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fuhr er nach einer Weile fort, aber der Mensch kann einmal nicht allgegenwärtig sein und ich glaube, ich werde alt. "Jetzt weiss ich nicht einmal die genaue Stundeaber Cäsar wird wissen, wenn es losgehen soll!" Er schritt weiter, ohne rechts oder links zu sehen, dunkele Dämmerung fing an hereinzubrechen, der in schnellem Uebergange bald die Nacht folgte. Der Alte schien aber vollkommen mit seinem Wege vertraut zu sein und verfolgte ohne Stocken oder Zaudern die verschiedenen Windungen. So mochte er mehrere Stunden gegangen sein, als der Wald endete und in der Ebene vor ihm sich einzelne Lichter zeigten. Bald gelangte er zu einer Feldumzäunung; er überkletterte sie und sah nach kurzem Gange durch hochaufgeschossenes Unkraut die dunkeln Umrisse zerstreut liegender Negerhütten vor sich. Er war auf Mortons Besitztum. "Guten Abend, Onkel; ist Cäsar zu haus?" fragte er, als ein alter, eisgrauer Neger das Fenster aufschob.

"Er muss gleich wieder hier sein, Sir, er ist nur noch einmal nach dem Stalle, wir haben ein krankes Pferd," war die Antwort, "wollen Sie nicht so lange hereinkommen?"

Der Pedlar hielt die Uhr gegen das herausscheinende Lichtes war zehn vorüber. Er sah einen Augenblick sinnend in die dunkeln Wolken. "Wenn sie noch in der Nacht den Fluss erreichen wollen," brummte er, "so müssen sie spätestens um elf Uhr aufbrechen und ich kann mich hier nicht aufhalten. – Ich werde lieber selbst nach dem Stalle gehen!" fuhr er fort und wandte sich, durch die Dunkelheit seinen Weg suchend, Mortons Landhause zu. Er erreichte das weitläufige Stallgebäude, sah in alle Abteilungen hinein, aber nirgends war ein Mensch zu sehen. "Jedenfalls auf dem Wege verfehlt!" brummte er wieder, "und ich weiss nicht einmal den Ort, wo sie sich treffen wollen; ich kann nicht allein gehen!" Er nahm in Hast seinen Weg wieder zurück nach den Negerhütten und eben als er das früher verlassene Haus erreichte, trat der Gesuchte aus der Tür. "Halloh, Cäsar, vorwärts, oder wir kommen zu spät!" Er zog von Neuem seine Uhres war fast halb elf. "Ich habe schon lange auf Sie gewartet, Sir!" sagte der Schwarze, "sie wollen um elf zusammen aufbrechen!"

"Dann los, was die Beine hergeben wollen," rief der Pedlar, "ich musste erst, der Gewissheit wegen, die ganze Schusterei aus dem mund des Menschen selbst hören, und das hat mich aufgehalten!" Der Alte schritt durch die Felder, als hätten seine Beine doppelte Länge erhalten und Cäsar hatte Mühe, gleichen Schritt zu halten.

"Haben Sie etwas Neues gehört, Sir?" fragte der Schwarze.

"Lauf jetzt, und schwatze nicht," erwiderte der Alte, "oder deine schöne Sarah geht auf Nimmerwiedersehen davon und wird durch die Spitzbuben nach den Zuckerplantagen in Louisiana verkauft. Weisst du den Ort genau, wo sie zusammentreffen wollen?"

"Yes, Sir!"

"Gut!"

Der Schwarze war fast ausser Atem, als sie Elliots Haus durch die Dunkelheit schimmern sahen; der Pedlar aber schien trotz seines langen Marsches gegen jede Ermüdung gestählt zu sein; sein langer, gleichförmiger Schritt hatte noch keinen Zoll eingebüsst. Eben öffnete er das Gattertor an dem platz vor dem haus, als ein blendender Blitz und ein krachender Donnerschlag eine Secunde lang seine Schritte hemmte. "Well, Cäsar, das wird sie wohl aufwecken und uns langes Pochen ersparen!" sagte er, sich nach dem Schwarzen umsehend, "die Spitzbuben haben eine schlechte Nacht getroffen, denn bei dem einen Schusse wird es nicht bleiben." Er wandte sich nach der Seite des Hauses und klopfte an Helmstedts Fensterer klopfte zum zweiten Male, und stärker, als keine Antwort erfolgte, aber mit eben so wenig Erfolg. Kopfschüttelnd wandte er sich nach kurzem Zögern der Vordertür zu und begann hier sein Pochen von Neuem.

Ein Fenster im obern Stocke öffnete sich: "Ist Jemand hier?" fragte Elliots stimme.

"Isaac, Sir!" antwortete der Alte. "Kommen Sie herunter, der Wolf ist unter Ihren schwarzen SchafenSarah und ihre drei Brüder sind eben daran, auf und davon zu gehen!"

Elliot stiess einen unverständlichen laut aus und verschwand vom Fenster. Nach kurzer Zeit erschien er, notdürftig angekleidet, in der geöffneten Haustür. "Ihr seid's, Isaac? wer ist auf und davon?"

"Sarah und ihre drei Brüder, Sir, doch wenn wir rasch sind, können wir sie sammt dem weissen Wolfe wohl noch fassen."

"'S ist aber doch fast unmöglich, Mann!" rief Elliot, wie in Verwirrung, "habt Ihr Euch nicht täuschen lassen? Sarah hat heute Abend erst erlaubnis erhalten, zu einem Negerballe zu gehen."

"Halt, Sir!" rief der Alte und fasste Elliots Arm, "hier heisst's handeln und sich nicht lange besinnen. Merken Sie auf: der Mann, der Ihre Schwarzen stiehlt, heisst Bakerich bin seiner Fährte nachgegangen, so lange er hier in der Gegend ist, denn wo er hinkommt, lässt er Unheil zurück; ich habe ihn belauscht in seinem verborgenen Quartiere im Riverhause, konnte aber nur aus einzelnen Worten erraten, was er im Werke hatte; da half mir Cäsar hier zufällig