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sieht mich einen Augenblick wie verwundert an, bricht dann in ein helles lachen aus und kommt von Neuem auf mich los. In diesem Augenblicke sehe ich eins der Mädchen, mit denen ich hergekommen, an dem arme eines Herrn langsam durch den Saal schlendern, ich fliege auf sie los und hänge mich an ihren Arm, mein Verfolger aber stellt sich mit lachendem gesicht vor uns Beide hin. "Haben S i e das scheue Kätzchen mitgebracht, Cora?" fragte er, "und ist sie wirklich noch so frisch hier, wie sie tut?" – "Sie werden wohl wie gewöhnlich den ungezogenen Bären gemacht haben!" erwidert das Mädchen ebenfalls lachend und dreht ihm den rücken, um den Saal wieder hinab zu gehen. "Sein Sie nicht zu spröde," zischelte sie mir zu, "er ist wohl plump aber generös!" – In meinem Entsetzen, wie ich's nie wieder in meinem Leben gefühlt, erkannte ich plötzlich, in welcher Gesellschaft ich war, ich hatte den Arm meiner Begleiterin losgelassen und wollte nach der Tür eilen, aber mir war's, als müsse ich bei dem ersten Schritt, den ich tue, umfallen; eine grässliche Angst packte mich, und als ich in diesem Augenblick die Hand des mich verfolgenden Menschen an meinem Kinn fühle, gebe ich ihm in meiner Verzweiflung einen Stoss, dass er zwei Schritte zurücktaumelt, und breche in ein krampfhaftes Weinen aus. Eben rauschte eine neue Quadrille vom Orchester und die Paare flogen an mir vorüber zu ihren Plätzen, Niemand schien den Auftritt beachtet zu habenda höre ich mit einem Male eine ruhige stimme neben mir: "Lassen Sie die Lady, Sir, wenn Sie ein Gentleman sind, Sie sehen, dass Sie sich in ihr geirrt haben, oder sie sich auch vielleicht in der ganzen Gesellschaft. Folgen Sie mir, Kind!" Der Ton in der stimme brachte eine wunderbare Beruhigung über mich, ich sehe einen ältlichen Herrn neben mir stehen, der mir seinen Arm bietet, und ich klammere mich daran wie eine Versinkende. "Ich will fort, Sir, nach haus, bringen Sie mich nur nach der Tür." – "Sie werden unbelästigt nach haus kommen," sagte er, "ich will Sie selbst dahin begleiten!" – aber dieser letzte Zusatz erweckte einen neuen Argwohn in mirich liess seinen Arm los. "Wenn Sie es redlich meinen, Sir, so verlassen Sie mich, sobald ich aus dem saal bin, es sind gewiss Wagen am Eingange, die mich nach haus bringen." – Er sah mich einen Augenblick schweigend an. "Haben Sie keine sorge, Kind," sagte er dann, "es soll geschehen, wie Sie wollen. Erst aber erzeigen Sie mir die Freundlichkeit und setzen Sie sich auf ein paar Minuten mit mir in eins der Nebenzimmerdenken Sie, Sie gingen mit Ihrem Vater, und haben Sie volles Vertrauen zu mir." Ich weiss nicht, war's der ruhige Ton in seiner stimme oder sein würdiges Gesicht, wodurch jedes Misstrauen in mir verscheucht wurdeich ging mit ihm; er liess Erfrischungen kommen und fragte mich dann über meine Verhältnisse aus und wie ich auf den Ball geraten sei. Ich sagte ihm ohne Rückhalt, was er nur zu wissen verlangte. "Also Sie haben keine Angehörigen hier und auch noch Niemand, an dem Ihr Herz hängt?" forschte er zuletzt. Ich konnte mit gutem Gewissen "nein" sagen, und nachdem er sich mein Boardinghaus, sowie das Geschäft, in dem ich arbeitete, aufgeschrieben hatte, brachte er mich nach einem Wagen, bezahlte den Kutscher und schied von mir.

Am zweiten Nachmittag darauf wurde ich aus der Arbeitsstube gerufen, da mich ein Gentleman zu sprechen wünsche. Es war der alte Herr vom Ball, der mich aufforderte, einen Spaziergang mit ihm zu machen, da er durchaus ungestört mit mir sprechen müsse. "Sagen Sie nur der Mistress, dass ich ein Onkel von Ihnen seiwenigstens," setzte er hinzu, "will ich versuchen, ob ich den Namen von Ihnen verdienen kann." Ich glaube, es war kein anderes Gefühl, als das der Neugierde, was mich bewog, dem Ansinnen zu willfahrender Mann mit seiner Teilnahme für mich, hatte mich schon während der vergangenen beiden Tage beschäftigtes war heller Sonnenschein und von einer Gefahr für mich konnte nicht gut die Rede sein. Ich ging mit ihm und er führte mich nach einem stillen platz in einer Broadway-Conditorei. Dort erzählte er mir, dass er einen grossen teil des Sommers in New-York zubringe, dass er aber das Hotel-Leben satt habe und sich nach einer Häuslichkeit mit ihren Bequemlichkeiten sehne; seine einzige Tochter, wenn sie mit ihm nach dem Osten komme, verbringe die Zeit mit einer fashionablen Familie in Saratoga und nehme keine Rücksicht auf ihn. Er habe sich schon vielfach umsonst nach einer person umgesehen, die er zu Dank verpflichten könne, und die ihm dafür eine freundliche Heimat schaffe; er sei längst über die Jugendtorheiten hinaus und verlange nichts als Pflege und Erheiterung, was er aber von mir gesehen und in den letzten Tagen erfahren, gebe ihm neue Hoffnung und er frage jetzt bei mir an, ob ich die Stelle einer Nichte bei ihm annehmen und seinem haus in New-York vorstehen wolle, so lange er hier seiich solle in allen