Und dabei musste ich heute von Männern des Gesetzes, die in unserm haus waren, auseinander setzen hören, dass Sie bei den vorliegenden Beweisen der Verurteilung, wenigstens wegen Teilnahme an dem Morde, nicht entgehen können."
"Wir wollen es abwarten!" sagte Helmstedt, den Kopf in die Hand stützend.
"Abwarten? Ihr sicheres Unglück? Ich w e i ss , dass es Ihnen nichts hilft, August; hier heisst es handeln und – Lüge gegen Lügen setzen, wenn darin die einzige Rettung ruht."
"Was meinen Sie?" fragte Helmstedt, sie mit grossen Augen ansehend.
"geben Sie einen Ort an, wo Sie gewesen sein können," erwiderte sie, während sich mit jedem Worte ihr Gesicht höher färbte, "sagen Sie – dass Sie die Zeit bei m i r zugebracht haben, mich aber durch die Angabe nicht hätten compromittiren wollen – oder ich will es angeben und bestätigen Sie es nur. Es ist für mich kein solches Opfer, wie Sie vielleicht meinen. – Für Sie aber, denken Sie daran, August, die einzige Möglichkeit Ihrer Rettung."
Helmstedt sah in das erregte Gesicht der jungen Frau, ohne augenblicklich eine Erwiderung finden zu können. Es war ihm wohl schon bei ihrem letzten Worte klar gewesen, dass er nie einen Weg einschlagen konnte, wie sie ihn eben angedeutet, selbst wenn dieser weniger gefährlich gewesen wäre, als es sich ihm auf den ersten blick zeigte – seine ganze natur sträubte sich dagegen; das gänzliche Vergessen ihrer selbst aber, das sich in ihrem Vorschlage auszusprechen schien, zusammen mit dem Ausdrucke ihres Auges, in dem eine sorge und Hingebung zitterten, die er so wenig verdient hatte, griffen ihm mit Macht zum Herzen. "Ich danke Ihnen, Pauline," sagte er endlich, ihr seine Hand reichend, "ich danke Ihnen aus vollster Seele – Sie kennen aber wohl selbst nicht den ganzen Umfang von dem, was Sie mir vorschlagen?"
"Ich kenne Alles, August, habe jede Folge überdacht, die daraus entspringen kann," erwiderte sie lebhaft; "ich wiederhole Ihnen aber nochmals, ich bringe kein besonderes Opfer dabei – lassen Sie mich handeln und widersprechen Sie meinen Angaben nicht, das ist Alles, was ich von Ihnen verlange."
Helmstedt drückte einen Augenblick die Hand vor die Augen. "Die Sache ist zu ernst," sagte er dann, "als dass ich nicht mit der vollsten Aufrichtigkeit, selbst wenn sie mir und Ihnen wehe tun sollte, sprechen müsste. Sie sind verheiratet und in sichern Verhältnissen für Ihr ganzes Leben, Pauline; was Sie jetzt beabsichtigen, müsste, wenn es volle wirkung haben und mein Schweigen erklären sollte, Sie aus dem Kreise Ihrer jetzigen Familie stossen. Lassen Sie mich ausreden," rief er, als sie Miene machte, ihn zu unterbrechen. "Das Alles wäre nichts, wenn Sie das Opfer einem mann brächten, der die Verpflichtung, die Sie ihm dadurch auferlegen, mit seinem Herzen vereinigen könnte, der es zu seinem höchsten Ziele machte, Ihnen durch volle Hingebung das zu vergelten, was Sie ihm aufgeopfert und Ihre Ehre vor der Welt durch eine legale Vereinigung wieder herstellte; das – Pauline – das ist Alles aber bei mir nicht der Fall – ich bin Ihnen ein geständnis schuldig, das bisher noch nicht über meine Lippen gekommen ist; ich bin mit Wort und Neigung anderwärts gebunden, und so wäre es Niederträchtigkeit, selbst in der höchsten Not ein Opfer anzunehmen, das in keiner Beziehung nach Verdienst wieder vergolten werden könnte."
"Sind Sie nun fertig, Sir?" erwiderte sie und in ihren leicht beweglichen Zügen spielte ein Ausdruck, halb aus Spott, halb aus einer tieferen Empfindung gemischt, "wer hat Ihnen denn gesagt, dass ich ein Opfer bringe oder von Ihnen nur e i n e n Gedanken verlange? Ich habe Ihnen meine ganze Seele offen dargelegt, damit Sie mich für das erkennen sollten, was ich bin, eine Frau, die sich nichts vorzuwerfen hat und der Sie vertrauen können; wäre nicht längst Alles vorbei und abgetan, was einmal in mir lebte, ich hätte wohl schwerlich so ohne Rückhalt zu Ihnen gesprochen und ich hielt Sie nicht für so klein, August, dass Sie sich meinen jetzigen Schritt durchaus nicht ohne selbstsüchtige Absicht denken könnten, dass Sie es für notwendig hielten, mir noch einmal auseinanderzusetzen, wie ungeheuer gleichgiltig ich Ihnen sei – als ob Sie mir das nicht längst schon deutlich genug gezeigt hätten!"
Helmstedt war von seinem stuhl aufgesprungen und schritt einigemal die stube auf und ab. "Ich habe Sie nicht beleidigen wollen, Pauline," sagte er dann vor ihr stehen bleibend, "aber jedes Opfer trägt einen Grund und eine Berechtigung seiner selbst in sich. Den Fall gesetzt, dass Ihr Vorschlag ausführbar wäre, so würden Sie im geringsten Falle Ihren guten Ruf dabei verlieren – w e s h a l b wollen Sie denn also das Opfer bringen, wenn ich selbst keinen teil an Ihrem Beweggrunde habe? Sie werden einsehen, dass mein Irrtum ein ganz natürlicher war, und meine Einwendung eine ehrliche, gebotene."
"Mein Opfer, wenn Sie es so nennen wollen, hat einen Grund und eine Berechtigung," erwiderte sie, während die Farbe aus ihrem gesicht wich, "ich habe Ihnen aber gesagt, August, dass meine Zunge mehr gebunden ist, als die Ihre es sein kann und Sie werden