1859_Rupius_160_58.txt

Ermordete ist zwar, wie die stattgefundene Examination ergibt, durch einen Stich mit einem scharfen, einschneidigen Instrumente, dem Anscheine nach einem gewöhnlichen Messer, zu seinem tod gekommen, seine Stirne trägt aber auch die Spur eines kräftigen Schlages, der ihm jedenfalls vor der Todeswunde beigebracht worden. Unweit der Leiche hat sich nun dieser messingene Knopf hier vorgefunden, welcher nach Aussage zweier Zeugen zu einer nur von Ihnen in Gebrauch gehabten Reitpeitsche gehört. Haben Sie vielleicht eine idee, wie der Knopf dortin gekommen ist?"

"Ich glaube, die Erklärung ist leicht!" erwiderte Helmstedt ruhig und erzählte kurz sein Zusammentreffen mit Baker am Tage vor Sylvester. "Jedenfalls," schloss er, "ist der Knopf, den der Mann damals als 'Memorandum' – wie er sich ausdrückte, behielt, bei dem Morde aus seiner tasche geglitten."

"Von diesem Streite ist bereits durch einen Zeugen, der ihn von kurzer Entfernung aus mit angesehen, berichtet worden. Nach dessen Aussage sollen Sie indessen der angreifende teil gewesen sein und dem Ermordeten den Weg versperrt haben. Wollen Sie uns die Ursache dieses Angriffs Ihrerseits mitteilen?"

"Recht gern," erwiderte Helmstedt, dem jetzt plötzlich eine Ahnung kam, dass irgend ein Verdacht auf ihm ruhewelcher Art, war ihm freilich noch nicht klar. "Der ermordete Mann war ein gewöhnlicher New-Yorker Spieler und Industrieritter, der sich in mehrere Familien hier eingeschlichen hatte und eben im Begriff stand, sich durch seine Vorspiegelungen auf das engste mit der Familie meines Principals zu verbinden. Ich hatte schon versucht, Mr. Elliot vor dem Menschen zu warnen, fand indessen kein Gehör und konnte auch auf diesem Wege nichts weiter tun, da mir augenblicklich die Beweise gegen den Schwindler fehlten. Ich benutzte aber deshalb das Zusammentreffen auf der Strasse mit Baker, um ihm zu sagen, dass er und seine Vergangenheit bekannt seien und dass ich, wenn er nicht die hiesige Gegend verlasse, veröffentlichen werde, was ich wisse."

"Hatten Sie nicht irgend ein eigenes Interesse, den Mann von hier entfernt zu sehen? In der Regel bricht man, fremder Interessen halber, nicht einen gefährlichen Streit vom Zaune!"

In Helmstedts Gesicht schoss ein helles Rot, das aber eben so schnell wieder verschwand. "Ich hatte in dem angeführten Streite mit dem Ermordeten keine andere Absicht," sagte er langsam und bestimmt, "als ein Unglück von Mr. Elliots Familie abzuwenden. Hätte ich selbst auch etwas gegen den Mann und seinen Charakter gehabt, so dachte ich doch damals nicht daran."

"Ich werde Ihre Aussagen mit den bereits abgegebenen Zeugnissen zusammenstellen," erwiderte kalt der Coroner, "vielleicht finden Sie dann noch etwas an den Ihrigen zu berichtigen. Was den Reitpeitschenknopf anbetrifft, so besagt die Todtenschau, dass derselbe gegen vier Yards von dem Körper entfernt und seitwärts des Weges gefunden wurdees scheint also mehr als unwahrscheinlich, dass er aus der tasche des toten dahin gelangt; die idee aber, dass er bei einem Schlage mit der Reitpeitsche abgesprungen und dortin geflogen sei, war die erste, welche sich fast gleichzeitig allen Anwesenden aufdrängteich möchte Ihnen dabei auch die Bemerkung nicht vorentalten, dass die geschichte, wie Mr. Baker, während Ihres Streites mit ihm, den Knopf aufgefangen, und sich in Besitz desselben gesetzt haben soll, wenigstens ziemlich sonderbar klingt. Und was die Stellung des Ermordeten anbelangt, so ist hier das zeugnis mehrerer seiner hiesigen Freunde, welche ihn schon längere Zeit in Verbindung mit den besten Familien New-Yorks gekannt haben und somit Ihrer Aussage direct widersprechen. Haben Sie nun Etwas zur Erklärung Ihrer Angaben zu sagen, so tun Sie es."

Helmstedts Auge war während der Worte des Coroners immer gespannter geworden. "Ich möchte erst meine Stellung hier kennen, ehe ich ein Wort weiter rede," sagte er; "bin ich irgend einer Schuld angeklagt, so möchte ich das wissen; meine Aussagen werden kritisirt und verdächtigt, und der öffentliche Ankläger scheint mit dem Richter hier eine person zu bilden."

"Sie sind weder angeklagt, noch bin ich Richter, Sir. Mir, als Coroner liegt nur ob, auf Grund vorgefundener Tatsachen oder abgegebener Zeugnisse jede Spur zu verfolgen, durch welche Licht in das geheimnis des stattgehabten Mordes gebracht werden kann, und das ist es auch nur, was ich jetzt in Bezug auf Sie tue."

"Ich kann nur versichern," sagte Helmstedt nach einer kurzen Pause, "dass jedes meiner Worte die strengste Wahrheit entalten hat, und wenn Isaac, der alte Pedlar, hier wäre, so könnte dieser wenigstens den teil meiner Aussagen, der Bakers Geschäft und Charakter betrifft, bestätigen. Die geschichte des Sklavenraubes, bei welchem nach der Aussage des Pedlars der Ermordete die Hauptrolle spielte, dürfte ebenfalls ein neues Licht über dessen Persönlichkeit und die ganze Sache werfen."

"Möglich, Sir, vielleicht auch nicht. Sie werden mir einräumen müssen, dass, wenn man nur Sklaven stehlen will, es dazu nicht notwendig ist, sich den Eintritt in den innersten Schooss einer Familie zu verschaffen; dass es aber, wenn man wie Mr. Baker auf dem Punkte steht, selbst Glied dieser Familie und rechtmässiger Teilhaber ihres Glückes und Reichtums zu werden, es ein Wahnsinn wäre, Alles das wegzuwerfen, nur um heimlich ein paar Schwarze zu stehlen. Isaac ist übrigens mit seinen desfallsigen Behauptungen seit gestern Abend unsichtbar geworden, er scheint seinen Irrtum