der Ueberdachung, die ihn jeden Augenblick in Gefahr brachte herabzugleiten. Die Fenster des Erdgeschosses, welche bis zur Höhe des Portico-Daches reichten, waren an ihren oberen Enden mit breit hervorspringenden Gesimsen als Verzierung versehen, und Helmstedts Fuss, welcher nach einem besseren Halte suchte, traf bald den ihm zunächst gelegenen Vorsprung, der ihm eine feste Stellung zu verheissen schien; er fasste mit den Händen in die darin befindliche Fensteröffnung des oberen Stockes, die nach ihrer Lage zu dem Treppenhause gehören musste und trat auf den Sims hinüber. Ellens Zimmer war jetzt nur eine Fensterbreite von ihm entfernt und ein Verständniss war von hier aus leicht zu erzielen. "Können Sie mich jetzt genau verstehen, Miss?" begann er leise.
"Wo stehen Sie denn?" kam die ängstlich geflüsterte Frage zurück.
"Gleich hier auf dem Fenstervorsprung!"
"Um Christi willen, Sie müssen fallen, Mr. Helmstedt, Sie haben keinen Halt und ich ängstige mich zu tod, so lange ich Sie in der Stellung weiss!"
Dem Deutschen begann es beinahe selbst zu scheinen, als werde er seinen Platz nicht lange behaupten können, er hatte seiner Stellung nur dadurch einige Festigkeit gegeben, dass er seinen rechten Arm fest in die Fensteröffnung, vor der er stand, gedrückt hatte; diese war aber so flach, dass es ihm war, als müsse jeden Augenblick sein Arm herausgleiten. "Miss Elliot, ich muss unter allen Umständen mit Ihnen reden," sagte er und versuchte sich fester anzuklammern, "es ist die höchste Zeit dazu – wollen Sie mir erlauben, dass ich versuche bis zu Ihnen zu kommen, ich glaube, ich kann den Schritt nach dem nächsten Sims mit Leichtigkeit tun!"
"Ich habe ja nichts dagegen, aber Sie werden gewiss dabei herunterstürzen, Sie können ja keinen Schritt weit vor sich sehen!"
"Bleiben Sie stehen, wie jetzt, Miss, Ihre helle Kleidung gibt mir einen Punkt fürs Auge, im schlimmsten Falle ist die Höhe vom Boden nicht so ungeheuer!" Er schob sich vorsichtig bis zum Ende des Vorsprunges, klammerte sich mit der rechten Hand fest an die Fensterbekleidung, presste sich platt an die Mauer und tat, mit ausgestrecktem linken arme, um sofort in Ellens Fenster fassen zu können, langsam einen weiten Schritt. Er fühlte die Ecke des nächsten Simses unter seinem fuss, seine linke Hand hatte schon festen Halt gewonnen, als sein Schuh abglitt und plötzlich die ganze Last seines Körpers an seinem arme hing. Ein unterdrückter Schrei zeigte ihm, dass Ellen seinen Unfall wahrgenommen; er strebte vergebens, sich soweit hinauf zu ziehen, um mit dem Knie die Simsecke wieder zu erreichen, immer ging ihm die Kraft aus, ehe er so weit gelangt war; sein rechter Arm suchte vergebens an der glatten Mauer daneben einen Halt zur Unterstützung zu gewinnen und liess eben die möglichen Folgen eines Falles durch seinen Kopf schiessen, als er von oben seinen Rockkragen gefasst fühlte. "Noch einmal!" hörte er Ellens aufgeregte stimme, "versuchen Sie mit aller Macht jetzt, ich helfe!" und die Kraft, mit der er sich gefasst fühlte, überraschte ihn. Noch einmal nahm er alle seine Stärke zusammen und mit einem zug hatte er das Sims unter dem Knie, seine rechte Hand fasste das Fenster und aufrecht stand er wieder – aber Ellens Hand zog noch immer; es kam Helmstedt vor, als halte sie sich wie in einem plötzlichen Krampfe an ihn, und keinem andern Gedanken als einer über ihn kommenden Angst nachgebend, stieg er rasch durch das Fenster ins Zimmer. Ellen fiel bewusstlos in seine arme.
Das Feuer im Kamin war niedergebrannt, aber die glimmenden Kohlen verbreiteten eine schwachrote Dämmerung im Zimmer und nur einzelne hervorlekkende Flammen schossen Streiflichter die Wände entlang. Helmstedt hielt das Mädchen, das in ein leichtes fesselloses Negligé gehüllt an seinem Herzen ruhte, als berühre er ein Heiligtum, aber seine Pulse, schon in Aufregung durch das eben Erlebte, flogen fieberhaft. Einen Augenblick hatte er wohl daran gedacht, die Bewusstlose irgendwo niederzulegen, oder etwas zu ihrer Wiederbelebung zu tun, er fühlte aber, dass sein nächster Schritt, sobald sie die Augen aufschlage, der wieder zum Fenster hinaus sein müsse – und jetzt durfte er sie doch noch in seinen Armen halten! "Er sah in ihr matt beleuchtetes, erblichenes Gesicht und es schien ihm fast noch schöner als im Prangen der Jugendfrische; er neigte sich über sie – ein Tropfen Seligkeit und dann ein ganzes Leben davon zehren!" war der Gedanke, der sich seiner bemächtigte: leise in zitternder Innigkeit drückte er seine Lippen auf die ihrigen; als er aber seinen Kopf wieder erhob, schlug sie, wie durch ihn geweckt, voll und gross die Augen auf, sie sah ihn an und lächelte; im nächsten Augenblicke aber schien sie zum vollen Bewusstsein gelangt zu sein und schnellte erschreckt in die Höhe. Sie warf einen blick um sich, einen zweiten auf ihn und eine glühende Röte übergoss sie. "Mr. Helmstedt – um Gottes willen –" stammelte sie und trat wie in sich selbst zurückfliehend, einen Schritt von ihm.
"Ich gehe schon, Miss," erwiderte er, und bemühte sich, die Bewegung in seiner stimme zu unterdrükken, "ich sah Sie ohnmächtig werden und die Besorgniss hat mich hereingetrieben."
Er wandte sich nach dem Fenster. "Aber nicht wieder da hinaus!" rief sie auffahrend und griff nach seinem arme