selbst eingesehen zu haben – und was die Aussagen des Negers Cäsar betrifft, selbst wenn sein zeugnis etwas gelten könnte, so erstreckt sich seine ganze Wissenschaft nur auf halbe Worte, die er unter den entflohenen Schwarzen aufgefangen haben will. Wir müssen uns also vorläufig nur an das halten, was wahrscheinlich und vernünftig aussieht, und so will ich, wenn Sie nach dieser Darstellung mir nicht etwa noch Etwas zu sagen haben sollten, meine letzte Hauptfrage an Sie richten."
Helmstedt hatte seine ganze Kenntniss über Baker erst aus zweiter Hand – dabei war seine Hauptquelle, Seifert, eben nicht die reinste und zuverlässigste – jetzt erst, bei den angeführten Zeugnissen für den Ermordeten, bei des Coroners ruhiger Betrachtung der Verhältnisse, dachte er hieran, und zum ersten Male kam ihm der Gedanke, ob er sich nicht durch seine aufkeimende Eifersucht wenigstens in Bezug auf die Stellung des Mannes zu falschen Voraussetzungen hatte hinreissen lassen, an die er um so lieber geglaubt, da sie mit seinen Wünschen übereingestimmt hatten. "Ich habe zu meinen Angaben nichts weiter zu bemerken," sagte er, "als dass, wenn meine Meinung von dem Ermordeten wirklich irrig gewesen sein sollte, meine dadurch hervorgerufenen Handlungen wenigstens aus den besten Absichten entsprangen."
"Der Ermordete," fuhr der Coroner fort, "ist gegen sechs Uhr Abends gesehen worden, wie er auf dem von ihm gewöhnlich gebrauchten Pferde vom Riverhause abritt. Nachts elf Uhr wurde dasselbe Pferd an der Stelle angebunden bemerkt, wo der Mord geschehen und wo es noch den Morgen darauf stand. Bei der dunkeln Nacht hat der Reiter wenigstens drei Stunden gebraucht, um diesen Ort zu erreichen, wenn er nämlich auf gradem Wege gekommen, möglich auch, dass er erst später als neun Uhr angelangt; dass aber der Mord v o r elf stattgefunden, beweist das durch den starken Gewitterregen vom Blute reingewaschene Gras. Ich erwähne aller dieser Umstände, damit Sie die volle Wichtigkeit der Frage, die ich an Sie stellen werde, fühlen mögen. Nach den Aussagen einiger Ihrer eigenen Hausgenossen sind Sie um elf Uhr noch nicht in Ihrem Bette gewesen, sind erst, kurz nach elf, bei schon beginnendem Regen, von Aussen in das Haus eingetreten und haben angegeben, dass Sie sich beim Nachhausekommen verspätet hätten. Nun geht aber bei einer Stockdunkelheit, wie sie an jenem Abende herrschte, Niemand ohne Zweck spazieren und ich möchte Sie fragen, wo Sie jenen Abend zwischen zehn und elf Uhr zugebracht."
über Helmstedts Gesicht zog eine tiefe Blässe; er starrte den Coroner einen Augenblick an und senkte dann die Augen – die verschiedenen zusammentreffenden Umstände traten plötzlich, zu einem mächtigen Verdachtsgrunde vereinigt, gegen ihn auf – erst sein mit Baker begonnener Streit und die von ihm zugegebene Absicht, den Mann aus der Gegend zu treiben; dann der neben dem toten gefundene Reitpeitschenknopf und zuletzt seine vermutete Abwesenheit aus dem haus, gerade zur Zeit des Mordes, eine Abwesenheit, die er selbst gegen Elliot bestätigt hatte. Das Alles schoss so schnell aber auch so klar wie ein Blitz durch sein Gehirn, und zugleich erkannte er die einzige Alternative, die es für ihn gab – entweder die letzte Frage des Coroners nicht zu beantworten und dadurch den Verdacht gegen sich noch zu verstärken – oder seinen nächtlichen Aufentalt in Ellens Zimmer zu verraten und so mit einem Male jenen Verdacht von sich abzuwerfen.
"Well, Sir," sagte der Coroner, "Sie müssen doch zu irgend einem Zwecke das Haus verlassen haben und irgendwo gewesen sein? antworten Sie mir also!"
Helmstedt war kurz mit seinem Entschlüsse fertig geworden – Ellens Ruf durfte auf keine Gefahr hin preisgegeben werden, mochte auch sein eigenes Schicksal jetzt laufen wie es wollte, und als in diesem Augenblick des Mädchens Bild vor seine Seele trat, wie sie ihn in der vollen Verschämteit ihrer Liebe angesehen, da fühlte er, dass ihm keine Marter ein Wort, das ihr weh tun musste, hätte entreissen können.
"Ich glaube nicht," sagte er und hob den Kopf frei in die Höhe, "dass ich im stand sein werde, die vorgelegte Frage zu beantworten, so leicht ich auch unter andern Umständen meine gänzliche Unkenntniss an dem stattgefundenen Verbrechen nachweisen könnte."
Der Coroner sah ihm einen Augenblick scharf in das Gesicht. "Sie wissen vielleicht die Folgen nicht, Sir, die diese Ablehnung der Antwort nach sich ziehen kann?"
"Ich erkenne sie vollkommen," erwiderte Helmstedt, ohne das Auge zu senken, "muss aber, selbst auf die Gefahr hin persönlich des Mordes verdächtig zu erscheinen, jede Auskunft über meinen Aufentalt während der bezeichneten Zeit verweigern. Ich meine, es sei nicht zu schwer sich Verhältnisse denken zu können, die selbst den unschuldigsten Mann zum Schweigen zwingen können."
"Well, Sir, und ich gestehe Ihnen offen," sagte der Coroner, sich langsam zurücklegend, "dass wo es um den Hals gehen kann, solche Verhältnisse ausser meinen Vorstellungen liegen. Zusammen mit den vorliegenden Tatsachen muss die jetzige Zurückweisung meiner Frage Sie der Grand-Jury überliefern und ich habe die Pflicht, Sie vorläufig verhaften zu lassen, wenn Sie sich nicht anders besinnen und den bessern Weg einer Rechtfertigung einschlagen sollten."
Helmstedt erbleichte einen Augenblick, verbeugte sich dann aber und sagte ruhig: "Tun Sie, wie Sie müssen, Sir; die gänzliche Grundlosigkeit einer Anklage gegen mich wird sich hoffentlich bald von selbst herausstellen."
"Bryan, führen Sie den Gentleman einstweilen ins