sehen Sie darauf, dass Alles in dem Zustand verbleibt, wie wir es gefunden – ich will sogleich den Coroner aus der Stadt holen lassen. kommt mit mir, Isaac, ihr werdet den notwendigsten Zeugen abgeben müssen."
Er ging, von Cäsar und dem Pedlar gefolgt, davon und Helmstedt begann, sich die Stirne reibend, auf und ab zu schreiten. Die ungewohnten Ereignisse waren während der letzten zwölf Stunden so rasch auf einander gefolgt, dass ihm der ganze Kopf anfing wirre zu werden. Des Pedlars Erzählung summte durch sein Gehirn und wenn er einen blick auf das Gesicht und die stieren Augen der Leiche richtete, schien ihm der jetzige Mord ein so notwendiges Schlusskapitel dazu zu bilden, dass es gar nicht hätte ausbleiben können. Bald erschien ihm die Leiche nur noch wie ein teil von dem Bilde, das sich in seinem Kopf zusammenstellte, er trat heran und betrachtete die verzerrten Züge, ohne mehr als bei dem Betrachten eines Gemäldes dabei zu fühlen und erst Dicks stimme rief ihn wieder zum klaren Bewusstsein.
"Bin froh, dass es heller Tag ist, Sir, mir graut's vor dem toten Menschen dort und ich möchte ihm nicht so in die verdrehten Augen sehen, wie Sie!" Helmstedt wandte sich um; der Schwarze hatte sich bis an die Umzäunung zurückgezogen und sass dort mit verlegenem Grinsen auf einem Baumstumpfe.
"Warum nicht, Dick? 's ist eben nur ein todter Mensch, der Niemand mehr etwas zu Leide tun wird," erwiderte der Deutsche; als er aber den blick jetzt wieder auf die Leiche fallen liess, war es ihm, als wolle ihm selbst ein Grauen ankommen; die gläsernen Augen stierten ihn mit demselben finstern Blicke an, wie damals, als er mit dem lebenden mann den ersten ernstaften Streit gehabt.
"'S ist freilich nur ein todter Mensch," sagte der Schwarze, als sei er froh, sprechen zu können, "aber ich möchte ihn doch nicht herausfordern, ob er mir etwas zu Leide tun könne, es soll eine sonderbare Sache mit Ermordeten sein."
Helmstedt begann wieder schweigend auf und ab zu schreiten, er liess den blick über die Gegend schweifen, sah in den Himmel über sich, der, blau wie Azur, selbst der abgestorbenen Landschaft einen freundlichen Charakter verlieh; aber so oft er den daliegenden Körper passirte, wurde sein blick wie magnetisch wieder darnach hingezogen und traf den drohenden Ausdruck in den toten Augen; er drehte sich endlich ganz weg und trat an die Umzäunung, aber je mehr er an etwas anderes denken wollte, um so deutlicher stand das Gesicht des Ermordeten vor seiner Seele. "Ich habe die Nacht nicht geschlafen und meine Nerven sind aufgeregt wie noch nie!" sagte er, "'s ist Alles natürlich!" aber er fühlte dennoch eine Art Erleichterung, als er zwei Schwarze zu seiner und Dicks Ablösung über die Felder kommen sah.
Elliot stand in der Hintertür, als Helmstedt herankam, und obgleich aus des Letzteren Seele beim Erblicken von Ellens Fenster alle dunkeln Bilder wie Schatten vor der aufsteigenden Sonne wichen, so wagte er doch jetzt nicht hinaufzuspähen. "Ich habe nach dem Coroner geschickt," sagte Elliot, "aber es kann manche Stunde vergehen, ehe er ankommt und es ist am besten, wir benutzen die Zeit zum Schlafen, damit wir nachher klaren Kopf haben; wir werden es Alle brauchen können. 'S ist Neujahrstag heute," fuhr er, die Augen in die Hand drückend fort, "ein schöner Anfang des Jahres!"
"Sind die Ladies schon unterrichtet?" fragte Helmstedt, der sich Ellens Gesichtsausdruck beim Empfang der Nachricht zu vergegenwärtigen suchte.
"Ich ging diese Nacht weg, Sir, und wusste nicht, ob ich nach dem, was Isaac gemeldet, nicht selbst das Leben dieses Menschen nehmen musste – meine Frau wusste das und dies war ihre bitterste Stunde: jetzt ist die Nachricht von seinem Morde durch eine andere Hand nicht das Schlimmste, was ich heimbringen konnte – steht es doch eigentlich noch gar nicht fest, ob wir die Betrogenen waren, oder ob sich Isaac nicht selbst betrog. Es wird hoffentlich Alles klar werden – gehen Sie jetzt zu Bette, wie ich es tun werde; sobald die Todtenschau beginnt, werden wir geweckt."
Helmstedt ging notgedrungen nach seinem Zimmer; zweimal noch verliess er es, als Elliot unsichtbar geworden war um vorsichtig umher zu spähen – einen einzigen blick nur hätte er mögen mit in seine Träume nehmen, aber er musste sein Bett suchen, ohne seine sehnsucht gestillt zu sehen.
Neuntes Kapitel.
Dringender Verdacht.
Helmstedt musste lange geschlafen haben – als er erwachte, schien die Sonne in seine Fenster, und doch konnte das nur bei vorgerücktem Morgen geschehen. Undeutlich entsann er sich, dass ihn böse Träume einige Male aufgeschreckt hatten und da war es dunkel um ihn her gewesen – er musste also den Nachmittag des vergangenen Tages und die darauf folgende Nacht in einem Striche durchgeschlafen haben. Kopfschüttelnd sprang er vom Bette, auf welches er sich mit der Kleidung geworfen hatte und machte sich fertig, um beim Frühstücke erscheinen zu können; sonderbar kam es ihm vor, dass er am Abende vorher von Niemand geweckt worden war, und wäre es auch nur des Nachtessens wegen gewesen. Er ging endlich nach dem Speisezimmer, sah aber hier an dem Zustande des Tisches, dass die Hausbewohner schon sämmtlich ihr Frühstück eingenommen hatten; in dem ganzen haus aber herrschte