssen, so dass sich auch der Schwarze so weit davon weg gemacht habe, als es mit seiner Pflicht verträglich gewesen; Helmstedt aber habe sich neben den toten gestellt und ihm unverwandt in das Gesicht geblickt, gerade wie Einer, der sich ein fertig gebrachtes Werk noch einmal aufmerksam betrachtet, so dass es der Schwarze nicht mehr habe mit ansehen können und dem Angeklagten zugerufen habe – –

"Damn! das geht zu weit!" rief jetzt Helmstedts advokat mit kaum halb unterdrückter stimme und erhob sich.

"Möge mir der Gerichtshof ein Wort erlauben, ich muss gegen jedes zeugnis, was sich auf die Angabe von Negern gründet oder durch diese selbst beigebracht wird, als vollkommen unstattaft protestiren –" er wurde aber von Helmstedts Hand durch einen Griff an seinem arme unterbrochen. Er wandte sich um und ein kurzes leises Gespräch entstand zwischen Beiden, in welchem der Angeklagte eifrig auf seinem Willen zu bestehen schien. Mit einem Achselzucken wandte sich endlich der advokat wieder dem Richter zu. "Es kann wohl in keinem Falle mehr die Weisheit des Gesetzes hervortreten, Neger nicht als giltige Zeugen zuzulassen, als in dem vorliegenden," sagte er; "ein unwissender, abergläubischer Schwarzer, der sich vor dem Opfer eines Mordes entsetzt, sieht einen vorurteilsfreien, gebildeten Mann die Züge des toten betrachten, vielleicht mit einem wissenschaftlichen Interesse, von dem Jener nie auch nur eine Ahnung haben kann; in seinem geist entstehen sofort unheimliche Vermutungen, nach denen sich färbt, was er sieht, und er ist bereit, als Zeuge die abenteuerlichsten Gebilde seiner eigenen Phantasie als Tatsachen anzugeben und zu beschwören. Trotz alledem glaubt mein Client seiner guten Sache und der Entdeckung der Wahrheit zu schaden, wenn er sich auch nur einem einzigen Zeugnisse zu entziehen sucht und er wünscht deshalb, im Gegensatze zu meinem vorigen Proteste, der Anklage volle Freiheit zu geben und jeden Zeugen, den der Gerichtshof selbst als zulässig erachtet, vorzuführen." Der advokat setzte sich, ein leises Murmeln lief durch die Reihe der Zuschauer, der Staatsanwalt aber sandte dem Verteidiger einen heimlichen blick voll schalkhafter Drohung zu, als handele es sich nur um einen gelungenen Streich, den dieser eben gegen ihn ausgeführt. "Ich halte es für meine Pflicht, von der zugestandenen erlaubnis Gebrauch zu machen," sagte er sodann, einen tiefen Ernst wieder vor das Gesicht nehmend, "da in der Dunkelheit, welche das Verbrechen umgibt, jedes zeugnis über einzelne Umstände, und sollte es das eines Kindes sein, doppelten Wert gewinnt und wir werden sehen, ob die Verteidigung den weitern Aussagen mit derselben Zuversicht entgegentritt, wie sie sich jetzt den Anschein zu geben versucht." Er winkte einem der diensttuenden Beamten, welcher den Saal verliess, aber nach wenigen Minuten mit Cäsar zurückkehrte. Er war der Zeuge, welcher bei einem Gange nach Oaklea von weitem gesehen, wie Helmstedt dem heranreitenden Baker den Weg versperrt, in der Entfernung aber und in gleicher Linie mit den Reitern, die sich einander deckten, hatte er von den Bewegungen Beider nur wahrnehmen können, wie sich plötzlich Bakers Pferd gebäumt und davongesprengt sei, wie dieser es wieder gezügelt, zurückgeritten und dann gegen Helmstedt die Faust erhoben habe. Von einem Schlage, den Helmstedt geführt, hatte er nichts bemerkt, so sehr auch der Verteidiger ihm das Gedächtniss über diesen Punkt zu schärfen versuchte, um einen Hauptanschuldigungsgrund gegen Helmstedt, der sich auf den unweit des toten gefundenen Reitpeitschenknopf stützte, zu entkräften. Seine Bemühungen schienen nur dazu zu dienen, Helmstedts Angabe, dass er bei diesem Zusammentreffen den Knopf eingebüsst, als eine Ausflucht erscheinen zu lassen. Als Cäsar zurücktrat, folgten drei andere Zeugen, reiche Plantagenbesitzer aus der Umgegend, welche sich über den Charakter des Ermordeten, den Helmstedt nach seinem eigenen Zugeständnisse habe aus der Gegend treiben wollen, weil er ein Schwindler und Spieler sei, aussprachen, und bezeugten, dass sie mit Baker durch die besten Familien im Osten bekannt geworden und ihn immer nur als tadellosen Gentleman gekannt hätten. Zuletzt kamen die Beamten, welche Helmstedts Sachen durchsucht und über diese wie über Ellens Brief berichteten, der vor dem Staatsanwalt auf dem Tische lag und jetzt vorgelesen ward. – Das ganze zeugnis war so gelungen geordnet, dass ohne jedes verbindende Wort die überzeugung von Helmstedts Schuld und der Beweggrund, der die Tat erzeugt, sich wie ein logischer Satz in der Seele eines Jeden bilden musste.

Es war lange Mittag vorüber, als der letzte Zeuge für die Anklage gesprochen, und der Richter hob die Sitzung für eine Stunde auf. Von der Masse der Zuschauer schien indessen ein grosser teil entschlossen, den Platz zu behaupten; die meisten aus dem land Gekommenen hatten sich mit des Lebens Notdurft versehen und kaum hatten Gerichtshof und Advocaten ihre Plätze verlassen, als auch die gelöste Spannung sich in einem wirren Durcheinander von Stimmen Luft machte. Der Angeklagte ward wieder nach dem früher von ihm eingenommenen Zimmer geführt, an dessen Tür sich sein Verteidiger mit der Ermahnung, sich das Mittagessen nicht durch unnötig trübe Gedanken verderben zu lassen, von ihm verabschiedete. Helmstedt fand ein