wenn er jetzt entschlüpfte, die gelegenheit niemals so wiederkommen werde – well, Sir, ich habe umsonst geduldig gewartet, habe umsonst meinen ganzen Witz angewandt, als es Zeit war – er ist fort und wird nach dem Streiche niemals den Süden wieder betreten; ich bin mit meinem Glauben zum alten Narren geworden und der Schimpf an meinem kind bleibt ungesühnt!" Der Pedlar schwieg und sah starr ins Feuer vor sich.
"Ich hatte niemals so ein Schicksal in Ihrem Leben vermutet," sagte Helmstedt nach einer Pause, "aber nehmen Sie den einzelnen Fehlschlag nicht so schwer Isaac, 's ist noch nicht aller Tage Abend und noch selten ist ein Spitzbube dem Galgen entlaufen. Wer weiss, welche Genugtuung Ihnen noch vorbehalten ist!" Der Alte schüttelte nur schweigend den Kopf und versank in stilles Hinbrüten.
Eine lautlose Viertelstunde verstrich, bis endlich der erwartete Schwarze mit seiner Ladung Holz ankam und die Pferde vor den viereckigen Familienwagen des Wirtes spannte, und nach kurzem Aufentalt rollten die Männer Oaklea zu. Elliot schien durch die Bewegung des Wagens in einen Halbschlummer zu verfallen, der Pedlar sah schweigend in die Gegend hinaus und vor Helmstedts Seele trieben sich bald Bilder aus Isaacs Erzählungen herum, bald trat Ellen vor sein innerstes Auge, und bunte Vorstellungen von der Gestaltung seines künftigen Lebens in Elliots haus durchkreuzten ihn. Nur die Schwarzen auf dem vordersten Sitze des Wagens liessen ihr halbgeflüstertes Gespräch nicht ausgehen, so lange die Fahrt währte.
"Ich möchte wohl, dass wir unseren Weg gleich hin
über nach dem hintern Torgatter nähmen und den Platz dort besichtigten; das zurückgelassene Pferd wird auch noch dort sein, wenn es sich nicht abgerissen hat –" begann Elliot, als der Wagen fast in der Höhe von Oaklea war; – "wenn wir hier absteigen, haben wir nur ein paar Minuten durch den Wald zu gehen."
"Wie Sie wollen, Sir!" erwiderte der Pedlar und die
Gesellschaft stieg aus; Elliot schickte den schwarzen Kutscher mit dem Fuhrwerke wieder zurück, die Uebrigen durchschritten den Wald, bis sie den Pfad erreichten, auf dem sie in der Nacht die Flüchtlinge verfolgt, und bald hatten sie die erste Einzäunung der Pflanzung im gesicht.
"Dort steht das Pferd und hängt den Kopf," rief
Dick, der seitwärts den Andern vorangegangen war, "es scheint jämmerlichen Durst zu haben."
Elliot schritt rasch vorwärts, bis er das Torgatter
erreicht hatte und liess hier den prüfenden blick umherlaufen; aber da war nichts, was nur die geringste Aufmerksamkeit erregt hätte und eben kletterte er an der Umzäunung in die Höhe, um sie zu übersteigen, als er wie von einem Schlage getroffen inne hielt. "Um Gottes willen hierher!" rief er den Nachfolgenden zu, "da – da liegt er!"
Helmstedt war, von dem Tone des Ausrufs erschreckt, mit zwei Sprüngen herbeigeeilt und folgte dem Pflanzer über die Umzäunung, welche dieser langsam hinabstieg.
In dem vergilbten Grase lag ein menschlicher Körper hingestreckt, dessen Wäsche und Kleider wie in Blut getaucht schienen. Das Gesicht war nach oben gekehrt und eine blaue Spur, wie von einem schweren Schlage zeigte sich auf der Stirn. Helmstedt hatte kaum einen blick darauf geworfen, als er auch wie angewurzelt stehen blieb. "Baker!" das war das einzige Wort, was er in seiner Ueberraschung hervorbringen konnte.
"Baker! – wirklich Baker!" sagte Elliot auf die Leiche starrend. "Den wir verfolgt haben bis Ditto's hinauf, der liegt hier ermordet auf meinem grund – das ist eine furchtbare geschichte!"
In diesem Augenblicke kam Isaac, den Kopf vorgestreckt und, das Gesicht von Aufregung gerötet, heran. Einen langen gierigen blick heftete er auf das Gesicht des Erschlagenen, dann fasste er nach dessen Handgelenke. "tot und steif!" sagte er langsam, als der Arm, seiner Hand entgleitend, wieder schwer auf den Boden zurückfiel, "er hat seinen Lohn und ich habe freventlich gemurrt."
"Aber, um der Barmherzigkeit willen, wie kommt er hierher und wem haben wir denn nachgejagt?" rief Elliot, aus seiner ersten Betroffenheit zu sich kommend; "sind wir nicht am Ende in einem ungeheuren Irrtum gewesen? Wenn die Neger mit ihrem Entführer auf und davon sind – und ich habe selbst das weisse Gesicht unter den Schwarzen schimmern sehen, als sie ans Land sprangen – so kann der unglückliche Mensch hier nicht der Schuldige gewesen sein –"
"Halt, Sir," sagte Isaac sich aufrichtend, "der hier liegt, ist der wahrhaftige Räuber, dessen Schultern so schwer von Sünden waren, dass der Herrgott sich das Gericht über ihn selber vorbehalten und ihm schon sein Ziel gesteckt hatte, als wir ihn noch zu fangen gedachten. Den Sie auf dem Flusse unter den Schwarzen gesehen, das war nur sein Gehilfe – Beide hatten sich verabredet, gestern Nacht die Flucht mit den Negern anzutreten, das haben diese meine Ohren gehört, und es ist Gottes sichtbare Hand, die ihn hier niedergestreckt, damit er nicht wie die Andern seiner Strafe entgehe."
"'S ist Alles recht, Gottes Hand ist überall," sagte Elliot mit einem Anfluge von Ungeduld, "damit allein aber ist der entsetzliche Vorfall nicht abgetan und auch der Coroner nicht befriedigt. Wir dürfen keine Zeit verlieren, um das grässliche geheimnis aufzuklären. Bleiben Sie mit Dick hier, Mr. Helmstedt, bis ich andere Leute zur Wache hergeschickt habe, und