ich will mir lieber aus den untersten Klassen herauf eine Laufbahn durch meine eigene Kraft öffnen, als einen bequemeren Anfang der zufälligen Hilfe Anderer zu verdanken haben. Ich bin nun einmal so, Pauline!"
Sie nickte still mit dem kopf. "Aber, gesetzt den Fall, Sie hätten eine reiche Braut, die Sie liebten," sagte sie nach einer kurzen Weile, "würden Sie sich auch von der nicht Ihren Weg erleichtern lassen?"
"Ich glaube nicht, dass, wenn ich selbst nicht viel Geld hätte, ich jemals ein reiches Mädchen zu meiner Braut machen könnte."
"Supper is ready!" rief die Mulattin durch die halbgeöffnete Tür.
"Lassen Sie uns hinunter zum Abendbrode gehen!" sagte das Mädchen mit einem trüben Blicke und wollte ihre Hand aus der des jungen Mannes ziehen; dieser hielt sie aber mit kurzem Drucke fest. "Verstehen Sie mich nicht falsch, Pauline," sagte er, "aber ich meine, es ist besser, wenn ich nach haus gehe, wir sind Beide zu aufgeregt, ich sehe Sie ein andermal wieder!"
"Ich will Ihnen zu nichts mehr zureden," erwiderte sie mit gedrückter stimme, "ob wir uns so bald wiedersehen werden, weiss ich auch nicht; Mr. Morton ist angekommen und hat über mich zu bestimmen. Aber um Eins bitte ich Sie, August! Wenn einmal eine Zeit kommen sollte, wo Ihre eigene Kraft die Hindernisse hier im land nicht mehr bändigen kann und wo eine helfende Hand nicht mehr gegen Ihre Ehre ist, so vergessen Sie nicht, dass Sie hier trotz Ihres Stolzes eine warme Freundin haben, wärmer – als Sie es verdienen!" Sie schlug einen Moment das Auge überquellend zu ihm auf, dann machte sie ihre Hand los und ging mit abgewendetem Gesicht ins Nebenzimmer. Helmstedt sah ihr nach und schwankte, ob er ihr folgen solle – langsam nahm er aber endlich seinen Hut und verliess das Haus. Er ging die Strasse hinab, Broadway zu, aber er war in einem Zwiespalt mit sich selbst, den er umsonst auszugleichen suchte. Bald erschien er sich wie ein Narr, der mit dem fuss die Rosen wegstösst, die auf seinen Weg fallen – bald kam ein Gefühl von Genugtuung, wie nach einer überwundenen Versuchung über ihn – bald trat der Eindruck, den das duftige Zimmer und das blühende Mädchen an seinem Halse auf ihn gemacht, wie ein Traum vor seine Seele, dass er stillstehen und sich noch einmal nach dem haus umsehen musste. "'S ist besser so!" brummte er endlich, mit der Hand über die Stirne streichend, und verfolgte die Strasse weiter.
An der Ecke von Broadway stand, einen Korb voll kleiner Toiletten-Gegenstände zum Verkauf um den Hals gehangen, ein Junge mit ausgeprägt jüdischen Zügen. Ein wild gewordenes Pferd mit einem Wagen hinter sich kam prasselnd die Strasse herab, und in dem augenblicklichen Gedränge, das durch die flüchtenden Fussgänger auf dem Seitenwege entstand, wurde dem kleinen Verkäufer der Korb vom Halse gerissen, und alle Herrlichkeiten darin über das Pflaster gestreut. Der Bube versuchte weinend seine Sachen wieder zusammen zu lesen und vor den Tritten der Passirenden zu schützen, und Helmstedt, der den ganzen Jammer des jungen Herzens mitfühlte, trat rasch hinzu, um aus dem Bankerott retten zu helfen, was wöglich. Als aber in dem wieder gefüllten Korbe, der jetzt ein Chaos von zerbrochenen Seifenstücken und in den Schmutz getretenen Allerhands bot, sich die ganze Grösse des Unglücks zeigte und der Knabe nach einem trostlosen Blicke darauf in ein bitteres Schluchzen ausbrach, klopfte ihm Helmstedt in einer Aufwallung des Mitgefühls auf den schwarzen Krauskopf. "Heule nicht, Bub, das Malheur wird sich ja noch gut machen lassen!" sagte er. "Weisst du, wo Williamstreet ist? Komm morgen früh mit deinen Sachen hin. Hier hast du meinen Namen und die Nummer." Er warf ihm seine Karte in den Korb und ging mit einem "Vergiss nicht!" von den grossen Augen des Knaben gefolgt, rasch weiter, da sich bereits ein Haufen Neugieriger um sie versammelt hatte. Er hatte eben angefangen seinen Schritt wieder zu mässigen, als er in dem Durcheinander der Fussgänger einen Menschen neben sich bemerkte, der eine Weile gleichen Schritt mit ihm hielt und ihn seitwärts betrachtete. "bitte' um Verzeihung, Sie sind wohl ein Deutscher?" begann er endlich. Helmstedt wandte den Kopf, und zwischen einem grauen Barte blickten ihn eine gebogene Nase und zwei kleine lebhafte Augen an, in denen der Jude nicht zu verkennen war. "Yes Sir! das bin ich," erwiderte Helmstedt und wandte den blick nach einem der Schaufenster, um einer weiteren Unterhaltung zu entgehen. "Sie sind wohl noch nicht lange im land?" war die zweite Frage. "No Sir!" antwortete der Angeredete kurz und ging rasch weiter. "Darf man fragen, was Sie für ein Geschäft haben?" Helmstedt warf auf den zudringlichen Frager einen kurzen, messenden blick und antwortete nicht. "Ich meinte es nicht bös, junger Herr – ich dachte nicht, dass Sie stolz wären – bitte' um Verzeihung!" – und damit blieb der aufgedrungene Begleiter zurück. Helmstedt schüttelte etwas verwundert den Kopf, hatte aber bald die kurze Scene in der wieder auftauchenden Erinnerung an die eben durchlebte Zusammenkunft vergessen. Erst als er sein Boardinghaus in Williamstreet und sein bereits dunkel gewordenes Zimmer erreicht hatte, trat